February 5, 2018 / 10:29 AM / 6 months ago

Mutmaßlicher Paris-Attentäter verweigert in Prozess Aussage

Brüssel (Reuters) - Mehr als zwei Jahre nach den islamistischen Anschlägen in Paris mit 130 Toten hat in Brüssel ein Prozess wegen versuchten Mordes gegen den einzigen überlebenden Tatverdächtigen Salah Abdeslam begonnen.

Salah Abdeslam, one of the suspects in the 2015 Islamic State attacks in Paris, appears in court during his trial in Brussels, Belgium February 5, 2018. REUTERS/Emmanuel Dunand/Pool ATTENTION EDITORS - THE DEFENDANT'S FACE HAS BEEN PIXELATED BY JUDICIAL ORDER.

Der 28-Jährige kündigte am Montag an, er werde von seinem Recht der Aussageverweigerung Gebrauch machen. “Ich werde schweigen. Es ist mein Recht, und mein Schweigen macht mich nicht kriminell oder schuldig”, sagte er der Richterin Marie-France Keutgen. Abdeslam blieb bei der Verlesung der Anklage durch den Richter sitzen.

Abdeslam erschien zum ersten Mal seit seiner Festnahme in März 2016 in Brüssel in der Öffentlichkeit. Er steht wegen der Vorfälle bei seiner Ergreifung und nicht wegen der Paris-Anschläge vor Gericht. Damals hatten er und sein mutmaßlicher Komplize Sofien Ayari sich der Verhaftung widersetzt und dabei Polizisten verletzt. Beiden drohen dafür jeweils bis zu 40 Jahre Haft. Abdeslam ist ein französischer Staatsbürger marokkanischer Abstammung. Er wuchs im Brüsseler Stadtteil Molenbeek auf.

Im Gerichtssaal warf Abdeslam den Medien vor, ihn bereits vor der Verhandlung für schuldig erklärt zu haben. “Verurteilt mich. Macht mit mir, was ihr wollt.” Er bat die Staatsanwaltschaft, allein kriminaltechnische Beweise und nicht die öffentliche Meinung zu berücksichtigen. “Muslime werden auf die schlimmste Art verurteilt und behandelt.” Es gebe für sie keine Unschuldsvermutung. Er habe jedoch seinen Glauben. “Ich vertraue auf meinen Herrn.”

STRENGE SICHERHEITSVORKEHRUNGEN IN BRÜSSEL

Das Verfahren wegen der Anschläge in Paris beginnt frühestens im kommenden Jahr. Im November 2015 hatten Attentäter in der französischen Hauptstadt 130 Menschen getötet. Die Extremistenorganisation Islamischer Staat hatte sich zu den Anschlägen bekannt. Nicht angeklagt ist Abdeslam in Belgien wegen der Anschläge in Brüssel kurz nach seiner Verhaftung im März 2016. Damals hatten Selbstmordattentäter mit Bomben am Brüsseler Flughafen und in einer U-Bahnstation in der Nähe der EU-Kommission 32 Menschen getötet. Ermittler gehen davon aus, dass die Anschlagszelle ihre Pläne beschleunigte aus Angst, Abdeslam könnte in der Haft ein Geständnis ablegen.

Für den Prozess in Brüssel gelten strenge Sicherheitsvorkehrung. Abdeslam ist nicht in einem belgischen Gefängnis untergebracht, sondern in einem Hochsicherheitstrakt in Frankreich. Von dort wird er jeden Prozesstag in die belgische Hauptstadt gebracht.

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