May 22, 2012 / 1:17 PM / 7 years ago

China will Wachstum mit Infrastrukturprojekten ankurbeln

Shanghai (Reuters) - China drückt beim Ausbau der Verkehrs- und Energienetze aufs Tempo und will das flaue Wachstum damit auf Touren bringen.

Vorschläge für Infrastrukturprojekte sollen nun Ende Juni auf dem Tisch liegen, meldete die Zeitung “China Securities Journal” am Dienstag unter Berufung auf Regierungskreise. Dies gelte auch für Vorhaben, die eigentlich erst Ende des Jahres spruchreif sein sollten. Auch für 2013 geplante Projekte sollen bei Bedarf vorgezogen werden, um das Wachstum anzuschieben. Enttäuschende Konjunkturdaten haben die Gefahr einer harten Landung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt heraufbeschworen. Ministerpräsident Wen Jiabao hat jedoch angekündigt, Regierung und Zentralbank würden gegensteuern.

“Das dürften die ersten Anzeichen dafür sein, dass Wens Worten Taten folgen”, sagte Ökonom Dariusz Kowalczyk von Credit Agricole-CIB in Hongkong über den Zeitungsbericht. Darin heißt es weiter, dass auch Budget-Zusagen für Projekte - etwa im Straßenbau - nun beschleunigt durchgewinkt werden.

China hatte bereits auf dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise 2008 mit massiven Investitionen in die Infrastruktur einen Absturz der globalen Wirtschaft abgewendet. Doch wer auf eine Neuauflage gehofft hatte, dürfte enttäuscht werden: Experten verweisen darauf, dass die Wirtschaft im Reich der Mitte heute besser aufgestellt ist als damals. Dennoch sind die Aussichten nicht allzu rosig. Die Industriestaaten-Organisation OECD taxiert das Wachstum in dem Schwellenland in diesem Jahr “nur noch” auf 8,2 Prozent - das wäre der schwächste Zuwachs seit mehr als einem Jahrzehnt. Die Regierung in Peking peilt sogar nur 7,5 Prozent an. Solche für Europa traumhaft anmutenden Wachstumsraten gelten in dem Boomland China als Untergrenze für die Entwicklung der Wirtschaft, um wegen der hohen Zahl auf den Jobmarkt drängender Arbeitskräfte soziale Unruhen in dem Milliardenvolk zu vermeiden. Die OECD geht allerdings davon aus, dass das Wachstum bei “expansiverer Fiskal- und Geldpolitik” im Laufe des Jahres wieder Fahrt aufnehmen und sich 2013 jenseits der Neun-Prozent-Marke stabilisieren wird.

FEINSTEUERUNG STATT GIESSKANNENPRINZIP

Der Ökonom Wang Jun vom China Centre for International Economic Exchanges rechnet damit, dass der Löwenanteil der konjunkturstimulierenden Investitionen in den Ausbau des Straßen- und Schienennetzes sowie in Atom- und Wärmekraftwerke fließen wird. Es gehe jedoch nicht um Investitionen nach dem Gießkannenprinzip. “Wir reden hier nur über Feinsteuerung.” Im Fokus stünden innerhalb der Fünfjahresplanung begonnene oder aufgeschobene Projekte, die jetzt beschleunigt fertiggestellt werden sollen.

Die Regierung steht allerdings seit längerem bei Vorhaben im Immobiliensektor auf der Bremse, um ein Überhitzen des boomenden Bereichs zu verhindern. Die Maßnahmen - etwa staatliche Kontrollen von Hypotheken-Krediten - zeigen bereits Wirkung: Auf Jahressicht betrachtet sanken im April die Häuserpreise den zweiten Monat in Folge. Das Infrastrukturprogramm könnte die Regierung nun auch dazu nutzen, diese Bremseffekte gesamtwirtschaftlich wettzumachen.

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