January 28, 2019 / 12:32 PM / 24 days ago

Kaum Hoffnung für Vermisste nach Dammbruch in Brasilien

Brumadinho (Reuters) - Nach dem verheerenden Dammbruch mit mindestens 60 Toten in Brasilien gerät der Bergwerksbetreiber Vale immer stärker in die Kritik.

A rescue helicopter is seen after a tailings dam owned by Brazilian mining company Vale SA collapsed, in Brumadinho, Brazil January 28, 2019. REUTERS/Washington Alves

Während Hilfstrupps in Schlammmassen nahe der Eisenerzmine Corrego do Feijao weiter unter Hochdruck nach Hunderten Vermissten suchten, wuchs in der betroffenen Stadt Brumadinho der Zorn auf den Konzern und die Aufsichtsbehörden. Die Verantwortlichen hätten nichts aus einer ähnlichen Katastrophe gelernt, die sich 2015 nicht weit vom aktuellen Unglücksort ereignete, so der Vorwurf. Die Empörung könnte Pläne des neuen Staatspräsidenten Jair Bolsonaro erschweren, die Auflagen für die Bergbaubranche zu lockern.

In Deutschland rückt der TÜV Süd in den Blick, der den Unglücksdamm vor fünf Monaten überprüft hatte. Er war am Freitag gebrochen. Die anschließende Schlammlawine riss zahlreiche Menschen mit. Sie traf Bürogebäude und eine voll besetzte Kantine. Bis Montag zählten die Behörden 60 Tote, fast 300 Menschen werden noch vermisst. Die Chancen, sie lebend zu bergen, gelten als gering. Über Planken versuchten sich Feuerwehrleute Zugang zu einem Bus zu verschaffen. Anwohner hatten ihn entdeckt als sie versuchten, eine im Schlamm feststeckende Kuh zu retten.

Der Bürgermeister der Gemeinde Brumadinho, Avimar de Melo Barcelos, gab Vale die Schuld für das Unglück. Er warf dem Unternehmen Fahrlässigkeit und Inkompetenz vor und dem Bundesstaat Minas Gerais eine mangelhafte Aufsicht. “Diese Geschäftsmänner, sie denken nur an sich selbst”, sagte der 32-jährige Renato Simao de Oliveiras, der seinen Zwillingsbruder vermisst. “Nur um Geld zu sparen.” Gerichte verfügten, dass Vale umgerechnet 2,55 Milliarden Euro einfrieren muss, um etwaige Schadenersatzzahlungen leisten zu können.

Für einen Teil der Schäden muss unter Umständen die Allianz einstehen. Die Industriekunden-Sparte AGCS führt Insidern zufolge ein Konsortium von Rückversicherern an, das die lokalen Haftpflichtversicherer von Vale abgesichert hat.

Der Vorsitzende des Bergbauausschusses im Landesparlament von Minas Gerais, Joao Vitor Xavier, sagte: “Es gibt sichere Arten, Bergbau zu betreiben. Das verringert allerdings die Gewinnspannen. Daher machen sie es lieber billiger - und setzen damit Leben aufs Spiel.”

“NIEMALS WIEDER”

Der TÜV Süd sagte den brasilianischen Ermittlern volle Unterstützung bei der Aufklärung der Katastrophe zu, deren Ursache noch unklar ist. “Im September 2018 hat TÜV Süd im Auftrag von Vale eine Inspektion des Dammes durchgeführt. Dabei wurden nach unserem momentanen Kenntnisstand keine Mängel festgestellt”, erklärte die Münchner Firma.

Vale-Chef Fabio Schvartsman sagte im Fernsehen: “Wir haben uns zu 100 Prozent an die Standards gehalten, und das reichte nicht.” Der Konzern werde künftig für Sicherheitsmaßnahmen sorgen, die weit über die geltenden Auflagen hinausgehen. Damit solle sichergestellt werden, dass “dies niemals wieder geschieht”. Ein ähnliches Versprechen hatte er bereits zu seinem Amtsantritt 2017 abgegeben. Damals stand Vale noch unter dem Eindruck des Dammbruchs in der etwa 100 Kilometer von Brumadinho entfernt gelegenen Stadt Mariana im Jahr 2015. Dabei waren 19 Menschen gestorben. Zudem hatte giftiger Schlamm die Umwelt verpestet. Betreiber der dortigen Eisenerzmine war Samarco Mineracao, eine Gemeinschaftsfirma von Vale und dem australischen Bergbauriesen BHP Billiton.

Dass es doch wieder zu einem solchen Unglück kam, dürfte für Vale erhebliche Konsequenzen haben. Analysten gehen davon aus, dass Schvartsman seine bisherige Geschäftsstrategie nicht fortsetzen kann. Sie sah vor, die - vor allem dank des gewaltigen Rohstoffhungers Chinas - erwirtschafteten Milliarden unter anderem in Zukäufe und Ausschüttungen an die Aktionäre zu stecken. Hier zog die Konzernführung bereits die Notbremse und beschloss, Dividenden, Aktienrückkäufe und Manager-Boni vorerst auf Eis zu legen.

Die Vale-Aktie brach am Montag um fast 25 Prozent ein. Damit wurden rund 16 Milliarden Euro an Marktwert vernichtet. Die Wertpapieraufsicht untersucht einem Zeitungsbericht zufolge, ob Vale schnell genug über den Dammbruch informiert hat.

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