February 28, 2020 / 10:04 AM / a month ago

Autosalon wird Virus-Opfer - Fragezeichen hinter Olympia

- von Edward Taylor und Alexander Hübner

People attend the 89th Geneva International Motor Show in Geneva, Switzerland March 5, 2019. REUTERS/Denis Balibouse

Frankfurt/München (Reuters) - Die Angst vor einer Ausbreitung des Coronavirus torpediert immer mehr Messen und andere Großveranstaltungen.

Die Organisatoren des Genfer Autosalons zogen drei Tage vor dem Beginn einer der weltweit wichtigsten Automessen die Reißleine: “Wir bedauern diese Situation, aber die Gesundheit aller Beteiligten ist für uns und unsere Aussteller absolute Priorität. Dies ist ein Fall von höherer Gewalt”, sagte Maurice Turrettini, der Präsident des Stiftungsrats des Veranstalters, am Freitag. Er reagierte damit auf die Schweizer Regierung, die alle Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern mindestens bis Mitte März untersagt hat, um die Ansteckungsgefahr einzudämmen.

Auch hinter anderen Messen wie der Berliner Internationalen Tourismusbörse (ITB) - und selbst hinter den Olympischen Sommerspielen in Tokio - stehen Fragezeichen. Die Veranstalter der Baselworld verlegten die Uhren- und Schmuckmesse in Basel am Freitag auf Januar 2021. Der Genfer Uhrensalon und die Mobilfunkmesse in Barcelona waren dem Virus bereits zum Opfer gefallen.

Die ITB soll am kommenden Mittwoch (4. März) beginnen. In Branchenkreisen wurde am Freitag mit einer Absage gerechnet. Das empfiehlt auch das Bundesgesundheitsministerium, wie es im Umfeld des Ministeriums hieß. Bei Großveranstaltungen sei es besonders schwierig, bei Infektionen zurückzuverfolgen, mit wem die Virusträger Kontakt hatten. Der Veranstalter DER Touristik hatte seinen jährlichen Messeabend am Dienstag mit 1700 Gästen bereits gestrichen. “Eine unbeschwerte, fröhliche Feier wäre bei der allgemeinen Unsicherheit über eine Ansteckungsgefahr durch das Corona-Virus nicht möglich”, sagte ein Sprecher. Die bayerische Staatsregierung sieht dagegen keinen Anlass für ein pauschales Verbot von Großveranstaltungen. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) empfahl Messe-Veranstaltern nur, Aussteller aus Risikogebieten wie China oder Norditalien auszuladen.

In Japan hat die Debatte um die Austragung der Olympischen Spiele in Tokio fünf Monate vor der geplanten Eröffnungsfeier begonnen. Für das Land geht es um viel Geld: Zwölf Milliarden Dollar hat Japan bereits in das Treffen der weltbesten Sportler gesteckt. “Es ist nicht daran zu rütteln, dass die Spiele wie geplant stattfinden”, sagte die stellvertretende Direktorin des Organiationskomitees, Katsura Enyo, zu Reuters. In Japan gibt es mehr als 200 Corona-Fälle und fünf Todesopfer, dazu kommen 700 Infizierte und vier Tote auf einem Kreuzfahrtschiff vor der Küste. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, betonte, man stehe voll zu Olympia in Tokio.

Mitte Juni beginnt das zweite sportliche Großereignis des Jahres, die Fußball-Europameisterschaft. Sie wird erstmals in zwölf Städten ausgetragen, zwischen denen Mannschaften und Fans hin- und herreisen.

“FINANZIELLE FOLGEN ERHEBLICH”

Eine Absage von Olympia würde auch die Versicherer teuer zu stehen kommen. Das IOC hat sich mit 800 Millionen Dollar gegen einen Ausfall der Spiele versichert. Die Organisation steckt rund eine Milliarde Dollar in jede Gastgeberstadt der Spiele. Dazu kommen Ausfallversicherungen von Reiseveranstaltern, Hotels, Sponsoren, Fernsehanstalten und Fanartikel-Herstellern. Die Analysten von Jefferies schätzen die Versicherungssumme rund um Olympia 2020 auf mehr als zwei Milliarden Dollar. Je später eine Absage komme, desto größer der Schaden, warnte Adrian Thomas vom Versicherungsmakler Aon. “Wenn man zwei oder drei Wochen vorher absagt, ist das ganze Geld schon ausgegeben.”

Nicht alle, aber doch die meisten Ausfallversicherungen für Großveranstaltungen decken auch Pandemien ab, wie Alli McLean von der Allianz sagt. Münchener-Rück-Vorstand Torsten Jeworrek, dessen Haus Teil des Versicherer-Konsortiums für Tokio ist, bezifferte das Risiko für den Rückversicherer auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Bei den Winterspielen 2018 in Südkorea war die Münchener Rück mit mehr als 250 Millionen Euro engagiert.

Die großen Autohersteller, die in Genf ihre neuen Modelle präsentieren wollten, arbeiten unterdessen an Alternativen. So wollen BMW und Mercedes-Benz den BMW Concept i4 und die überarbeitete Mercedes-E-Klasse nun im Internet präsentieren. Auch Audi denkt an eine Vorstellung des A3 Sportback und des e-Tron S auf digitalen Kanälen. Der Aufbau der Stände sei beinahe abgeschlossen gewesen, nun müsse der Abbau organisiert werden, teilte der Messebetreiber Palexpo mit. “Die finanziellen Folgen für alle an der Veranstaltung Beteiligten sind erheblich und werden in den kommenden Wochen bewertet.” Während die Besucher - im vergangenen Jahr waren es 660.000 - ihr Geld zurückbekommen sollen, bleiben die Hersteller auf den Kosten sitzen.

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