March 6, 2018 / 1:38 PM / 7 months ago

Immer mehr Autobauer läuten Abschied vom Diesel ein

- von Jan Schwartz und Irene Preisinger

Cars drive past Germany's Federal Administrative Court before it decides whether German law provides a legal basis for cities to ban diesel cars to help reduce air pollution, in Leipzig, Germany February 27, 2018. REUTERS/Fabrizio Bensch

Genf/München (Reuters) - Der Abgesang auf den Diesel wird wegen drohender Fahrverbote lauter: Toyota, der zweitgrößte Autobauer der Welt, kündigte auf dem Genfer Autosalon an, in Europa künftig keine neuen Pkw-Modelle mehr mit Dieselmotoren anzubieten.

Allerdings ist der Absatzanteil des Selbstzünders bei Toyota ohnehin klein. Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne sagte am Dienstag beim ersten großen Treffen der Branche in Europa: “Wir werden die Abhängigkeit vom Diesel substanziell verringern.” Zuvor hatten schon Volvo und Porsche den Selbstzünder in Frage gestellt. Matthias Müller, Chef vom Weltmarktführer Volkswagen, hielt dagegen: “Ich bin fest überzeugt, dass der Diesel ein Revival erleben wird.”

Der Wolfsburger Konzern will - wie auch viele Oberklasse-Hersteller - nicht auf die Technologie verzichten. Denn ohne sie, so die Befürchtung, sind strengere Abgasziele nicht zu erreichen, weil Dieselfahrzeuge weniger Sprit verbrauchen und daher weniger CO2 erzeugen. Wegen der hohen Stickoxidbelastung insbesondere durch ältere Dieselautos in einigen Städten hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig aber vergangene Woche den Weg für Fahrverbote frei gemacht. VW-Chef Müller mahnte deshalb zur Eile. “Ganz kurzfristig geht es darum, jetzt effizientere und saubere Fahrzeuge in die Städte zu bringen, um die drängenden Probleme zu lösen.” Der Vorstandsvorsitzende sprach von einem Bündel an Maßnahmen, um die Luftbelastung zu senken: Es reiche vom Umtausch weiterer älterer Diesel in solche mit moderner Euro-6-Abgasnorm über den verstärkten Einsatz des Erdgasantriebs bis hin zu Elektroautos, die in größerer Zahl auf die Straßen kommen sollen.

NEUER MINISTER - ALTE LINIE

Der künftige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sprach sich wie sein Vorgänger und CSU-Parteifreund Alexander Dobrindt gegen eine blaue Plakette aus. Mit dieser Kennzeichnung könnten sauberere von schmutzigeren Fahrzeugen unterschieden werden, was den Kommunen die Kontrolle von Fahrverboten erleichtern würde. “Die blaue Plakette ist fachlich begründet falsch und bedeutet in der Folge Fahrverbote. Genau die wollen wir ja vermeiden”, sagte Scheuer der “Passauer Neuen Presse”. Dagegen hatte das Umweltbundesamt zuvor eine gestaffelte Lösung mit zwei Plaketten ins Gespräch gebracht: Nachgerüstete Euro-5-Diesel und bereits zugelassene Autos der Euro-6-Norm könnten demnach eine hellblaue Plakette bekommen. Diesel mit den neuen Abgasstufen Euro 6d-TEMP oder Euro 6d, die einen deutlich geringeren Stickoxid-Ausstoß hätten, könnten eine dunkelblaue Plakette erhalten.

VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann sagte in Genf: “Wir sollten lösungsorientiert arbeiten und nicht per se eine Technologie in die Abstellecke stellen, nur weil es gerade populär ist. Es wäre ein Frevel, den Diesel für die Zukunft abzuschreiben.” Allerdings machen viele Verbraucher angesichts immer neuer Negativ-Schlagzeilen einen Bogen darum - die Dieselzulassungen sinken.

Rivale Toyota teilte mit, Hybridmodelle seien in den Kernsegmenten gefragter als Dieselfahrzeuge. Im vergangenen Jahr steigerten die Japaner den Absatz von Hybridfahrzeugen um 38 Prozent auf 406.000, “was 41 Prozent aller 2017 verkauften Autos des Konzerns entspricht”. Der Dieselanteil lag den Angaben zufolge bei unter zehn Prozent. Wie Toyota weiter mitteilte, werden für Nutzfahrzeuge wie den Land Cruiser auch weiter Dieselmotoren angeboten.

BENZINER TEURER MACHEN?

Fiat Chrysler plant laut “Financial Times”, bis 2022 keine Pkw mehr mit Dieselantrieb herzustellen. Die Kosten seien zu hoch, die Nachfrage aber kollabiert. Branchenkenner gehen davon aus, dass die Entscheidung für das Auslaufen des Diesels im Juni verkündet wird. Zur Fiat-Chrysler-Gruppe gehört auch die Geländewagenmarke Jeep.

Daimler-Strategiechef Wilko Stark antwortete auf die Frage, ob man Spritschlucker mit höheren Preisen versehen könne, um die Nachfrage zu lenken: “Vom Grundsatz her gibt es solche Überlegungen.” Man müsse aber in Summe schauen, dass die CO2-Ziele erreicht würden und dazu sei Flexibilität bei den Antrieben wichtig. Saubere Diesel zählten ebenso dazu wie Plug-in-Hybride oder Elektrofahrzeuge. “Wir sehen, dass zwar der Diesel unter Druck kommt, dass aber die Nachfrage an Plug-in-Hybriden in Europa drastisch anzieht. Das wird dadurch überkompensiert”, sagte Stark zu Reuters. “Was uns hilft, ist, dass viele Großkunden ihre Flottenpolitik umstellen.” Damit würden alternative Antriebe attraktiver. Der Verkauf von Elektroautos nimmt allerdings erst langsam Fahrt auf, auch weil in der Lade-Infrastruktur viele Lücken erst nach und nach geschlossen werden.

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