June 14, 2018 / 8:08 AM / 6 months ago

Schweizer Börse gibt nach US-Zinsschritt und vor EZB nach

Zürich, 14. Jun (Reuters) - Die Schweizer Börse hat am Donnerstag auf breiter Front nachgegeben. Die Angst vor rascher als erwartet steigenden Zinsen in den USA und die Verunsicherung über die Entwicklung im Handelsstreit zwischen den USA und Europa und China lasteten auf der Stimmung. Zudem wollten die Anleger laut Händlern vor der Bekanntgabe der Ergebnisse der geldpolitischen Beratungen der Europäischen Zentralbank EZB am Nachmittag keine Risiken eingehen.

Der Leitindex sank um 0,7 Prozent auf 8572 Zähler. Am Vortag war der SMI um 0,1 Prozent gesunken.

Die US-Notenbank Fed hob Mittwochabend wie von den meisten Analysten erwartet den Schlüsselsatz um 25 Basispunkte auf 1,75 bis 2,0 Prozent an. Die Währungshüter signalisierten zudem, dass es wegen der brummenden Konjunktur dieses Jahr auf vier Zinsanhebungen hinauslaufen dürfte. “Nicht die Zinserhöhung, sondern die Aussagen zur Konjunktur trüben die Stimmung”, sagte ein Händler. Die Worte von Fed-Chef Jerome Powell würden als Signal für ein rascher als bisher erwartetes Anziehen der geldpolitischen Schraube gedeutet.

Von der EZB wird am Markt erwartet, dass sie auf ihrer Ratssitzung eine wichtige Weiche in Richtung einer weniger expansiven Geldpolitik stellen könnte. Ökonomen erwarten von EZB-Chef Mario Draghi zumindest Hinweise, dass die seit Frühjahr 2015 laufenden Anleihenkäufe noch dieses Jahr enden. Am Leitzins, der auf null Prozent liegt, dürfte die EZB wohl nicht rütteln. Der Zinsentscheid wird um 13.45 Uhr veröffentlicht, die Pressekonferenz mit Draghi beginnt um 14.30 Uhr.

“Wir gehen davon aus, dass die EZB weiter bis September jeden Monat Anleihen im Wert von 30 Milliarden Euro kauft, gefolgt von einer kurzen Phase im vierten Quartal, in der die Käufe auf durchschnittlich zehn Milliarden Euro pro Monat reduziert werden. Anschliessend dürften die Zinsen ab Juni 2019 erhöht werden”, kommentierten die Analysten der Credit Suisse.

Sämtliche Standardwerte gaben nach. Mit einem Minus von mehr als einem Prozent führten die beiden Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch die Verlierer an.

Aktien anderer zyklischer Firmen schlugen sich etwas besser. Sika, ABB, Adecco und LafargeHolcim verzeichneten Einbussen von bis zu 0,5 Prozent.

Bei den Grossbanken notierten Credit Suisse um 0,9 Prozent tiefer und UBS schwächten sich um 0,6 Prozent ab. Die Versicherer tendierten um bis zu ein Prozent niedriger.

Bei den Papieren der SMI-Schwergewichte waren Nestle um 0,7 Prozent schwächer und Novartis sanken um 0,3 Prozent.

Roche gaben trotz guter Nachrichten zum Multiple-Sklerose-Medikament Ocrevus um 0,6 Prozent nach. Die Behandlung mit der Arznei schiebt bei Patienten mit primär progredienter multipler Sklerose (PPMS) den Zeitpunkt ab dem sie auf einen Rollstuhl angewiesen sind um sieben Jahre hinaus. Zudem kann der Pharmariese sein Krebsmedikament Avastin in den USA künftig breiter einsetzen. Die Arzneimittelbehörde FDA liess das Präparat in Kombination mit einer Chemotherapie zur Behandlung von Eierstockkrebs nach vorangegangener Operation zu.

Am breiten Markt setzten die Aktien von Meyer Burger den Abwärtstrend um 3,4 Prozent auf 99 Rappen fort. Die ZKB nahm die Empfehlung für Meyer Burger auf “Marktgewichten” von “Übergewichten” zurück und nannte einen fairen Wert von 1,24 Franken. Die Bank reduzierte ihre Gewinnschätzungen wegen der Änderungen in der chinesischen Subventionspolitik. Die Analysten der Credit Suisse reduzierten das Kursziel auf 1,10 von 1,40 Franken. Die Empfehlung lautet auf “Neutral”. (Reporter: Rupert Pretterklieber; redigiert von Angelika Gruber)

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