January 20, 2020 / 12:23 PM / a month ago

Lungenkrankheit breitet sich in China aus - Xi kündigt Kampf an

Peking/Berlin (Reuters) - Die neue Lungenkrankheit breitet sich in China vor dem traditionellen Neujahrsfest mit Hunderten Millionen von Reisenden aus.

A woman wearing a mask walks past a quarantine notice about the outbreak of coronavirus in Wuhan, China at an arrival hall of Haneda airport in Tokyo, Japan, January 20, 2020. REUTERS/Kim Kyung-Hoon

Die Behörden bestätigten am Montag erstmals fünf Fälle in Peking. Aus der Metropole Shanghai wurde ein Fall bekannt, in der Provinz Guangdong insgesamt 14. Präsident Xi Jinping kündigte einen entschlossenen Kampf gegen die Ausbreitung der Krankheit an. “Das Leben und die Gesundheit der Menschen sollten oberste Priorität haben und die Ausbreitung des Ausbruchs sollte entschieden eingedämmt werden”, wurde Xi vom staatlichen Fernsehen zitiert. China hat bis zum frühen Montagabend (Ortszeit) 217 Fälle des Coronavirus bestätigt, darunter fast 200 in Wuhan, wo die Krankheit Ende Dezember erstmals aufgetreten war.

Die Bundesregierung dämpft die Sorgen vor einer Ausbreitung nach Deutschland.

Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts sei die Gefahr für die Bevölkerung in Deutschland derzeit “sehr gering”, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums. Es gebe zudem keine Hinweise, dass der Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden könne. Auch die Behörden in Großbritannien sehen keinen Grund zur Panik, da das aktuelle Risiko “sehr gering” sei, wie der stellvertretende Direktor des National Infection Service, Nick Phin, sagte. “Menschen, die nach Wuhan reisen, sollten auf eine gute Hand-, Atem- und Körperhygiene achten und ärztliche Hilfe suchen, wenn sie innerhalb von 14 Tagen nach dem Besuch der Gegend Atemwegsbeschwerden entwickeln”, riet Phin.

In der zentralchinesischen Millionenstadt war die Krankheit Ende Dezember erstmals ausgebrochen. Offenbar breitete sie sich von einem inzwischen geschlossenen und desinfizierten Fischmarkt aus. In Wuhan sind inzwischen drei Menschen an der Lungenentzündung, die der neue Stamm des Coronavirus auslöst, gestorben.

ANGST VOR AUSBREITUNG DURCH VIELE REISENDE

Ab Freitag treten viele der 1,4 Milliarden Chinesen wegen Feierlichkeiten rund um das Neujahrsfest Reisen im In- und Ausland an. Es wird befürchtet, dass sich der Erreger dann noch weiter verbreiten könnte. Die USA und viele asiatische Länder untersuchen Reisende aus Wuhan bereits verstärkt auf Symptome wie Fieber. In Thailand wurden zwei Fälle der Krankheit gemeldet, in Japan und Südkorea jeweils einer. Auch hier hatten sich die Erkrankten vorher in Wuhan aufgehalten.

Das neue Virus stammt aus derselben großen Familie von Coronaviren, zu der auch das Schwere Akute Atemwegssyndrom (Sars) gehört, an dem weltweit fast 800 Menschen während eines ebenfalls in China begonnenen Ausbruchs 2002/03 starben. Experten der Georgetown University sagen, das neue Virus sei möglicherweise nicht so tödlich wie Sars. Allerdings ist über Ursprung und Verbreitungswege bislang noch wenig bekannt. Fachleute des Londoner Imperial College halten es für möglich, dass es wesentlich mehr Fälle gibt als bislang bekannt. Demnach sollen bis zum 12. Januar mehr als 1723 Fälle mit verwandten Symptomen in Wuhan aufgetreten sein. “Dieser Ausbruch ist äußerst besorgniserregend”, sagte Jeremy Farrar, Spezialist für Infektionskrankheiten und Direktor der globalen Gesundheitsorganisation Wellcome Trust.

HOTELAKTIEN UNTER DRUCK

Die chinesischen Behörden verstärkten ihre Anstrengungen im Kampf gegen die Ausbreitung. Die Nationale Gesundheitskommission erklärte, Entwicklung und Veränderung der Krankheit aufmerksam zu verfolgen und die Umsetzung von Präventions- und Kontrollmaßnahmen zu leiten. Grund zur Panik gebe es nicht, der Ausbruch sei “beherrschbar”. Dennoch steigt unter der Bevölkerung die Verunsicherung. Die Krankheit war auf dem chinesischen sozialen Netzwerk Weibo eines der zentralen Themen. “Wie viele, die in Wuhan waren, sind sich nicht bewusst, dass sie sich möglicherweise angesteckt haben”, fragte beispielsweise ein Nutzer.

Auch am Aktienmarkt macht sich die Angst vor einer Ausbreitung der Krankheit bemerkbar. Anleger befürchten einen Einbruch im Tourismusgeschäft und verkauften deshalb Aktien wie die des Hoteliers BTG oder des Freizeitpark-Betreibers Songcheng. Stattdessen stiegen sie bei Pharmafirmen ein.

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