November 14, 2018 / 10:08 AM / a month ago

Bundesbank mahnt Finanzbranche zu Vorsorge für schlechte Zeiten

The new German central bank (Bundesbank) vice-president Claudia Buch speaks during a photocall at the Bundesbank headquarters in Frankfurt, May 20, 2014. REUTERS/Ralph Orlowski (GERMANY - Tags: BUSINESS)

Frankfurt (Reuters) - Die Bundesbank warnt in Zeiten des Daueraufschwungs und der Minizinsen vor wachsenden Gefahren für das deutsche Finanzsystem.

Eine unerwartet starke Eintrübung der Wirtschaftslage könnte Verwundbarkeiten offenlegen, erklärte sie am Mittwoch bei der Vorlage ihres Finanzstabilitätsbericht 2018. Ansteckungseffekte im Finanzsystem könnten zudem einen konjunkturellen Abschwung verstärken. Ein solches Szenario sei mittlerweile wahrscheinlicher geworden. “Jetzt ist es daher an der Zeit, stärkere Abwehrkräfte und Puffer für schlechtere Zeiten aufzubauen”, sagte Bundesbank-Vize-Präsidentin Claudia Buch.

Denn die Risiken für die Konjunktur seien zuletzt gestiegen. “Handelskonflikte sind ausgebrochen und könnten gerade die international verflochtene deutsche Wirtschaft empfindlich treffen.” Zudem könne ein ungeordneter Brexit nicht ausgeschlossen werden.

Die deutsche Notenbank sieht es zwar als positiv an, dass Banken seit der Finanzkrise mehr Eigenkapital aufgebaut haben. Bestehende Kapitalpuffer könnten aber nicht genügen, sollten bei einem Abschwung Risiken aus Kreditausfällen, Wert- und Zinsänderungen gleichzeitig eintreten. An den Finanzmärkten seien die Bewertungen außerdem inzwischen hoch. Bei einem Konjunktureinbruch könnte dies dazu beitragen, dass die Preise für Immobilien, Aktien und Anleihen sinken.

Aus Sicht der deutschen Notenbank sind beispielsweise die Preise für Wohnimmobilien in den deutschen Städten zwischen 15 und 30 Prozent überbewertet. Zwar sieht sie derzeit keine Notwendigkeit, Instrumente zur Eindämmung von Gefahren für die Finanzstabilität einzusetzen. “Allerdings beobachten wir diesen Markt natürlich sehr genau,” sagte Buch. Wohnungsbaukredite machen in Deutschland mehr als die Hälfte aller Kredite an Privathaushalte und Unternehmen aus.

Nicht nur ein abrupt steigendes Zinsniveau ist aus Sicht der Notenbank ein Risiko für die Finanzstabilität. “Auch anhaltend niedrige Zinsen nahe Null würden das gesamte Finanzsystem weiter unter Druck setzen”, sagte Buch. Bei beiden Szenarien wäre der gesamte deutsche Bankensektor betroffen. Die Europäische Zentralbank (EZB), die ihre Leitzinsen bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von null Prozent hält, schwenkt derzeit nur sehr vorsichtig in Richtung Zinswende um. Zwar will sie ihre billionenschweren Staatsanleihenkäufe Ende Dezember einstellen. Ihre Schlüsselzinsen will sie aber noch bis mindestens über den Sommer 2019 hinweg nicht antasten.

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