March 5, 2012 / 10:29 AM / 8 years ago

China senkt Wachstumsziel und will Konsum ankurbeln

Peking (Reuters) - China schaltet in der Krise einen Gang zurück und erwartet für dieses Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 7,5 Prozent.

Dies wäre das geringste Plus des boomenden Schwellenlandes seit 1990. In der Folge will der Export-Weltmeister nun umsteuern und den Binnenkonsum stärken. Dies sei oberste Priorität 2012, sagte Ministerpräsident Wen Jiabao am Montag zum Auftakt des Nationalen Volkskongresses in Peking. “Wir werden die Einkommensverteilung energisch anpassen, die Einkommen von niedrigen und mittleren Einkommensgruppen erhöhen und die Menschen in die Lage versetzen, mehr zu konsumieren”, sagte Wen vor 3000 Delegierten in der Großen Halle des Volkes.

Die kommunistische Führung in Peking will damit die Abhängigkeit der Wirtschaft vom Außenhandel verringern und für ein ausgeglicheneres Wachstum sorgen. Ein steigender Privatkonsum dürfte auch den deutschen Autobauern zugutekommen.

WACHSTUMSGARANT VERLIERT AN SCHWUNG

In den vergangenen Jahren hat das bevölkerungsreichste Land der Erde einen beispiellosen Boom hingelegt und sich zur zweitgrößten Volkswirtschaft nach den USA aufgeschwungen. Die Staatsspitze legte jahrelang die Messlatte beim Wachstum auf acht Prozent und übertraf sie jeweils deutlich - sogar in der globalen Rezession 2009. Doch Ende 2011 ließ das Tempo mit 8,9 Prozent auf die niedrigste Rate seit zweieinhalb Jahren nach. Im Gesamtjahr reichte es noch zu einem Plus von 9,2 Prozent, nach 10,4 Prozent 2010.

Im internationalen Vergleich sind das traumhafte Zuwächse - die deutsche Wirtschaft legte 2011 für hiesige Verhältnisse um kräftige drei Prozent zu. Aber in China gelten acht Prozent bisher als Minimum, um etwa das Millionenheer der Wanderarbeiter in Lohn und Brot zu halten und damit auch den sozialen Frieden zu sichern. Stabilität, stetiges Wachstum und zunehmender Wohlstand dienen der Kommunistischen Partei als Rechtfertigung für ihre mehr als 60-jährige Alleinherrschaft. “Wir wollen eine stetige und robuste Wirtschaftsentwicklung fördern, Preise stabil halten und uns gegen finanzielle Risiken wappnen, indem wir die gesamte Geld- und Kreditnachfrage auf einem angemessenen Niveau halten”, sagte Wen. Dabei werde man behutsam und flexibel vorgehen.

BREMST DER MACHTWECHSEL STRUKTURREFORMEN?

Die neue Zielmarke der Regierung ist die niedrigste seit acht Jahren. “Die geringeren Zahlen spiegeln die Wirklichkeit wider, dass das Wachstum langsamer ist, da auch der Rest der Welt schwächer sein wird”, sagte Analyst Paul Cavey von der Macquarie Bank in Hongkong. Zudem sei die frühere Vorgabe von acht Prozent vielmehr ein Minimum als eine Obergrenze gewesen. Wegen des anstehenden politischen Übergangs sei es jedoch sehr unwahrscheinlich, dass es zu großen Strukturreformen komme, sagte der Ökonom. Wen und Staatspräsident Hu Jintao müssen nach etwa einem Jahrzehnt an der Macht den Stabwechsel vorbereiten, bevor sie Anfang 2013 aus ihren Ämtern scheiden. Diesen Herbst sollen Nachfolger bestimmt werden.

Eine Hauptaufgabe wird sein, die steigenden Preise im Zaum zu halten. Für 2012 peilt die Regierung eine Inflation von vier Prozent an. Das war zwar schon 2012 das Ziel, es wurde aber im vorigen Jahr jeden Monat beharrlich übertroffen. Wen kündigte an, dass die Regierung gegen Spekulanten am Immobilienmarkt vorgehen wolle, um Blasen zu verhindern. Zudem will man die Verschuldung der Regionen besser in den Griff bekommen. Sie gilt bei vielen Investoren als eines der Hauptrisiken für die Nachhaltigkeit der Haushaltspolitik. Das Staatsdefizit soll 2012 auf 1,5 Prozent der Wirtschaftskraft steigen, 2011 lag es bei 1,1 Prozent.

CHINESEN KAUFEN MUNTER DEUTSCHE PREMIUM-AUTOS

Im Zuge des Aufschwungs öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich. Im vorigen Jahr verdoppelte sich laut “Forbes”-Magazin die Zahl der Milliardäre in China fast auf 146. Eine gute Nachricht für Deutschlands Exporteure: “Deutsche Firmen können davon profitieren, wenn in China mehr konsumiert wird - etwa die Autobauer”, sagte der Außenhandel-Experte des DIHK, Ilja Nothnagel. Der größte Pkw-Markt weltweit ist für viele hiesige Hersteller der größte Auslandsmarkt - etwa für VW und Audi. Im Februar lieferte die Volkswagen-Tochter im Reich der Mitte 31.352 Fahrzeuge aus - 66 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Damit sei erstmals in einem Monat die Marke von 30.000 Wagen geknackt worden, teilte der Premium-Hersteller mit.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below