January 22, 2020 / 6:28 AM / in a month

Sorge vor Coronavirus - China schränkt Versammlungen ein

Peking/Shanghai (Reuters) - Chinesische Behörden steigern angesichts zunehmender Todesfälle durch das neuartige Coronavirus ihre Vorsorge-Maßnahmen.

A woman wearing a mask walks along a street in Beijing, China January 21, 2020. REUTERS/Jason Lee

Bis Mittwoch meldeten chinesische Gesundheitsbeamte neun Todesfälle, zudem wurden 440 Erkrankungen bestätigt. Der Vizeminister der Nationalen Gesundheitskommission, Li Bin, warnte, es gebe Hinweise auf eine Grippe-ähnliche Übertragung des Virus über die Luft durch Tröpfcheninfektion. In der Provinz Hubei, in deren Hauptstadt Wuhan der Ursprung des Virus vermutet wird, sollen öffentliche Versammlungen eingeschränkt werden. Zudem wurden in Krankenhäusern Maßnahmen zur Verhinderung von Ansteckungen erlassen. Dienstag war die erste Infektion mit dem Coronavirus in den USA bekannt geworden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat für Mittwoch eine Krisensitzung einberufen, um zu prüfen, ob der Ausbruch einen internationalen Gesundheitsnotstand darstellt. Damit verbinden sich schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung einer Krankheit. Das Virus hat sich auch auf Städte wie Peking, Shanghai, Macau und laut Medienberichten auf Hongkong ausgebreitet. Zudem wurden neben den USA auch Erkrankungen in Thailand, Südkorea, Japan und Taiwan gemeldet.

Der internationale Gesundheitsnotstand wurde in Folge der SARS-Epidemie entwickelt und bislang fünf Mal ausgerufen - 2009 wegen Schweinegrippe, 2014 wegen Polio und Ebola, 2016 wegen des Zika-Virus und im vergangenen Jahr erneut wegen der Ebola-Epidemie in Afrika.

BISLANG KEINE REISEBESCHRÄNKUNGEN

Die chinesische Regierung informiert täglich über die Anzahl der bekannten Fälle, um Panik in der Öffentlichkeit zu vermeiden. Ab Freitag treten viele der 1,4 Milliarden Chinesen wegen Feierlichkeiten rund um das chinesische Neujahrsfest Reisen im In- und Ausland an. Das Risiko einer weiteren Ausbreitung der Epidemie habe sich dadurch erhöht, die Prävention würde erschwert, sagte Li. Knapp 2200 Menschen, die mit infizierten Personen in Kontakt kamen, wurden isoliert, wobei 765 bisher wieder aus der Überwachung entlassen wurden. Bislang haben sich auch 15 medizinische Fachkräfte in China angesteckt.

Die Angst vor einer Pandemie ähnlich dem Ausbruch des schweren akuten Atemwegssyndroms (SARS), der in China begann und in den Jahren 2002 bis 2003 fast 800 Menschen tötete, hatte zu Wochenbeginn die globalen Märkte erschüttert. Besonders hart wurden dabei die Aktien von Luxusgüter- und Luftfahrtunternehmen getroffen. Die Fluggesellschaft Cathay Pacific erlaubt ihren Flugbegleitern, zum Schutz vor einer Infektion Gesichtsmasken zu tragen. Passagiere mit Ziel Wuhan können ihre Flüge bis zum 15. Februar kostenfrei umbuchen oder stornieren.

Am Londoner Flughafen Heathrow sollen separate Bereich für Passagiere geschaffen werden, die aus Regionen kommen, die von dem Virus betroffen sind. Die deutschen Flughäfen sehen sich für den Umgang mit Verdachtsfällen des Coronavirus gut gerüstet. Man habe im Ernstfall detaillierte Notfallpläne mit klaren Abläufen und stehe in engem Kontakt mit den Behörden, erklärte der Branchenverband ADV.

WHO ERWARTET WEITERE FÄLLE

Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen forderte China unterdessen auf, die “wahren” Informationen über den Coronavirus preiszugeben. Die Regierung habe Reisegruppen aus Wuhan angewiesen, vorerst nicht nach Taiwan zu kommen, sagte Tsai vor Reportern. Sie forderte die WHO auf, Taiwan nicht aus politischen Gründen von einer Zusammenarbeit bei dem Ausbruch des Virus auszuschließen. Taiwan ist wegen des Einspruchs Chinas, das die Insel als chinesische Provinz ansieht, kein Mitglied der WHO. Die in Genf ansässige UN-Organisation rechnet mit weiteren neuen Fällen des Virus. Li sagte aber, es gebe keine Hinweise auf besonders ansteckende Patienten - sogenannte “Super-Spreader” -, die in der Lage wären, das Virus weiter zu verbreiten, wie das während des SARS-Ausbruchs geschehen sei.

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