September 18, 2019 / 9:03 AM / a month ago

BDI - Last-Minute-Verschiebung beim Brexit wäre besonders teuer

A person walks past an EU and a British flag in London, Britain, April 2, 2019. REUTERS/Hannah Mckay

Berlin (Reuters) - Der Industrieverband BDI warnt vor den Folgen einer erneuten Brexit-Verschiebung.

Eine mögliche Fristverlängerung vergrößere nur die Unsicherheit für Unternehmen, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang am Mittwoch in Berlin. “Das sind dann unnötige Extrakosten.” Die Verschiebung des EU-Austrittsdatums von Ende März auf Ende Oktober habe die politischen Verhandlungen in keiner Weise vorangebracht. “Gerade eine Last-Minute-Verschiebung ist besonders teuer.” Sie berge zudem die Gefahr, dass sich Unternehmen beim nächsten Mal nicht mehr richtig vorbereiteten. Vor allem kleinere Firmen hätten dafür kaum Kapazitäten.

Den Unternehmen bleibe nichts anderes übrig, als sich auf einen ungeordneten Brexit ohne Vertrag über die Scheidungsdetails einzustellen, sagte Lang. Es sei kein Plan erkennbar, einen solchen No-Deal-Brexit noch zu verhindern. Die britische Regierung unter dem neuen Premierminister Boris Johnson handle verantwortungslos und spiele mit dem Feuer.

Ein harter Brexit könnte die deutsche Wirtschaft deutlich bremsen. Bislang rechnet der BDI für 2019 mit einem Wachstum von 0,5 Prozent - wesentlich weniger als 2018. Im Falle eines EU-Austritts ohne Abkommen drohe ein Wert nahe null, sagte Lang. Auch im kommenden Jahr würde ein halber Prozentpunkt wegfallen. Bis zu 100.000 Jobs könnten nach BDI-Schätzungen bei einem Chaos-Brexit in Deutschland gestrichen werden. Und das in einer Zeit, in der die Industrie wegen des von US-Präsident Donald Trump entfachten Handelsstreits mit China und der EU bereits schwächelt und auch die Gesamtwirtschaft kurz vor einer Rezession steht.

Johnson will den ausgehandelten Ausstiegsvertrag mit der Europäischen Union, der mehrfach im britischen Parlament durchgefallen ist, neu aufschnüren. Das lehnt Brüssel aber ab. Notfalls will der Premierminister die EU ohne Deal verlassen.

Das gilt als das schlimmste Szenario für die Wirtschaft. “Der Alptraum ist: keine klare Rechtslage und null Zeit zur Vorbereitung.” Lang ergänzte, die Insel werde selbst am meisten Schaden nehmen. “Die jüngsten Produktionsdaten in der britischen Automobilindustrie sprechen Bände.” Das Minus im ersten Halbjahr habe elf Prozent betragen. Das Vereinigte Königreich sei nur noch auf Rang sieben der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. “Italien und Polen haben die Briten seit dem Brexit-Referendum überholt.”

Unternehmen müssten sich jetzt vor allem auf logistische Probleme an der Grenze zu Großbritannien und eine starke Pfund-Abwertung einstellen. Es werde ein “hartes Halloween”, sagte Lang mit Blick auf den Brexit-Termin am 31. Oktober. “Vorkehrungen wie Vorratshaltung und Ersatztransportwege sind nur begrenzt leistbar.” Und in Großbritannien selbst fehlten Regelungen zu Zöllen und zur Landwirtschaft im Falle eines harten Brexit. Weil das dortige Parlament im Zwangsurlaub sei, werde Großbritannien womöglich das einzige Land in Europa ohne umfassende Vorbereitungen sein.

Schäden für die Wirtschaft ließen sich allenfalls eingrenzen, so Lang. Konkret schätzen wollte der BDI sie nicht. Potenzielle Profiteure wären nur deutsche Discounter wie Aldi und Lidl, die im Krisenfall sogar mehr investieren würden.

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