February 4, 2020 / 1:38 PM / 2 months ago

Erster Coronavirus-Toter in Hongkong - Pfleger streiken

Residents wearing masks and raincoats volunteer to take temperature of passengers following the outbreak of a new coronavirus at a bus stop at Tin Shui Wai, a border town in Hong Kong, China February 4, 2020. REUTERS/Tyrone Siu

Hongkong/Peking (Reuters) - Nach monatelangen Massenprotesten in Hongkong entzündet sich am Coronavirus-Ausbruch neuer Unmut gegen die Führung der chinesischen Sonderverwaltungszone.

In der Finanzmetropole wurde ein erster Todesfall infolge des neuartigen Virus gemeldet, das zuerst im benachbarten Festland-China aufgetreten ist und vor allem dort um sich greift. In Hongkong wurden Forderungen laut, die Grenze ganz zu schließen. Das hat Regierungschefin Carrie Lam bisher abgelehnt, drei Übergänge sind weiterhin geöffnet. Dagegen begehrt vor allem das Krankenhaus-Personal auf: Hunderte Krankenschwestern und -pfleger legten am Dienstag den zweiten Tag in Folge die Arbeit nieder und gingen auf die Straße. Die WHO stellte klar, anders als Sars sei Corona bisher keine Pandemie.

Bei dem in Hongkong Verstorbenen handelt es sich um einen 39-jährigen Mann, wie die Krankenhausverwaltung mitteilte. Er sei durch eine chronische Krankheit geschwächt gewesen. Im Januar habe er die chinesische Stadt Wuhan besucht, das Zentrum des Corona-Ausbruchs. Den Behörden zufolge war der Mann seit seiner Diagnose vergangene Woche auf einer Isolierstation. Seine Mutter, die sich in Hongkong infiziert habe, bleibe während der Inkubationszeit zu Hause. Sie gehört zu inzwischen insgesamt 17 Personen in Hongkong, bei denen die Infektion bekannt ist.

Der Corona-Ausbruch weckt Erinnerungen an die Sars-Pandemie, die auch ihren Ursprung in China hatte und an der 2002/2003 weltweit rund 800 Menschen starben - davon fast 300 in Hongkong. Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) in Genf erklärte am Dienstag, die Krankheitswelle durch den neuartigen Erreger sei keine Pandemie, also keine weltweit grassierende Seuche. Es handele sich vielmehr um eine Epidemie mit mehreren Schwerpunkten.

Der zuletzt an dem Coronavirus in Hongkong verstorbene Mann ist der zweite Tote außerhalb Chinas. Zuvor war ein 44-jähriger Chinese auf den Philippinen der Krankheit erlegen. In China stieg die Zahl der Todesopfer laut den Behörden auf 425. Die 64 neu gemeldeten Todesfälle waren so viele wie bisher noch nie binnen eines Tages. Bislang wird die Sterblichkeitsrate bei Corona niedriger eingestuft als bei Sars. Experten wissen aber noch nicht viel über das neue Virus.

WHO MAHNT AUGENMAß AN

In China sind inzwischen mehr als 20.400 Infektionen bekannt. Rund 200 weitere Fälle wurden aus mehr als 20 Ländern sowie den beiden chinesischen Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau gemeldet. Das Bundesgesundheitsministerium gab die Zahl der Erkrankungen in Deutschland weiter mit zwölf here an. Die meisten Infektionen außerhalb Chinas gibt es mit 25 in Thailand und mit 24 in Singapur.

Die WHO rief zwar einen weltweiten Gesundheitsnotstand aus. Sie riet aber zugleich zu Augenmaß und erklärte, es gebe keinen Anlass für Maßnahmen, die “unnötig den internationalen Verkehr und Handel beeinträchtigen”. Nachdem aber viele Fluggesellschaften ihre Verbindungen nach China gekappt haben, kündigte die WHO für diese Woche Beratungen mit Vertretern der Reise- und Tourismusindustrie an. Dabei sollen Empfehlungen zum Schutz von Piloten und Flugbegleitern gegeben werden, damit die Flüge nach China wieder aufgenommen werden können. China selbst hat eine zunehmende Isolierung des Landes beklagt. Mehrere Länder - darunter auch Deutschland - haben eigene Staatsbürger aus China zurückgeholt.

Im Internet sind zahlreiche Falschinformationen zur Verbreitung und zum vermeintlichen Schutz gegen das Virus aufgetaucht. Einige asiatische Länder reagierten darauf rigoros, verabschiedeten neue Gesetze gegen “fake news” und erließen Bußgelder. Mindestens 16 Personen wurden festgenommen - unter anderem in Indien, Hongkong und Thailand.

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