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Weltnachrichten

Trotz Appell zum Dialog erneut Tote bei Kämpfen um Bergkarabach

FILE PHOTO: Armenian artillery is seen near Nagorno-Karabakh's boundary, April 8, 2016. REUTERS/Staff/File Photo/File Photo

Jerewan/Baku (Reuters) - Trotz internationaler Appelle zur Zurückhaltung gehen die Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach weiter.

Die beiden ehemaligen Sowjet-Republiken beschossen sich nach Angaben ihrer Verteidigungsministerien auch am Montag mit Artilleriefeuer. Bergkarabach sprach von 28 weiteren Toten auf seiner Seite, seit Sonntag sind es demnach 59. Laut Agentur Interfax wurden zudem rund 200 Armenier verletzt. Aserbaidschan meldete sechs Tote und 19 Verletzte und ordnete eine Teil-Mobilmachung an. In Armenien gilt dies schon seit Sonntag. Zudem haben beide Länder Kriegsrecht verhängt. Die schwersten Kämpfe um die Region seit 2016 waren am Sonntag wieder aufgeflammt, wofür sich beide Länder gegenseitig die Schuld gaben. Armenien hat ein Verteidigungsbündnis mit Russland, die Türkei ist ein Verbündeter Aserbaidschans.

China und Russland forderten beide Länder zur Beendigung der Kämpfe und zum Dialog auf. Die Bundesregierung sprach von einer “gefährlichen Lage”. Es müsse einen Waffenstillstand und sofortige Verhandlungen geben.

Beide Konfliktparteien warfen sich vor, ausländische Unterstützung zu erhalten. Die Agentur Interfax zitierte den armenischen Botschafter in Russland mit den Worten, die Türkei habe rund 4000 Kämpfer aus Nordsyrien nach Aserbaidschan geschickt. Dem armenischen Außenministerium zufolge kämpfen türkische Militärexperten “Seite an Seite” mit Aserbaidschanern. Der Nachbar wies die Vorwürfe zurück. Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar sagte zudem, Armenien müsse die “Söldner und Terroristen” zurückschicken, die es von Außen in die Region gebracht habe.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte, Armenien müsse sich sofort von aserbaidschanischem Land zurückziehen. Am Sonntag hatte er dem Präsidenten von Aserbaidschan, Ilham Alijew, bereits “verstärkte” Solidarität zugesagt. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte mit dem armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan telefoniert. Dieser hatte die internationale Staatengemeinschaft aufgefordert, eine Einmischung der Türkei in den Konflikt zu verhindern.

Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, für die Eskalation verantwortlich zu sein. Aserbaidschan hatte erklärt, Armenien habe Bergkarabach aus der Luft und mit Artillerie beschossen. Die eigenen Truppen hätten daraufhin Panzer, Hubschrauber und Drohnen der gegnerischen Seite zerstört. Aserbaidschan erklärte indes, man habe auf einen armenischen Angriff reagiert.

Armenien und Aserbaidschan streiten seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion über die Zugehörigkeit von Bergkarabach, das zu Aserbaidschan gehört - aber hauptsächlich von Armeniern bewohnt wird und sich 1991 von Aserbaidschan lossagte. Der Westen und die Länder der Region sehen den Konflikt mit Sorge, da er den Südkaukasus destabilisieren könnte. Dort verlaufen wichtige Öl- und Gaspipelines. Obwohl das mehrheitlich christliche Armenien und das mehrheitlich muslimische Aserbaidschan 1994 einen Waffenstillstand schlossen, werfen sie sich regelmäßig gegenseitig Angriffe rund um Bergkarabach mit seinen rund 150.000 Einwohnern und entlang der gemeinsamen Grenze vor. Dabei hatte es wiederholt auch Tote gegeben.

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