September 2, 2011 / 4:02 PM / 9 years ago

Brasiliens Wachstum verliert rasch an Fahrt

Rio de Janeiro/Sao Paulo (Reuters) - Die aufstrebende Wirtschaftsmacht Brasilien bekommt die weltweite Konjunkturabkühlung mit voller Wucht zu spüren: In den Monaten April bis Juni legte die Wirtschaftsleistung der mit Abstand größten Volkswirtschaft Südamerikas nur noch um 0,8 Prozent zu, wie aus den am Freitag vorgelegten

Daten des Statistikamtes hervorgeht. Zum Vergleich: Noch zu Jahresbeginn waren es 1,2 Prozent. Die Konsumausgaben und auch die Investitionen legten robust zu, doch der schwächelnde Landwirtschaftsektor und kräftig anziehende Importe bremsten.

Mit dem mageren Wachstum kommt das rohstoffreiche Land, das gemeinsam mit Russland, Indien, China und Südafrika den Club der führenden Schwellenländer (BRICS) bildet, auf den Boden der Tatsachen zurück. Noch im vorigen Jahr wuchs die Wirtschaft geradezu ungestüm um 7,5 Prozent. Ein Tempo, das nach Meinung von Experten ohnehin auf Dauer nicht durchzuhalten war. Präsidentin Dilma Rouseff hatte einer Überhitzung der Wirtschaft frühzeitig vorgebeugt und mit Ausgabenkürzungen und strengerer Haushaltsdisziplin gegengesteuert.

NOTENBANK KANN INFLATIONSGESPENST NICHT BANNEN

Während der Hochkonjunktur sind jedoch die Preise außer Kontrolle geraten. Die hartnäckig hohe Teuerungsrate von rund sieben Prozent dürfte mit der wirtschaftlichen Abkühlung merklich zurückgehen. Die Zentralbank hat diese Woche erstmals seit zwei Jahren eine Zinssenkung gewagt und setzt auf nachlassenden Inflationsdruck. Experten sind jedoch skeptisch, dass das Land das Problem der hohen Lebenshaltungskosten in naher Zukunft in den Griff bekommen wird.

Die ökonomischen Perspektiven sind ebenfalls nicht mehr besonders rosig. “Vieles spricht dafür, dass die brasilianische Wirtschaft derzeit weiter an Fahrt verliert”, meint Alexander John Maisner von Allianz SE. Zwar lege die Industrieproduktion im Juli saisonbereinigt um 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat zu. “In den kommenden Monaten dürfte die Produktion jedoch eher stagnieren.” Für das Gesamtjahr sei daher nur noch ein Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent zu erwarten.

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