February 27, 2010 / 3:47 PM / 9 years ago

Schweres Erdbeben erschüttert Chile - Tsunami-Alarm

Santiago (Reuters) - Ein schweres Erdbeben hat am Samstag Chile erschüttert und im Pazifik einem Tsunami ausgelöst.

Autos auf einer vom Erdbeben zerstörten Schnellstraße in Santiago am 27. Februar 2010. REUTERS/Marco Fredes

Bei den nächtlichen Erdstößen der Stärke 8,8 starben in dem südamerikanischen Land mehr als 80 Menschen. Wohn- und Krankenhäuser stürzten ein, Gebäude gerieten in Brand, Telefonleitungen wurden unterbrochen und der Strom fiel aus. Schwere Nachbeben schreckten die Bewohner, die stundenlang in mit Glasscherben und Trümmern übersäten Straßen ausharrten. Der internationale Flughafen der Hauptstadt Santiago wurde geschlossen. Die Behörden riefen einen Tsunami-Alarm für den gesamte Pazifikraum aus - bis hin zum US-Bundesstaat Hawaii und Australien. Noch am Abend sollte aus Deutschland ein Erkundungsteam des Technischen Hilfswerks (THW) nach Chile aufbrechen.

“Das ist wie der Weltuntergang”, sagte ein Mann dem Fernsehen in der Stadt Temuco, wo Häuser beschädigt wurden und das Krankenhaus evakuiert werden musste. “Ich habe noch nie in meinem Leben ein solches Erdbeben erlebt.” Chile wird immer wieder von mitunter schweren Erdstößen erschüttert. Aus der Stadt Concepcion berichteten Lokalmedien von Plünderungen. Präsidentin Michelle Bachelet rief die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren. Sie rechne angesichts der Stärke des Bebens damit, dass die Zahl der Toten noch steigt. Sie sprach im Fernsehen bereits von mehr als 85 Toten allein im Süden des Landes.

Laut Auswärtigem Amt in Berlin bemüht sich die deutsche Botschaft in Santiago herauszufinden, ob Deutsche betroffen sind. Der Touristikkonzern TUI betreut deutsche Reisende an rund 40 Zielen im gesamten Pazifik-Raum, vor allem in Indonesien und Australien. Die Gesamtzahl der Gäste stand am Nachmittag zunächst nicht fest, in Chile seien es zwei Touristen. Mit dem Anbieter Thomas Cook sind nach Firmenangaben derzeit weniger als 70 Touristen aus Deutschland in der betroffenen Pazifik-Region unterwegs, darunter vier in Chile und zwei auf dem Weg dorthin.

WESTERWELLE: THW-TEAM REIST NACH CHILE

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach den Chilenen seine Anteilnahme aus. Noch sei das ganze Ausmaß der Katastrophe nicht klar. “Leider müssen wir davon ausgehen, dass es zahlreiche Tote und Verletzte gegeben hat”, sagte Westerwelle. Im Auswärtigen Amt trete ein Krisenstab zusammen. Noch am Samstagabend solle ein THW-Erkundungsteam nach Chile aufbrechen. Das THW erklärte, drei Mitarbeiter sollten sich vor Ort zunächst mit Vertretern der deutschen Botschaft verständigen.

In Chiles Hauptstadt Santiago wurde der Flughafen beschädigt und sollte dem örtlichen Fernsehen zufolge für mindestens 24 Stunden geschlossen bleiben. Alle Flüge von und nach Santiago seien gestrichen worden. Der Flugverkehr der Lufthansa war nach Unternehmensangaben vom Samstagnachmittag nicht von dem Beben betroffen. Santiago de Chile gehöre nicht zu den Flugzielen der Gesellschaft, sagte eine Sprecherin.

Das Epizentrum des Bebens in Chile lag US-Geologen zufolge im Pazifik in einer Tiefe von 55 Kilometern, rund 90 Kilometer vor der Stadt Concepcion. Die Erdstöße dauerten bis zu 30 Sekunden. Im 320 Kilometer von dem Epizentrum entfernt liegenden Santiago strömten Menschen auf die Straßen, sie weinten und umarmten sich. Mit der Stärke von 8,8 übertrafen die Erdstöße noch das verheerende Beben in Haiti, das im Januar eine Stärke von 7,0 erreicht hatte. Mehr als 200.000 Menschen starben damals.

Das Tsunami-Warnzentrum für den Pazifik erklärte, der Erdstoß habe eine Riesenflutwelle ausgelöst, die entlang der Küste schwere Schäden angerichtet haben könnte. Das Beben dieser Stärke habe das Potenzial für einen verheerenden Tsunami auch an weiter entfernt liegenden Küsten. Der Geophysiker Victor Sardina forderte alle Länder auf, die Warnung sehr ernst zu nehmen. Für die US-Inselgruppe Hawaii sagte er Flutwellen von rund zwei Metern Höhe voraus. Frühere Schätzungen lagen höher.

HAWAII BEREITET EVAKUIERUNG DER KÜSTEN VOR

Der Katastrophenschutz auf Hawaii bereitete bereits die Evakuierung der Küsten vor. Die Bewohner sollten am Morgen (Ortszeit) mit Sirenen aufgefordert werden, den Küstenbereich zu verlassen. Sämtliche Strände würden geschlossen. Eine Stunde zuvor bildeten sich vor Tankstellen in Honolulu lange Schlangen. In Australien dürfte dem dortigen Amt für Meteorologie zufolge die Ostküste entlang eines Streifens nördlich von Sydney bis nördlich von Brisbane betroffen sein.

Chiles Präsidentin Bachelet sagte weiter, eine riesige Welle habe bereits die Juan-Fernandez-Inseln vor der chilenischen Küste getroffen. Der Rundfunk berichtete über schwere Schäden auf dem Archipel, zu dem auch die Robinson-Crusoe-Insel gehört. Die Küsten der weit im Pazifik gelegenen Osterinsel sollten evakuiert werden. Chile wurde 1960 vom stärksten Erdbeben seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1900 erschüttert. Das Beben der Stärke 9,5 verwüstete die Stadt Valdivia, 1655 Menschen kamen ums Leben.

Das jüngste Erdbeben hat auch den Bergbau des weltgrößten Kupferherstellers beeinträchtigt. Chile stellt 34 Prozent der weltweiten Kupferproduktion.

- von Alonso Soto -

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