October 4, 2018 / 5:02 AM / 2 months ago

Kurz vor Brasilien-Wahl immer mehr Frauen für Rechtsaußen Bolsonaro

FILE PHOTO: A supporter of presidential candidate Jair Bolsonaro attends a demonstration at Pacaembu Stadium in Sao Paulo, Brazil September 29, 2018. Picture taken September 29, 2018. REUTERS/Paulo Whitaker/File Photo

Rio de Janeiro/Brasilia (Reuters) - Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl in Brasilien kann der Rechtsaußen-Kandidat Jair Bolsonaro trotz sexistischer Äußerungen auch immer mehr auf die Stimmen von Frauen zählen.

Umfragen zufolge ist allein in der vergangenen Woche die Zustimmung für ihn bei den weiblichen Wählern um sechs Punkte gestiegen. Auch insgesamt legt Bolsonaro in der Gunst der Wähler stetig zu. Sollte der Trend anhalten, könnten gerade die Frauen, die eigentlich gegen ihn seien, ihm zur Präsidentschaft und möglicherweise sogar zu einem Sieg in der ersten Wahlrunde verhelfen, sagen Meinungsforscher und Analysten. Seit 1998 hat es kein Kandidat mehr geschafft, ohne Stichwahl auszukommen.

“Um ehrlich zu sein, meine Stimme ist eine Protestwahl”, sagt Luzia Amaral, eine 64 Jahre alte pensionierte Beamtin. Er sei die einzige Möglichkeit, um die Arbeiterpartei nicht wieder an die Macht kommen zu lassen. Sie heiße Bolsonaros Forderungen nach lockeren Waffengesetzen zwar nicht gut und sei auch nicht mit seinen homophoben Äußerungen einverstanden, könne aber darüber hinwegsehen, solange der Ex-Bürgermeister von Sao Paulo Fernando Haddad, der für die linke Arbeiterpartei antritt, nicht gewinnt.

Ihre Äußerungen und die Einschätzungen der Experten stellen eine erstaunliche Entwicklung dar. Besonders Frauen haben zuletzt zu einer Protestaktion gegen Bolsonaro unter dem Motto #EleNao (Er nicht) aufgerufen. Diese Frauen seien falsch informiert, sagt die 55-jährigen Anwältin Luzinette Silva, die sich erst kürzlich für Bolsonaro entschieden hat. “Ich glaube nicht, dass diese Frauen gebildet sind und sie schauen sich seine Vorschläge nicht an und analysieren auch nicht, was im Land passiert.”

Bolsonaros Programm bleibt jedoch unkonkret. Im Wahlkampf glänzt er weniger mit wirtschaftspolitischen Konzepten, stattdessen hetzt der Kongressabgeordnete gegen Frauen, Homosexuelle, Schwarze und die Ureinwohner des Landes. Einst hatte er einer Abgeordneten zugerufen, sie verdiene es noch nicht einmal, von ihm vergewaltigt zu werden. Er befürwortet auch die unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern für die gleiche Arbeit.

Ob Bolsonaro Brasilien mit seinen über 200 Millionen Einwohnern wieder auf Kurs bringen könnte, ist ungewiss. Doch auch der Markt scheint sich inzwischen auf seinen Sieg einzustellen. Investoren preisten eine Entscheidung in der ersten Runde bereits ein, sagt Devisenstrategin Fernanda Consorte von der Bank Ourinvest.

Die Chancen des Rechtsaußen-Kandidaten dürften durch eine hohe Zahl an Nichtwählern noch steigen, sagt Leonardo Barreto, Chef der politischen Beratungsfirma Factual. Sollte der von den Meinungsforschungsinstituten ausgemachte Trend für Bolsonaro anhalten, könnte dies in einen Endspurt für ihn münden.

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