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Weltnachrichten

China kehrt in Virus-Krise nur langsam zur Normalität zurück

Peking (Reuters) - Wochen nach dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus kehrt China nur langsam zur Normalität zurück.

Customers wearing face masks shop inside a supermarket following an outbreak of the novel coronavirus in Wuhan, Hubei province, China February 10, 2020. China Daily via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. CHINA OUT.

Menschen machten sich am Montag wieder auf den Weg zur Arbeit in den Büros und Fabriken des Landes, nachdem die Regierung einige Beschränkungen lockerte. Insgesamt starben an dem Virus in China bislang mehr als 900 Menschen, die Zahl der Erkrankten liegt bei rund 40.000. Alleine am Sonntag wurden 97 Todesfälle gemeldet - so viele wie noch nie an einem Tag seit Ausbruch des Virus im Dezember. Der Erreger hat sich inzwischen auf mindestens 27 Länder und Regionen ausgebreitet, dort gibt es 330 Infizierte. Chinas Präsident Xi Jinping trat erstmals seit Ausbruch der Epidemie in der Öffentlichkeit auf und erklärte, die Regierung werde verhindern, dass es wegen des Virus zu Massenentlassungen komme.

In China ist durch die Epidemie das öffentliche Leben stark eingeschränkt. Fabriken und Schulen wurden geschlossen, Airlines strichen Flüge in das Land. Auch in der Volksrepublik gibt es Verkehrseinschränkungen. Mehrere Millionenmetropolen, darunter die Provinzhauptstadt Wuhan, die als Ausgangspunkt des Virus gilt, wurden praktisch von der Außenwelt abgeschottet.

Wie das staatliche Fernsehen am Montag berichtete, strebt die chinesische Führung an, ihre wirtschaftlichen und sozialen Ziele für dieses Jahr trotz der Virus-Krise zu erreichen. “Wir müssen zuversichtlich sein, dass wir den Kampf gegen die Epidemie am Ende gewinnen werden”, sagte Xi während des Besuchs eines Krankenhauses in Peking. Der Staatschef mied während des Virus-Ausbruchs die Medien weitgehend, während Ministerpräsident Li Keqiang die Führung bei den Bemühungen zur Beendigung der Krise übernahm. Das staatliche Fernsehen zeigte nun Bilder von Xi, wie er sich - mit Mundschutz - seine Körper-Temperatur messen ließ und Bürgern in Peking in ihren Appartments zuwinkte.

“NUR DIE SPITZE DES EISBERGES”

Unterdessen war ein Expertenteam unter der Leitung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Montag auf dem Weg nach Peking, um die Lage zu beurteilen. Der Wissenschaftler Wu Fan von der Fudan Universität in Schanghai erklärte, es gebe Hoffnung, dass die Ausbreitung des Virus bald einen Wendepunkt erreichen könnte. “Die Lage stabilisiert sich”, sagte er mit Blick auf Shanghai, wo es 300 Krankheitsfälle und einen Toten gab. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte jedoch, es habe auch “Übermittlungsfälle” von Menschen gegeben, die nicht in China gewesen waren. “Die Entdeckung einer kleinen Anzahl von Fällen könnte auf eine größere Verbreitung in anderen Ländern hindeuten. Kurz gesagt, wir sehen möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs.”

Die britische Regierung erklärte das Virus zu einer “ernsten und unmittelbaren Gefahr” für die öffentliche Gesundheit. Durch die Neubewertung der Lage erhält die Regierung zusätzliche Befugnisse zur Virus-Eindämmung. In Großbritannien verdoppelte sich die Zahl der gemeldeten Erkrankungen auf acht.

LEERE U-BAHNEN

In China hatten die Behörden Firmen aufgefordert, bis zu zehn zusätzliche Tage auf die Neujahrsfeiertage aufzuschlagen, die Ende Januar endeten. Doch auch am Montag blieben zahlreiche Unternehmen noch geschlossen und viele Menschen arbeiteten von daheim. In einer der sonst vollsten U-Bahnlinien in Peking waren die Züge weitgehend leer. Nur wenige Menschen machten sich mit Mundschutz auf dem Weg zur Arbeit, andere nahmen das Fahrrad. Tesla, Daimler und Ford hatten angekündigt, die Produktion in ihren Fabriken am Montag wieder aufzunehmen. General Motors will die mit chinesischen Partnern betriebenen Fabriken ab Samstag hochfahren. Auch andere Großkonzerne wie Samsung und taiwanische Apple-Zulieferer Foxconn nehmen ihre Produktion in China teilweise wieder auf.

Die chinesische Zentralbank hat unterdessen Schritte zur Unterstützung der Wirtschaft eingeleitet und zusätzliche Milliarden in den Markt gepumpt. Laut Insidern wird die Notenbank wohl am 20. Februar den Leitzins kappen und binnen Wochen auch die Reserveanforderungen für die Banken weiter lockern. Damit soll mehr Geld für die Kreditvergabe losgeeist werden. Die Sorge vor den wirtschaftlichen Folgen des Ausbruchs bremste gleichwohl die Kauflaune bei europäischen Aktien-Anlegern. Dax und EuroStoxx50 gaben nach. Die Experten des Research-Hauses Capital Economics bezifferten die Belastungen für die Weltwirtschaft durch den Ausbruch auf 280 Milliarden Dollar im aktuellen Quartal. “Wenn wir richtig liegen, bedeutet dies, das die weltweite Produktion erstmals seit 2009 nicht wachsen wird.”

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