February 28, 2020 / 11:44 AM / in a month

Bundesbank-Überweisung an den Bund auf 5,9 Mrd mehr als verdoppelt

German Finance Minister Olaf Scholz of the Social Democratic Party (SPD) speaks during an interview with Reuters in Berlin, Germany, February 19, 2020. REUTERS/Annegret Hilse

Frankfurt (Reuters) - Finanzminister Olaf Scholz kann sich in diesem Jahr über einen mehr als doppelt so hohen Scheck der Bundesbank freuen.

Die deutsche Notenbank steigerte ihren Bilanzgewinn 2019 deutlich auf 5,9 Milliarden Euro nach 2,4 Milliarden im Jahr zuvor, wie sie am Freitag in Frankfurt mitteilte. Das ist der höchste Wert seit 2008. “Hinter dem kräftigen Anstieg des Jahresüberschusses steht insbesondere eine niedrigere Risikovorsorge”, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Der Gewinn wurde in voller Höhe an das Bundesfinanzministerium überwiesen.

Maßgeblich waren vor allem weiter hohe Nettozinserträge - auch wenn diese 2019 leicht auf 4,6 (2018: 4,8) Milliarden Euro sanken. Zu dem Posten zählen auch Einahmen aus Einlagen, auf die Geschäftsbanken Strafzinsen zahlen müssen. Die Wagnisrückstellung schrumpfte wegen gesunkener Risiken um 1,5 Milliarden auf 16,4 Milliarden Euro. Damit sichert die Bundesbank zum Beispiel Ausfallgefahren und Zinsänderungsrisiken im Zuge der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ab. Weidmann zufolge sind unter anderem diese Risiken in der Bilanz gesunken.

BUNDESBANK SIEHT CORONAVIRUS ALS ZUSÄTZLICHES RISIKO

Weidmann äußerte sich bei der Vorstellung der Jahreszahlen auch zur Ausbreitung des Coronavirus. Dies stelle für die deutsche Wirtschaft ein zusätzliches Risiko dar, sagte er. Die Beeinträchtigungen der Konjunktur in anderen Ländern würden wahrscheinlich auch auf Deutschland ausstrahlen. Wie groß dieser Effekt sein könnte, lasse sich derzeit kaum seriös abschätzen. Sollte es hierzulande zu einer Epidemie kommen, seien auch direkte wirtschaftliche Auswirkungen zu erwarten. Insgesamt könne das deutsche Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr etwas geringer ausfallen, als im Dezember vorausgesagt. Damals wurde für 2020 ein Plus von 0,6 Prozent prognostiziert. Akuten Handlungsbedarf für die EZB infolge des Coronavirus sieht Weidmann derzeit jedoch nicht. Ähnlich hatte sich am Donnerstag auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde geäußert.

Eine Unterstützung der Konjunktur durch eine lockere Geldpolitik hält Weidmann weiterhin für nötig. Das derzeitige Niveau der Leitzinsen dürfe aber kein Dauerzustand sein kann, sagte er. “Der EZB-Rat darf den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik nicht aus dem Blick verlieren.” Die EZB hält ihren Leitzins seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Banken müssen zudem seit 2014 Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank parken. Der sogenannte Einlagensatz liegt derzeit bei minus 0,5 Prozent.

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