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Wirtschaftsnachrichten

Bundesbank - Neue Pandemiewelle drückt Konjunktur Ende 2020

Pens with the Bundesbank's logo are pictured ahead of the annual news conference in Frankfurt, Germany, February 27, 2019. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Die Bundesbank erwartet wegen der neuen Einschränkungen des öffentlichen Lebens in der zweiten Pandemie-Welle ein trübes Jahresende für die deutsche Wirtschaft.

Im Schlussquartal werde sich wohl die konjunkturelle Aufholbewegung nicht fortsetzen, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht. “Die gesamtwirtschaftliche Leistung könnte nach dem sehr kräftigen Wachstum im Sommer stagnieren oder sogar zurückgehen”, schreiben die Experten. Allerdings sei ein Einbruch wie im Frühjahr nicht sehr wahrscheinlich. Die deutsche Wirtschaft war damals mit 9,8 Prozent so stark geschrumpft wie noch nie. Im Sommerquartal hatte sie sich dann mit einem Rekordwachstum von 8,2 Prozent aus der Rezession befreit.

Die neuen Einschränkungen betreffen laut Bundesbank zwar vor allem das Gastgewerbe und freizeitbezogene Dienstleistungen und den Kulturbetrieb. Aber die Erholung der Exportwirtschaft werde durch das Wiederaufflammen der Pandemie in Europa belastet. Daher könne die Kurzarbeit nach wahrscheinlich spürbaren Rückgängen im September und Oktober im November wieder über das Niveau vom August hinaus zunehmen.

LEBENSMITTELINDUSTRIE REICHT NIEDRIGE MEHRWERTSTEUER WEITER

Nach Einschätzung der Bundesbank wurde die seit Juli von 19 auf 16 Prozent gesenkte Mehrwertsteuer - bezogen auf den Inflationsindex - zu gut 60 Prozent an Kunden weitergereicht. Bei den meisten Nahrungsmitteln und Industriegütern ohne Energie sei der Rabatt offenbar vollständig überwälzt worden. “Bei den Dienstleistungen scheint der niedrigere Steuersatz dagegen nur zu einem Drittel weitergereicht worden zu sein.” Die Bundesbank geht davon aus, dass die Preise erst mit Auslaufen der Mehrwertsteuersenkung im Januar 2021 erhöht werden.

Die deutsche Industrie gewinnt derweil zunehmend Oberwasser und schafft erstmals in diesem Jahr per Saldo wieder Jobs. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von August bis September um gut 13.000 oder 0,2 Prozent auf 5,53 Millionen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Dass die Industrie nach dem coronabedingten Rückschlag ihre Aufholjagd aber noch lange nicht beendet hat, zeigt der Vorjahresvergleich: Hier gab es Ende September einen Rückgang um 172.000 oder drei Prozent beim Personal in Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes mit 50 und mehr Beschäftigten.

Wegen der Corona-Krise steigt der Restrukturierungsbedarf in der deutschen Wirtschaft spürbar, wie aus einer Roland-Berger-Studie hervorgeht. Demnach rechnen 86 Prozent von rund 500 befragten Experten mit deutlich mehr Fällen. “Unseren Analysen zufolge besteht bei rund zehn Prozent der Unternehmen in Deutschland ein dringender Restrukturierungsbedarf”, sagte Sascha Haghani, der als Restrukturierungsexperte das Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortet. Am größten sei die Not in der Tourismusbranche und der Automobilindustrie.

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