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Mladic wegen Völkermord zu lebenslanger Haft verurteilt
November 22, 2017 / 1:35 PM / in 23 days

Mladic wegen Völkermord zu lebenslanger Haft verurteilt

Den Haag (Reuters) - Das UN-Kriegsverbrechertribunal hat den ehemaligen Armeechef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt.

FILE PHOTO: Bosnian Serb wartime general Ratko Mladic in Belgrade, Serbia, May 1993. REUTERS/Petar Kujundzic/File Photo

Die Richter in Den Haag sprachen ihn am Mittwoch unter anderem wegen des Völkermords von Srebrenica und der jahrelangen Belagerung Sarajewos schuldig. Sein Anwalt kündigte Berufung an. Die Bundesregierung begrüßte das Urteil als einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Gräueltaten. Der serbische Präsident Aleksander Vucic forderte die Menschen in Nachfolgestaaten des Vielvölkerstaates Jugoslawien auf, den Blick in die Zukunft und nicht in die Vergangenheit zu richten. Der bosnische Regierungschef Denis Zvizdic nannte das Urteil eine Warnung an alle, die immer noch auf Teilung und Konflikt aus seien.

“Die Verbrechen gehören zu den abscheulichsten, die die Menschheit je gesehen hat, darunter Völkermord und Ausrottung als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit”, sagte Richter Alphons Orie. Mladic hörte den Urteilsspruch selbst nicht im Gerichtssaal, weil er nach einer Beschimpfung des Gerichts während der Urteilsbegründung des Saales verwiesen wurde. Der von seinen Gegnern als “Schlächter von Bosnien” bezeichnete Mladic wird in seiner Heimat von vielen Landsleuten verehrt. Für sie ist er unschuldig.

Mladic musste sich in elf Anklagepunkten verantworten. In zehn sprach ihn das Gericht schuldig. Er sei Mitglied eines “kriminellen Unternehmens” gewesen, das die “Säuberung” Bosniens von Nicht-Serben betrieben habe. Mladic habe persönlich die über dreijährige Belagerung von Sarajewo geleitet, bei der durch Granatbeschuss und Heckenschützen 11.000 Zivilisten getötet wurden, erklärte der Richter. Beim Völkermord in Srebrenica habe Mladic eine tragende Rolle gespielt und die muslimische Bevölkerung vernichten wollen.

Der kleine Ort Srebrenica nahe der serbischen Grenze wurde unter dem Schutz von gut 300 niederländischen Blauhelm-Soldaten zunächst Zufluchtsstätte für Zehntausende bosnische Muslime. Im Juli 1995 nahmen bosnisch-serbische Soldaten unter Führung von Mladic Srebrenica ein und töteten in den folgenden Tagen rund 8000 muslimische Jungen und Männer. Das Massaker, das als schlimmstes Kriegsverbrechen in Europa sei dem Zweiten Weltkrieg gilt, war der Auslöser für die Luftangriffe des Westens, die den Krieg schließlich beendeten. Insgesamt wurden im Bosnien-Krieg von 1992 bis 1995 rund 100.000 Menschen getötet.

MLADIC: “ALLES LÜGE”

Während der Urteilsverkündung kam es zum Eklat. Als der Richter nach einer Unterbrechung für eine ärztliche Untersuchung Mladics den Antrag der Verteidigung abwies, die Urteilsverkündung aus gesundheitlichen Gründen zu vertagen, rief Mladic: “Alles Lüge. Ihr seid alle Lügner.” Er hatte den Ausführungen des Richters mit versteinerter Mine und Kopfschütteln, aber auch mit Grinsen zugehört.

Der Prozess in Den Haag dauerte über vier Jahre. Mladic erlitt mehrere Schlaganfälle. Seine Anwälte versuchten vergeblich, die Verkündung des Urteils hinauszuzögern.

Der Fall Mladic ist der letzte des 1991 eingerichteten Kriegsverbrechertribunals. Er war wie der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic 1995 angeklagt worden, tauchte aber unter und wurde erst 2011 festgenommen. Im März 2016 war Karadzic unter anderem wegen des Massakers von Srebrenica zu 40 Jahren Haft verurteilt worden. Auch er legte Berufung ein.

Der UN-Menschenrechtsbeauftragte Said Raad al-Hussein bezeichnete Mladic als “Inbegriff des Bösen” und sprach von einem Sieg der Gerechtigkeit. Das Urteil sei eine Warnung an die Täter. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, die Völkergemeinschaft müsse Täter, die sich schwerster Kriegsverbrechen schuldig gemacht hätten, zur Verantwortung ziehen. “Dies schulden wir, die Weltgemeinschaft, den Opfern, und erst eine solche Aufarbeitung macht den Weg frei zu Versöhnung und Frieden.”

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