March 30, 2008 / 8:58 AM / 11 years ago

EU verzichtet auf Olympia-Boykott-Drohung gegen China

European Union (EU) foreign affairs ministers pose for a family photo during the second day of an informal meeting of EU Foreign Ministers (GYMNICH) in Brdo pri Kranju March 28, 2008. REUTERS/Srdjan Zivulovic (SLOVENIA)

Brdo (Reuters) - Europa verzichtet auf Drohungen mit einem diplomatischen Boykott der Olympischen Spiele in China wegen der Gewalt in Tibet.

“Ein Olympia-Boykott hat keine Rolle gespielt”, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier nach einem Treffen mit seinen EU-Kollegen am Samstag im slowenischen Brdo. Die Minister strichen auch jeden Verweis auf die Spiele aus einem Erklärungsentwurf und riefen lediglich zum Dialog über den Erhalt der tibetischen Kultur und Religion auf. Zugleich stellten sie die friedliche Rolle des Dalai Lama, dem geistlichen Führer der Tibeter, heraus. Diese habe lediglich Autonomie und keine Unabhängigkeit gefordert.

Die gemeinsame Haltung der 27 EU-Staaten soll die Einigkeit der Union betonen, nachdem in den vergangenen Tagen gegensätzliche Positionen laut geworden waren. Die Bundesregierung kündigte an, nicht zur Eröffnung der Spiele zu reisen, was allerdings kein Protest gegen China sei. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der während der Olympischen Spiele EU-Ratspräsident sein wird, hatte dagegen einen Boykott nicht ausgeschlossen. Großbritannien auf der anderen Seite hat einen Besuch von Premierminister Gordon Brown bei der Abschlussfeier zugesagt. Die Briten richten die nächsten Sommerspiele 2012 aus. Polen hatte vor der EU-Sitzung einen politischen Boykott verlangt.

Kontroverse Passagen - wie ein Vorwurf der “Unterdrückung” an China - wurden aus der gemeinsamen Haltung der EU gestrichen. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner sagte, das Papier zeige die totale Einigkeit der Union. Niemand habe jetzt über die Spiele im August sprechen wollen. “Eine Alternative zum Dialog kann es aus Sicht der Europäischen Union nicht geben”, sagte Steinmeier. Eine politische Instrumentalisierung des Sports mit Boykottdrohungen sei allerdings “keine angemessene Reaktion”.

Die EU verurteilte die Gewalt und drückte ihren Respekt vor den Opfern aus. China hat 19 Tote bei den Unruhen und der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste eingeräumt, die tibetische Exilregierung spricht von 140 Toten. Zugleich rief die Union China dazu auf, der Presse wieder freien Zugang nach Tibet zu gewähren und Festgenommene nach internationalen Standards zu behandeln.

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