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Virus-Infektionen in China gehen zurück - Zwei neue Fälle in Deutschland

Peking/Frankfurt (Reuters) - Die rückläufigen Zahlen der Neuinfektionen bei der Coronavirus-Epidemie in China sorgen für eine gewisse Erleichterung.

FILE PHOTO: Workers operate a vehicle to carry out disinfection in Jianghan district, following an outbreak of the novel coronavirus in Wuhan, Hubei province, China February 10, 2020. China Daily via REUTERS

Experten warnen allerdings vor verfrühtem Optimismus. Die Welt müsse “aufwachen und dieses feindliche Virus als Staatsfeind Nummer eins betrachten”, sagte der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die Zahl der Todesfälle in China stieg zuletzt um 97 auf 1113, die Zahl der Neuinfektionen um 2015 auf 44.653 - das ist der niedrigste tägliche Zuwachs seit Ende Januar. Auf Internetplattformen wurden jedoch Zweifel an der Zuverlässigkeit der Zahlen geäußert, nachdem die chinesische Regierung in der vergangenen Woche die Richtlinien zur Klassifizierung von Krankheitsfällen geändert hatte.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte am Mittwoch, es gebe in China womöglich abseits der offiziellen Statistik Tausende weitere Infizierte, die aber nicht erfasst würden, da sich nur auf Fälle mit symptomatischem Verlauf konzentriert werde. Der CDU-Politiker hält Medikamenten-Engpässe wegen der Virus-Krise für möglich. Da die Fertigung in China teilweise eingestellt worden sei, könne dies auch für die Arzneimittelversorgung in Deutschland Folgen haben.

In Deutschland gab es zuletzt zwei Neuerkrankungen, die im Zusammenhang mit den bislang bekannten Fällen in Bayern stehen - acht Beschäftigte des Autozulieferers Webasto und vier Familienmitglieder. Insgesamt gibt es hierzulande 16 Fälle. Die Mitarbeiter von Webasto kehrten am Mittwoch wieder zur Arbeit zurück. Die Firmenzentrale in Stockdorf bei München war zwei Wochen geschlossen, nachdem sich ein Mitarbeiter über eine Kollegin aus China mit dem Virus infiziert hatte.

EXPERTE - ZU FRÜH FÜR ENTWARNUNG

Ein führender chinesischer Wissenschaftler und Berater der Regierung hatte am Dienstag vorhergesagt, dass die Virus-Epidemie diesen Monat ihren Höhepunkt erreichen dürfte und bis April vorbei sein könnte. Daran gibt es aber Zweifel. “Es ist viel zu früh, das zu sagen”, warnte der Gesundheitsexperte der australischen Regierung, Brendan Murphy. “Wir müssen die Daten in den kommenden Wochen sehr genau beobachten, bevor wir Vorhersagen treffen können.”

Ein WHO-Experte erklärte, auch wenn die Epidemie in China ihren Höhenpunkt erreiche, sei dies nicht zwangsläufig außerhalb des Landes der Fall. “Es hat sich auf andere Orten ausgebreitet, an denen der Ausbruch gerade erst beginnt”, sagte Dale Fisher mit Blick etwa auf Singapur. Dort gibt es bislang 50 Krankheitsfälle. Die größte Bank des Landes, DBS, schickte 300 Mitarbeiter aus ihrer Zentrale nach Hause, nachdem ein Angestellter positiv auf das Virus getestet worden war.

Chinesische Beamte hatten erklärt, die Situation in der Volksrepublik sei unter Kontrolle. In der vergangenen Woche hatte China die Richtlinien für die Erfassung der Krankheitsfälle geändert. Danach sollten nur noch Fälle registriert werden, wenn die infizierten Personen Krankheitssymptome zeigen. Es ist unklar, ob die bisherige Statistik auch mit dem Virus infizierte Menschen ohne Symptome umfasste.

Weltweit wurden bislang in Dutzenden Ländern Hunderte Krankheitsfälle gemeldet. Der größte Zahl von Fällen außerhalb Chinas befindet sich aktuell an Bord des Kreuzfahrtschiffes

“Diamond Princess”, das mit rund 3700 Passagieren im japanischen Hafen Yokohama unter Quarantäne vor Anker liegt. Dort wurden weitere 40 Menschen positiv auf das Virus getestet, darunter der Quarantäne-Beauftragte, die Zahl der Erkrankten stieg auf 175.

An den Aktienmärkten sorgen die rückläufigen Zahlen der Neuinfektionen in China für Rückenwind. Die Börsen in Schanghai und Tokio legten zu, in Deutschland markierte der Dax ein neues Rekordhoch. Die Ökonomen der Deutschen Bank warnten jedoch, dass die Ausbreitung des Virus, das inzwischen den offiziellen Namen “Covid-19” erhalten hat, zu einer Rezession in Deutschland führen könnte. “Das Coronavirus bringt beträchtliche Risiken für unsere Prognose einer Erholung der Weltwirtschaft mit sich, da wir bis dato von einer Konjunkturbelebung in China ausgingen”, betonten die Ökonomen. China ist der wichtigste Handelspartner von Europas größer Volkswirtschaft. Taiwan kappte bereits wegen möglicher Folgen des Virus seine Wachstumsprognose für 2020. Die Organisation der Öl exportierenden Staaten (Opec) senkte ihre Prognose für die weltweite Öl-Nachfrage im laufenden Jahr.

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