December 29, 2010 / 10:06 AM / 9 years ago

China fährt Export Seltener Erden stärker zurück

A worker waters the site of a rare earth metals mine at Nancheng county, Jiangxi province December 29, 2010. REUTERS/Stringer

Peking (Reuters) - China beschwört mit einer weiteren Drosselung der Exporte Seltener Erden einen Handelsstreit mit den USA herauf.

Die Volksrepublik senkt die Ausfuhr der begehrten High-Tech-Rohstoffe in der ersten Jahreshälfte 2011 faktisch um 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und damit stärker als erwartet. Das geht aus einer Mitteilung des Handelsministeriums in Peking vom Mittwoch hervor. Der deutlichere Rückgang nährt Befürchtungen, die Metalle für den Herstellung von Computern, Halbleitern, Elektromotoren und Windturbinen könnten knapp werden und ihr Preis deutlich steigen. Zudem wird wahrscheinlicher, dass die USA ihre Drohung wahr machen und in der Angelegenheit die Welthandelsorganisation anrufen.

Erst am Dienstag hatten die Chinesen einen Rückgang um zehn Prozent angekündigt und bereits damit Besorgnis der US-Regierung ausgelöst. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, die Europäische Union beobachte die Ausfuhrquoten. Es werde erwartet, dass sich die Volksrepublik an die Zusicherung halte, die Exporte nach Europa zu garantieren. Über die Gesamtausfuhren für 2011 sei noch nicht entschieden worden, teilte das Ministerium am Mittwoch weiter mit. Gleichzeitig versuchte China, die Wogen zu glätten und Sorgen vor drohenden Engpässen zu zerstreuen: Die Gesamtquote könne nicht allein aus der Zuteilung für die erste Jahreshälfte hochgerechnet werden, hieß es.

Unter dem Protest von Industrieländern hatte China angekündigt, die Ausfuhr der für die Technologiebranche unersetzbaren Metalle zu drosseln und im kommenden Jahr mit höheren Zöllen zu belegen. Dies geschieht der chinesischen Regierung zufolge, um die Umwelt zu schützen und die Belieferung der eigenen Wirtschaft zu sichern. In der Volksrepublik werden gegenwärtig 97 Prozent der weltweiten Menge der 17 Metalle gefördert, die unter dem Sammelbegriff Seltene Erden zusammengefasst werden. US-Konzerne wie der iPhone-Hersteller Apple als auch japanische Firmen bemühen sich seit einiger Zeit, Lieferungen Seltener Erden anderer Länder zu ergattern.

SONY LÄUFT STURM, DAIMLER UND BOSCH WINKEN AB

Während der japanische Elektronikriese Sony die jüngsten Quoten kritisierte, gaben sich deutsche Autobauer und -Zulieferer entspannt. Die geplanten Einschränkungen beeinträchtigten Sony zwar nicht direkt, aber sie behinderten den freien Handel, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Sony bemühe sich, die Abhängigkeit von den Metallen zu verringern. Seltene Erden werden in einer Reihe von Bauteilen für Sony-Produkte wie Flachbildschirme, PCs und Spielekonsolen benötigt.

Der Stuttgarter Autobauer Daimler erwartet keine Engpässe. “So selten wie man annimmt, sind die Seltenen Erden nicht”, sagte eine Sprecherin. Daimler beziehe die in vielen Ländern vorkommenden Metalle von Zulieferern und könne künftig auch Elektromotoren einsetzen, die keine seltenen Erden benötigten. Auch der Autozulieferer Bosch winkte ab: “Das ist kein großes Thema für uns”, sagte ein Sprecher. Noch sei das Zeitalter der Elektromobilität nicht im großen Stil in der Autobranche angebrochen. Die Auswirkungen der gedrosselten Exporte auf die Elektronikindustrie seien größer. Noch im Herbst hatte Bosch-Kfz-Technik-Chef Bernd Bohr hingegen vor Engpässen und der Abhängigkeit von China gewarnt. Bosch benötigt die Seltenen-Erden-Metalle Neodym und Dysprosium für Elektromotoren, Zündspulen und Sensoren, um elektromagnetische Effekte zu erzeugen und nutzen zu können.

Die Nachricht der verringerten Ausfuhrquoten ließ den Aktienkurs von China Rare Earth Holdings, einem Förderer Seltener Erden, um fast 14 Prozent steigen. Die Papiere des australischen Konzerns Lynas, der über die größten Vorräte Seltener Erden außerhalb Chinas verfügt, legten um mehr als zehn Prozent zu. Auch die Anteilscheine anderer Anbieter wie Arafura Resources und Alkane Resources waren gefragt.

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