August 7, 2019 / 12:16 PM / 2 months ago

Wirtschaftssorgen treiben Länder in Asien zu Zinssenkungen

Containers are seen at the Yangshan Deep Water Port in Shanghai, China August 6, 2019. REUTERS/Aly Song

Mumbai/Bangkok (Reuters) - Der sich zuspitzende US-Handelskonflikt und zunehmende Konjunktursorgen treiben große Notenbanken in Asien zu Zinssenkungen.

Während die Währungshüter in Neuseeland am Mittwoch ihren Schlüsselsatz auf ein Rekordtief kappten und künftig sogar Negativzinsen nicht ausschließen, war in Thailand nicht mit einer Zinssenkung gerechnet worden. Beide Notenbanken befürchten, dass der sich verschärfende Zollsstreit zwischen den USA und China sich dämpfend auf ihre Volkswirtschaften auswirkt. Indiens Zentralbank kappte aufgrund von Sorgen um die heimische Konjunktur den Leitzins bereits das vierte Mal in Folge.

Ein Paukenschlag war die Entscheidung in Neuseeland. Dort senkte die Zentralbank den Leitzins unerwartet kräftig um 50 Basispunkte auf ein Rekordtief von 1,0 Prozent. Notenbank-Gouverneur Adrian Orr erklärte zudem, notfalls auch Negativzinsen einzuführen. Es sei leicht möglich, dass dies erforderlich sein könne. Letztmalig hatten die Währungshüter ihren Schüsselsatz 2011 um 50 Basispunkte gesenkt, als die Stadt Christchurch von einem verheerenden Erdbeben getroffen wurde. Neuseeland bekam in den vergangenen Quartalen die Spannungen im Welthandel in seiner Industrie und bei den Exporten zu spüren. Die Geschäftsvertrauen war zuletzt gesunken.

Das sei der Startschuss für den Zinssenkungswettlauf, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com zu dem Zinsbeschluss. “Um eine Analogie aus dem Radsport zu bemühen: Das ist ein Ausreiß-Versuch, aber das Verfolgerfeld wird daran arbeiten, aufzuschließen.” Die Analysten von Westpact rechneten für November mit einer weiteren Senkung um 0,25 Prozentpunkte.

THAILAND TREIBT GEFAHR EINES HANDELSKRIEGS UM

Thailands Notenbank setzte ihren Schlüsselzins um 25 Basispunkte auf 1,50 Prozent herab. Der Schritt kam unerwartet. Noch im Dezember hatten die Währungshüter den Satz das erste mal seit sieben Jahren angehoben. Laut Titanun Mallikamas, Sekretär des über die Zinsen entscheidenden geldpolitischen Ausschusses, möchte sich die Zentralbank angesichts gestiegener Gefahren eines Handelskrieges Zeit kaufen. Sie rechnet damit, dass das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr unterhalb ihrer bisherigen Prognosen liegen wird. Sorge bereitet ihr unter anderem der Kursanstieg der Landeswährung Bath. Seit Jahresbeginn legte sie zum Dollar um 5,6 Prozent zu.

Indiens Währungshüter senkten ihren Schlüsselsatz um 35 Basispunkte auf 5,40 Prozent. Die Entscheidung fiel im sechsköpfigen Führungsgremium mit knapper Mehrheit. Einigkeit bestand indes darin, die konjunkturstützende geldpolitische Ausrichtung beizubehalten. Die Notenbank sorgt sich vor allem um das Wachstum. Oberste Priorität habe daher, die Nachfrage anzuschieben, insbesondere die Investitionen, hieß es. Die Effekte der jüngsten Zinssenkungen seien zwar allmählich in der Wirtschaft zu spüren. Die günstigen Inflationsaussichten böten aber noch weiteren geldpolitischen Spielraum.

Asiens drittgrößte Volkswirtschaft war zum Jahresauftakt um 5,8 Prozent gewachsen, was deutlich unter den Prognosen lag. Die Inflationsrate lag im Juni dagegen nur bei 3,18 Prozent. Die Teuerung liegt damit schon seit fast einem Jahr unter dem mittelfristigen Ziel der Notenbank von vier Prozent.

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