February 4, 2020 / 8:52 AM / 25 days ago

Erster Coronavirus-Toter in Hongkong - Pfleger streiken

Residents wearing masks and raincoats volunteer to take temperature of passengers following the outbreak of a new coronavirus at a bus stop at Tin Shui Wai, a border town in Hong Kong, China February 4, 2020. REUTERS/Tyrone Siu

Hongkong/Peking (Reuters) - Nach monatelangen Massenprotesten in Hongkong entzündet sich am Coronavirus-Ausbruch neuer Unmut gegen die Führung der chinesischen Sonderverwaltungszone. Am Dienstag wurde in der Finanzmetropole ein erster Todesfall infolge des neuartigen Virus gemeldet, das zuerst im benachbarten Festland-China aufgetreten ist und vor allem dort um sich greift. In Hongkong wurden Forderungen laut, die Grenze ganz zu schließen. Das hat Regierungschefin Carrie Lam bisher abgelehnt, drei Übergänge sind weiterhin geöffnet. Dagegen begehrt vor allem das Personal örtlicher Krankenhäuser auf: Hunderte Pfleger und Krankenschwestern legten am Dienstag den zweiten in Folge die Arbeit nieder und gingen auf die Straße. Auf Transparenten war “Rettet HK jetzt” zu lesen.

Bei dem in Hongkong Verstorbenen handelt es sich um einen 39-jährigen Mann, wie die Krankenhausverwaltung mitteilte. Er sei durch eine Grunderkrankung geschwächt gewesen. Im Januar habe er die chinesische Stadt Wuhan besucht, das Zentrum des Corona-Ausbruchs. Den Behörden zufolge war der Mann seit seiner Diagnose vergangene Woche auf einer Isolierstation. Seine Mutter, die sich in Hongkong infiziert habe, bleibe während der Inkubationszeit zu Hause. Sie gehört zu insgesamt 15 Personen in Hongkong, bei denen die Infektion bekannt ist.

Der Corona-Ausbruch weckt Erinnerungen an die Sars-Pandemie, die auch ihren Ursprung in China hatte und an der 2002/2003 weltweit rund 800 Menschen starben - davon fast 300 in Hongkong. Der nun an dem Coronavirus in Hongkong verstorbene Mann ist der zweite Tote außerhalb Chinas. Zuvor war ein 44-jähriger Chinese auf den Philippinen der Krankheit erlegen. In China sind laut den Behörden bis Montag 425 Todesfälle und mehr als 20.000 Infektionen bekanntgeworden. Das Bundesgesundheitsministerium gab die Zahl der Erkrankungen in Deutschland weiter mit zwölf here an.

KRANKENSCHWESTERN UND PFLEGER MIT ATEMMASKEN AUF DER STRASSE

In den Straßen von Hongkong waren Protestzüge von Krankenschwestern und -pflegern zu sehen, die Atemmasken trugen. Die in Asien häufig zum Infektionsschutz eingesetzten Masken hatten während der zum Teil gewaltsamen Massenproteste gegen die Hongkonger Führung eine besondere Bedeutung erlangt, weil die Behörden das Tragen vorübergehend verboten hatten. Der Streik des Pflegepersonals begann sich den Behörden zufolge auf die Arbeit einiger Notaufnahme-Einrichtungen auszuwirken. Hongkong hat ohnehin mit einem Mangel an Pflegepersonal zu kämpfen.

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen, hat die Regierung von Hongkong zehn von 13 Grenzübergängen zu Festland-China geschlossen. Die Schließung der gesamten Grenze hat Regierungschefin Lam mit der Begründung zurückgewiesen, dies sei unangemessen, unpraktisch und diskriminierend. Die Führung in Peking, die hinter Lam steht, hatte mit Blick auf Corona Überreaktionen anderer Länder - vor allem der USA - kritisiert.

Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) hat zwar einen weltweiten Gesundheitsnotstand ausgerufen. Die WHO riet aber zugleich zu Augenmaß und erklärte, es gebe keinen Anlass für Maßnahmen, die “unnötig den internationalen Verkehr und Handel beeinträchtigen”.

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