October 3, 2010 / 9:40 AM / 8 years ago

Richtungswahl in Bosnien-Herzegowina hat begonnen

A man walks past a wall decorated with posters of political parties and candidates for the upcoming parliamentary elections in central Sarajevo September 28, 2010. REUTERS/Danilo Krstanovic

Sarajevo (Reuters) - In Bosnien-Herzegowina haben die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen begonnen.

Die 3,1 Millionen Wahlberechtigten entscheiden dabei am Sonntag auch darüber, ob sich der Vielvölkerstaat weiter der Europäischen Union und der Nato annähert oder ob sich die Gegner von Reformen durchsetzen und die Spannungen in dem immer noch zutiefst ethnisch gespaltenen Land verschärfen.

Zur Wahl stehen die Mitglieder der Parlamente in der Serbischen Republik und der bosniakisch-kroatischen Förderation sowie die Vertreter der drei großen Volksgruppen im Staatspräsidium. Letzten Umfragen zufolge kann die nationalistische Partei der Unabhängigen Sozialdemokraten (SNSD) des Ministerpräsidenten der bosnischen Serben, Milorad Dodik, damit rechnen, als stärkste Partei in der Serbischen Republik sowie wahrscheinlich im gesamten Land aus der Wahl hervorzugehen. Die Sozialdemokraten unter Führung des IT-Professors Zlatko Lagumdzija könnten demnach stärkste Oppositionspartei werden. Mit ersten Teilergebnissen wird wenige Stunden nach Schließung der Wahllokale um 20.00 Uhr MESZ gerechnet.

Bosnien-Herzegowina kämpft mit einer erdrückenden Verwaltung, Korruption und rivalisierenden Politikern. Nach Ende des dreijährigen Jugoslawienkrieges 1995 hatte sich die Wirtschaft dank der 15 Milliarden Dollar an internationalen Hilfen zunächst gut entwickelt. Die Reformen stocken jedoch seit geraumer Zeit. Auch 15 Jahre nach Ende des Krieges gilt Bosnien als das instabilste Land des Balkans.

Seit dem Friedensvertrag von Dayton 1995 besteht Bosnien aus zwei rivalisierenden autonomen Regionen: Der bosnischen Serbenrepublik und der muslimisch-kroatischen Föderation. Ministerpräsidenten gibt es sogar drei - jeweils einen für Muslime, Serben und Kroaten. Die bosnischen Serben drohen immer wieder mit einer Abspaltung von Bosnien und blockieren häufig Entscheidungen und Reformen, weil sie fürchten, dass sie den Gesamtstaat stärken. Ende August hatte Bundesaußenminister Guido Westerwelle bei einem Besuch in Sarajevo deutlich gemacht, dass Bosnien-Herzegowina nur als Gesamtstaat Aussicht auf einen EU-Beitritt hat.

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