July 24, 2018 / 9:40 AM / 4 months ago

Impfstoffskandal schlägt in China hohe Wellen

A staff from a local disease prevention and control centre points to a paper notice for recall on a sealed package of vials containing the rabies vaccines manufactured by the vaccine maker Changsheng Biotechnology in Huangshan, Anhui province, China July 23, 2018. Picture taken July 23, 2018. REUTERS/Stringer ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. CHINA OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN CHINA.

Schanghai (Reuters) - Ein Fälschungsskandal erschüttert Chinas Pharmabranche.

Die chinesische Gesundheitsbehörde wirft dem Impfstoffhersteller Changsheng Biotechnology die Fälschung von Produktions- und Überprüfungsdaten im Zusammenhang mit einem Tollwut-Impfstoff für Kinder vor. Diese Impfung wird chinesischen Babys ab drei Monaten routinemäßig verabreicht. Die Firma soll zudem in 252.600 Fällen minderwertige DTP-Impfstoffe gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten verkauft haben.

Die Chefin von Changsheng, drei weitere hochrangige Führungskräfte und zwei Angestellte auf mittlerer Ebene wurden nach Angaben des Unternehmens vom Dienstag von der örtlichen Polizei befragt. Zudem eröffnete die Zentrale Disziplinarkommission, die oberste parteiinterne Kontrollinstanz in China, Ermittlungen gegen den Impfstoffhersteller. Die Wertpapieraufsichtsbehörde untersucht, ob Changsheng gegen seine Offenlegungspflichten verstoßen hat.

Zwar sind noch keine Fälle bekanntgeworden, wonach Menschen durch die Impfstoffe zu Schaden kamen. Gleichwohl hatten die chinesischen Regulierer Changsheng angewiesen, die Produktion zu stoppen und die Impfstoffe zurückzurufen. Nachdem sich die öffentliche Empörung über den Fall in dieser Woche verschärft hatte, kritisierte die politische Führung in Peking die Firma scharf und forderte eine schnelle Strafe.

“Alles, was die Sicherheit von Medikamenten und Lebensmitteln angeht und dann auch noch Kinder betrifft, ist in China ein großes Reizthema”, urteilte Kent Kedl von der Beratungsfirma Control Risks. In China schlug der Fall auch im Internet hohe Wellen. Die staatliche Zeitung “Global Times” sprach von einem regelrechten “Tsunami”. “Gestern Milchpulver, heute Impfstoffe. Was kommt als nächstes?”, fragte ein Nutzer der Social-Media-Plattform Sina Weibo und nahm damit Bezug auf einen Skandal im Jahr 2008, als mehrere Kleinkinder starben, nachdem industrielles chemisches Melamin zu Milchpulver hinzugefügt wurde, um den Proteingehalt zu erhöhen.

Der Skandal schürte Spekulationen, dass Chinesen ihre Kinder zu Impfungen außerhalb des chinesischen Festlandes bringen könnten, was zu Impfstoff-Knappheit in Regionen wie Hongkong oder Macau führen könnte. Gegenwärtig gebe es aber eine stabile und ausreichende Versorgung mit Impfstoffen, erklärten die Behörden in Hongkong und Macau.

Die Aktien von Changsheng brachen am Dienstag an der Börse um rund zehn Prozent ein. Seit Mitte Juli hat das Unternehmen rund 1,8 Milliarden Dollar an Börsenwert eingebüßt. Auch die Aktien anderer chinesischer Impfstoffhersteller und Biotechfirmen waren stark in Mitleidenschaft gezogen worden, nachdem Regierungschef Li Keqiang Changsheng vorgeworfen hatte, eine rote Linie überschritten zu haben und zu raschem Handeln aufrief. Die Firma hatte sich am Montag entschuldigt.

Der Fall ist der jüngste in einer Reihe von Skandalen, die Chinas pharmazeutische Industrie in den vergangenen Jahren heimgesucht haben. Erst diesen Monat war bekanntgeworden, dass der Blutdrucksenker Valsartan, der in großen Mengen von der chinesischen Firma Zhejiang Huahai Pharmaceutical hergestellt wurde, mit einer potenziell krebserregenden Substanz verunreinigt war.

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