January 21, 2020 / 9:04 AM / in a month

Weitere Todesfälle in China schüren Angst vor neuem Virus

Peking/Berlin (Reuters) - In China wächst die Angst vor dem neuen Virus.

Medical staff transfer a patient from an ambulance at the Jinyintan hospital, where the patients with pneumonia caused by the new strain of coronavirus are being treated, in Wuhan, Hubei province, China January 20, 2020. REUTERS/Stringer CHINA OUT.

Die Behörden bestätigten am Dienstag die Möglichkeit einer Übertragung von Mensch zu Mensch und meldeten eine Verdopplung der Todesfälle durch die Lungenerkrankung auf sechs. Anlässlich der heimischen Neujahrsfesttage machen sich in der Volksrepublik in diesen Tagen Millionen von Menschen auf den Weg, um Verwandte und Freunde zu besuchen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berief eine Krisensitzung für Mittwoch ein, auf der über Handels- und Reisebeschränkungen beraten werden könnte. Chinesische Experten halten eine Ausbreitung wie bei der Sars-Pandemie vor 17 Jahren allerdings für unwahrscheinlich, die auf ein verwandtes Coronavirus zurückging. Für Deutschland stuft das Robert-Koch-Institut die Gefahren durch die neue Krankheit weiterhin als gering ein.

Auch die Finanzmärkte standen erneut unter dem Eindruck des Virus. “Die ultimative Angst ist, dass sich das mit der enormen Reisetätigkeit der Menschen während der Urlaubszeit ausbreiten könnte”, sagte Alex Wong, Direktor beim Finanzdienstleister Ample Finance. Chinas Börsen büßten ein. Insbesondere die Aktien von Fluggesellschaften, Kinos und Kasinobetreibern gaben nach, Pharmawerte waren dagegen gefragt. Auch die Landeswährung Yuan verlor an Wert. Der Virus-Ausbruch könnte sich zu einem größeren ökonomischen Risiko für die Asien-Pazifik-Region entwickeln, sagte Volkswirt Rajiv Biswas vom Institut IHS Markit. In Europa standen vor allem die Kurse von Luxusgüterproduzenten unter Druck. Diesen drohen nun Geschäftseinbußen in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft, wie Anleger befürchten.

Bislang gibt es in China 291 Krankheitsfälle, wie die Nationale Gesundheitskommission mitteilte. 258 davon wurden aus der Millionenstadt Wuhan bekannt, wo das neue Coronavirus erstmals auftrat. Sein Ursprung steht noch nicht fest. Die WHO geht von einer Erstübertragung durch Tiere aus. Chinesische Behörden bringen den Ausbruch mit einem Fischmarkt in Wuhan in Verbindung. Das Virus kann Lungenentzündung hervorrufen. Patienten klagen über Fieber und Atemprobleme. Diese Symptome treten allerdings auch bei anderen Atemwegserkrankungen auf, daher sind weitere Untersuchungen nötig. Nach Auskunft der chinesischen Behörden ist das Virus auch von Mensch zu Mensch übertragbar. Von medizinischem Personal seien 15 Infizierungen bekannt. Die Behörden in Wuhan bestätigten laut staatlichen Medien drei weitere Todesfälle. Damit stieg die Zahl dort auf sechs.

SCHRECKGESPENST SARS

Vereinzelte Krankheitsausbrüche wurden auch aus anderen chinesischen Städten gemeldet, insbesondere Peking und Shanghai. In Thailand bestätigten die Behörden zwei Fälle, in Japan, Südkorea und Taiwan je einen, auf den Philippinen gibt es einen Verdachtsfall. Die WHO geht davon aus, dass sich das Virus in den kommenden Tagen auf weitere Regionen in China ausbreiten und womöglich auch in zusätzlichen Ländern auftreten wird. Die Krankheit weckt Erinnerungen an das - aus derselben großen Familie stammende - Schwere Akute Atemwegssyndrom (Sars), das ebenfalls in China seinen Ursprung hatte. An Sars starben 2002/03 weltweit fast 800 Menschen.

Die mit dem neuen Virus betraute Expertengruppe von Chinas Nationaler Gesundheitskommission hält die Gefahren für begrenzt. Mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen lasse sich eine Epidemie wie bei Sars verhindern, sagte Gremiumsleiter Zhong Nanshan. In Wuhan werden Passagiere auf Flughäfen sowie an Bahnhöfen und anderen Verkehrsknotenpunkten mit Infrarot-Thermometern auf Fieber überprüft. Kontrollen für Reisende aus Wuhan gibt es auch auf Flughäfen in den USA und in anderen asiatischen Ländern.

SCHLANGESTEHEN FÜR ATEMSCHUTZ

In Deutschland hingegen werden vorerst keine derartigen Vorkehrungen getroffen, wie vom Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport und vom Branchenverband ADV zu erfahren war. Es bestünden keine Direktverbindungen aus der betroffenen chinesischen Region nach Deutschland. Der ADV würde einen Notfallplan auflegen, sollte es zu einer Reisebeschränkung seitens des Auswärtigen Amts kommen.

Das Robert-Koch-Institut betonte, ungeachtet der Möglichkeit einer Von-Mensch-zu-Mensch-Übertragung bleibe es bei der bisherigen Lageeinschätzung. Die Gefahren hierzulande seien gering. Es gebe keine Belege dafür, dass sich das Virus wie bei einer Grippe auf einfachem Wege übertrage, sagte ein Sprecher des Instituts. Vielmehr komme es nur in ganz bestimmten Ausnahmefällen dazu.

In China steigt die Nachfrage nach Schutzvorkehrungen. Zahlreiche Bilder auf Online-Plattformen zeigen Menschen, die für Gesichtsmasken Schlange stehen. Manche Internetanbieter begrenzten bereits den Pro-Kopf-Verkauf solcher Masken und von Handdesinfektionsmitteln. Die Behörden in Shanghai warnten einem Medienbericht zufolge Spekulanten davor, sich mit diesen Produkten einzudecken, um sie verteuert weiterzuveräußern.

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