January 21, 2010 / 3:36 PM / 10 years ago

Opel schließt Antwerpen - Deutsche Werke verschont

Ein Arbeiter reagiert auf die Entscheidung von Opel, das Werk in Antwerpen zu schließen am 21. Januar 2010. REUTERS/Yves Herman

Antwerpen/Brüssel/Frankfurt (Reuters) - Mit der Schließung des Werks im belgischen Antwerpen will der neue Opel-Chef Nick Reilly seine Radikalkur für den angeschlagenen Autobauer beginnen.

Der Standort mit seinen rund 2600 Beschäftigten soll zur Jahreshälfte dichtgemacht werden. Die deutschen Werke dürften damit von Schließungen zunächst verschont bleiben. Bis auf Antwerpen wolle Opel alle Standorte behalten, sagte Reilly am Donnerstag in Brüssel. Zwischenzeitlich galten auch die in Bochum und Eisenach als gefährdet.

Das Aus für Antwerpen verteidigte Reilly als unausweichlich. “Es gibt keine Alternative, wir haben alles geprüft”, sagte er. Der Manager hatte zuvor die belgische Regierung und den Betriebsrat in Antwerpen über die Entscheidung informiert.

Die Belegschaftsvertreter reagierten mit Empörung. Der europäische Opel-Betriebsrat kündigte an, die Beschäftigten würden bei einer Schließung des belgischen Werkes keine Beiträge zur Sanierung von Opel leisten. Sie sehen in den Plänen einen Vertragsbruch des Mutterkonzerns General Motors (GM). Ursprünglich hatte GM dem Werk die Produktion eines kleinen Geländewagens zugesichert, die nun aber nach Korea verlagert werden soll.

IG-Metall-Bezirkschef und Opel-Aufsichtsratsmitglied Armin Schild äußerte die Befürchtung, dass längerfristig andere Werke geschlossen werden und weitere Produktion aus Europa abgezogen wird. Derzeit beraten die Arbeitnehmervertreter über ihr weiteres europaweites Vorgehen, wie er Reuters sagte.

BESCHÄFTIGTE FÜHLEN SICH VERSCHAUKELT

In Antwerpen war die Stimmung unter den Beschäftigten aufgeheizt. “Sie spielen ein Spiel, um die Produktion aufrechtzuerhalten”, sagte Ahmed Teghmas, der bereits seit 18 Jahren in dem Werk arbeitet. Auch Kollege Eddy Quirynen äußerte sich verzweifelt: “Ich bin 55. Welche Chancen habe ich jetzt noch?” Die belgische Belegschaft zittert seit Jahren um ihre Jobs, da das Werk, wo derzeit noch mehrere Opel-Astra-Modelle vom Band laufen, schon lange als Schließungskandidat gilt. Bereits im Herbst hatten sich Tausende Opelaner versammelt, um gegen die damals noch vom Opel-Bieter Magna geplante Schließung von Antwerpen zu protestieren.

Reilly zeigte sich unbeugsam. “Wir müssen uns der Realität stellen, wir verlieren Geld. Wir müssen diese Entscheidung für das Wohl der restlichen Belegschaft treffen”, sagte er. Auch auf die Beschäftigten in anderen europäischen Ländern kämen harte Einschnitte zu. Europaweit will Opel 8300 Jobs abbauen, davon rund 4000 in Deutschland.

Für das Werk in Antwerpen sucht der Autobauer gemeinsam mit der belgischen Regierung einen Käufer, der die Fabrikhallen weiterbenutzen könnte. Dafür sei für Freitag ein Gespräch mit dem belgischen Regierungschef Kris Peeters geplant. Zunächst wollte die flämische Regionalregierung am Donnerstagnachmittag das weitere Vorgehen beraten. Sie hatte Opel 500 Millionen Euro an Staatshilfen geboten, sollte das Werk erhalten bleiben.

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