November 10, 2014 / 2:13 PM / in 4 years

Regulierer fordern von Großbanken dickeren Kapitalpuffer

The skyline of the banking district is pictured in Frankfurt, October 21, 2014. The European Central Bank will release the results of Europe's most comprehensive review of its banks' health on October 26. The outcome will give the clearest picture yet on the state of the European banking sector, which was pummeled during the financial crisis. Picture was taken October 21, 2014. REUTERS/Ralph Orlowski (GERMANY - Tags: CITYSCAPE BUSINESS)

- von Alexander Hübner

Bonn/Basel (Reuters) - Internationale Finanzaufseher fordern von den 30 weltgrößten Banken eine deutlich dickere Kapitaldecke, damit sie nicht mehr dem Steuerzahler vor die Füße fallen.

Diese Institute, wie etwa die Deutsche Bank, sollen so bei einem Kollaps künftig besser aus eigener Kraft abgewickelt werden können. Nach dem Willen der Regulierer sollen Geldhäuser ab 2019 Eigenkapital, Wandelanleihen und andere Kapitalformen von bis zu 25 Prozent der Bilanzrisiken vorhalten. “Es geht darum, genügend Wasser unter dem Kiel zu haben, um die notwendige Infrastruktur aufrecht zu erhalten”, sagte die Präsidentin der deutschen Finanzaufsicht BaFin, Elke König, am Montag.

Der von den 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern (G20) eingesetzte Finanzstabilitätsrat (FSB) will so erreichen, dass der Steuerzahler im Krisenfall nicht mehr wie in der Finanzkrise mit Milliarden zur Kasse gebeten wird. Bevor der Puffer in Kraft tritt, soll im Frühjahr in einer Auswirkungsstudie untersucht werden, ob er ausreicht oder aber die Banken überfordert. Bis zum G20-Gipfel Ende 2015 sollen die Politiker dann die Höhe genau festlegen.

Der Puffer ergänzt eine Vielzahl von Maßnahmen, mit denen die Politik rund um den Globus Aktionäre und Gläubiger von Banken im Pleitefall stärker in die Verantwortung nimmt. Der Steuerzahler soll künftig erst dann zur Kasse gebeten werden, wenn von der Krisenbank selbst und einem Abwicklungsfonds der Branche nichts mehr zu holen ist. In der Finanzkrise mussten viele Institute mit staatlichen Milliardenhilfen gerettet werden, was die Verschuldung einiger Euro-Länder massiv nach oben getrieben hat.

“Eine Abwicklung von Banken geht nicht ohne Kapital”, sagte BaFin-Chefin König. Es gehe darum, “dass diese Mittel an einem Krisen-Wochenende unmittelbar zur Verfügung stehen”. Neben dem harten Kernkapital sollen dafür auch nachrangige Verbindlichkeiten und Zwangswandelanleihen (CoCo-Bonds) herhalten, die im Krisenfall in Eigenkapital umgewandelt werden können. Der Puffer (Total Loss-Absorbing Capacity/TLAC) soll 16 bis 20 Prozent der Bilanzrisiken (RWA) abdecken. “Wir sollten uns eher am oberen Ende orientieren”, forderte König. Dafür könne man über längere Übergangsfristen reden. Auch aus Regierungskreisen verlautete, Deutschland wünsche sich einen Puffer “in Richtung 20 Prozent”.

Einschließlich der Kapitalpuffer, die die global systemrelevanten Banken nach den verschärften Vorschriften von Basel III ohnehin vorhalten müssen, wäre das Risikopolster für die Abwicklung damit 19,5 bis 25 Prozent dick. Die Deutsche Bank bräuchte bis zu 24,5 Prozent. “Das ist nichts, was Banken heute schon erfüllen”, sagte König. Es sei aber gut machbar, etwa wenn die Geldhäuser auslaufende erstrangige Schuldtitel durch anrechenbare Nachrang-Papiere ersetzten. Nach Berechnungen von Citi-Analysten haben europäische Banken den größten Nachholbedarf, darunter neben der Deutschen Bank auch BNP Paribas, BBVA und die italienische HypoVereinsbank-Mutter UniCredit. Am besten gewappnet seien Schweizer und britische Banken.

Nach den bisherigen Plänen gilt der Risikopuffer nur für die “global systemrelevanten” Banken. Zu ihnen gehören neben der Deutschen Bank auch die Schweizer Branchengrößen Credit Suisse und UBS. Sie gelten als so groß, dass ihre Pleite wegen der unabsehbaren Folgen für das Finanzsystem unbedingt zu vermeiden ist (“too big to fail”). Das verschafft ihnen bisher Preisvorteile bei der Refinanzierung, da Anleger bei ihnen kaum Ausfallrisiken zu befürchten haben. Das wollen die Aufseher ändern.

Der Präsident des Bankenverbandes BdB, Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen, sagte, mit den Vorschlägen des FSB ließen sich auch Großbanken abwickeln. Sie seien “die einzige Möglichkeit, um allen Skeptikern zu sagen: Es geht”. Deutsche Banken dürften aber gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder der Schweiz nicht benachteiligt werden. FSB-Chef Mark Carney, im Hauptberuf Chef der britischen Notenbank, sprach von einem Wendepunkt. Die Regulierer hoffen, dass der Puffer auch die Dividenden oder Boni senkt, da die Banken ihr Geld lieber als Puffer zur Seite legen.

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