April 7, 2012 / 11:14 AM / 8 years ago

Hopp oder Top - Berichtssaison wird Test für US-Börsen

New York (Reuters) - Die Wall Street steht am Scheideweg: In der neuen Woche beginnt die Berichtssaison und wird zu einem ernsthaften Belastungstest für die Zuversicht der Börsianer, die die Kurse bereits seit Monaten nach oben treibt.

Mit ihren Quartalszahlen und Geschäftsaussichten können die Firmen dem Markt neuen Auftrieb geben oder in die Knie zwingen.

“Wenn die Äußerungen der Manager signalisieren, dass die Geschäfte weiter rundlaufen trotz der offensichtlichen Konjunkturabkühlung in den europäischen Ländern, dann wäre dies sehr ermutigend für die Börse”, sagt Portfoliomanager John Carey von Pioneer Investment Management in Boston. “Auf der anderen Seite: Sollten die Bestellungen zurückgehen oder die Verbraucherausgaben nicht stabil scheinen, könnte das zu Preissenkungen und Ergebniskorrekturen führen.” Dies dürfte dann zu einem spürbaren Kursrutsch am Aktienmarkt führen.

Den Auftakt zur Bilanzsaison macht traditionell der Aluminiumriese Alcoa, der seine Zahlen am Dienstag vorstellt. An weiteren Schwergewichten folgen Google, JPMorgan Chase und Wells Fargo. Die große Frage ist, ob die Unternehmen Hoffnungen auf eine anziehende US-Wirtschaft bestätigen - und damit auch die immer wieder aufflammende Angst vor einer erneuten Eskalation der europäischen Schuldenkrise übertönen. Eine Ernüchterung für Konjunkturoptimisten gab es Ende vergangener Woche mit dem jüngsten US-Arbeitsmarktbericht. Demnach entstanden im März deutlich weniger neue Jobs als von Volkswirten erwartet.

Die US-Börsen müssen dies noch verdauen, am Karfreitag blieben sie geschlossen.

Der Leitindex S&P 500 schloss am Donnerstag die verkürzte Handelswoche mit einem Minus von 0,7 Prozent ab. Es war seine schwächste Woche seit Dezember. Dabei hatte das Börsenbarometer am Montag noch den höchsten Stand seit fast vier Jahren erreicht. Seit Oktober hat es rund 30 Prozent zugelegt.

Doch für die Firmen wachsen die Bäume längst nicht mehr in den Himmel. Analysten haben ihre Gewinnprognosen inzwischen kräftig nach unten geschraubt. Im ersten Quartal haben die im S&P 500 gelisteten Unternehmen Schätzungen zufolge ihre Ergebnisse im Schlussquartal laut ThomsonReuters-Daten noch 9,2 Prozent und im Schnitt nur noch um 3,2 Prozent gesteigert. 2011 waren es im Anfangsvierteljahr sogar fast 19 Prozent.

Vielleicht sind die Experten mittlerweile etwas zu vorsichtig geworden. “Die gesenkten Erwartungen lassen Raum für positive Überraschungen”, sagt Portfoliomanager Michael Mullaney von Fiduciary Trust Co. In Abschätzung der Risiken und Chancen beurteilt Kollege Jack Ablin von Harris Private Bank die längerfristigen Aussichten daher gar nicht so schlecht: “Ich glaube, der Markt wird sich nach vorn arbeiten, aber viel langsamer.”

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