October 2, 2018 / 8:43 AM / 2 months ago

Angst vor Schuldenkrise treibt Schweizer Anleger in die Flucht

Zürich, 02. Okt (Reuters) - Die Schweizer Börse ist am Dienstag abgerutscht. Vor allem die Angst vor einer neuen Schuldenkrise in der Euro-Zone trieb die Anleger zu Verkäufen, hiess es im Markt. “Es gibt einfach ein gewisses Unbehagen”, sagte ein Händler. “Der Markt hat sich auf dieses Thema eingeschossen und reagiert verschnupft.” Der SMI sank um 0,6 Prozent auf 9069 Punkte. Am Montag war das Bluechip-Barometer dank der Einigung der USA und Kanadas auf ein neues Handelsabkommen um 0,4 Prozent gestiegen.

Die umstrittenen Schuldenpläne Italiens stossen bei den Euro-Partnern auf Ablehnung. Die von der neuen Regierung in Rom vergangene Woche vorgelegten Haushaltsziele hätten Fragen und Sorgen ausgelöst, sagte Eurogruppen-Chef Mario Centeno am Montag nach einem Treffen der Finanzminister des Währungsraums in Luxemburg. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker äusserte sich besorgt und erinnerte an die Griechenlandkrise. Italien zeigt sich unbeugsam. Die Regierung werde ihr Defizitziel für 2019 von 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung nicht aufgeben, sagte Vize-Regierungschef Luigi Di Maio am Dienstag in einem Radio-Interview. Zugleich warf er der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vor, den Sturz seiner Regierung zu wünschen.

Der Euro kam unter Druck und sank gegenüber dem Dollar auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Wochen. Anleger griffen auch zum als sicherer Hafen geltenden Schweizer Franken: Die Gemeinschaftswährung kostete zuletzt 1,1340 Franken. Ein starker Franken verteuert die Waren der exportorientierten Schweizer Industrie auf dem Weltmarkt.

Mit Ausnahme von Nestle notierten die Standardwerte im Minus. Das Indexschwergewicht stieg um 0,7 Prozent auf 82,60 Franken und verhinderte ein noch stärkeres Abrutschen des SMI. Der Broker Jefferies erhöhte die Empfehlung für den Lebensmittelkonzern auf “Buy” und das Kursziel auf 94 Franken.

Auf der Verliererseite waren konjunkturzyklische Unternehmen und Banken ganz vorne zu finden. Die Aktien der Luxusgüterkonzerne Swatch und Richemont sanken um 2,3 und 1,5 Prozent. Die Anteile der Grossbanken Credit Suisse und UBS büssten 1,7 und 1,3 Prozent ein.

Im grösseren Stil trennten sich die Anleger auch von den Versicherern Swiss Life, Swiss Re und Zurich, vom Prüfkonzern SGS, von der Bauchemiefirma Sika und vom Sanitärtechnikunternehmen Geberit.

Besser als der Markt hielten sich der Arzneimittelhersteller Roche und der Pharmazulieferer Lonza mit jeweils 0,3 Prozent Kursabschlag. Roche will bei einem bevorstehenden Ärztekongress in Berlin Fünf-Jahres-Daten seines Multiple-Sklerose-Medikaments Ocrevus vorlegen. Den Daten zufolge bremst die Behandlung mit dem Mittel das Fortschreiten von Einschränkungen der Arme und Beine.

Am breiten Markt sanken die Anteile von Meier Tobler um 2,2 Prozent. Grossaktionär Ferguson nahm im Jahresabschluss per 31. Juli 2018 eine Wertberichtigung auf der Beteiligung an der Haustechnikfirma vor. Dabei wurde der Beteiligungswert deutlich unter den momentanen Marktwert gesenkt. Der Verwaltungsrat von Meier Tobler distanziere sich von dieser Massnahme. Für die ersten neun Monate stellte das Unternehmen ein Umsatzrückgang von rund 5,5 Prozent in Aussicht.

Die Aryzta-Aktien gaben 1,7 Prozent nach. Am Montag hatte der Backwarenhersteller vor allem wegen Deckungskäufen fast 18 Prozent an Wert gewonnen. Beim grössten Aktionär Cobas Asset Management stösst die geplante Kapitalerhöhung im Volumen von 800 Millionen Euro auf Widerstand. (Reporter: Paul Arnold; redigiert von Oliver Hirt)

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