January 23, 2020 / 9:51 AM / a month ago

China verschärft Kampf gegen Coronavirus

Peking/Wuhan (Reuters) - Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus schränken die Behörden in China die Reise- und Bewegungsfreiheit immer stärker ein.

FILE PHOTO: A worker in a protective suit is seen at the closed seafood market in Wuhan, Hubei province, China January 10, 2020. The seafood market is linked to the outbreak of the pneumonia caused by the new strain of coronavirus, but some patients diagnosed with the new coronavirus deny exposure to this market. Picture taken January 10, 2020. REUTERS/Stringer/File Photo CHINA OUT.

In zehn Städten in der zentralchinesischen Provinz Hubei wurde der öffentliche Personennahverkehr am Freitag ausgesetzt, touristische Ziele wie Teile der Chinesischen Mauer oder die Verbotene Stadt in der Hauptstadt Peking geschlossen. Die Zahl der Menschen, die dem bis vor kurzem unbekannten Erreger erlagen, stieg auf 26. Mindestens 830 Menschen haben sich nach offiziellen Angaben infiziert. Die Weltgesundheitsorganisation WHO rechnete mit weiteren Krankheitsfällen und sprach von einem “chinesischen Notfall”, sah aber das Ausmaß einer Epidemie von internationaler Bedeutung bislang nicht erreicht.

Am Samstag beginnt nach dem chinesischen Kalender das Jahr der Ratte. Die Feiertagswoche zur Jahreswende startete bereits am Freitag. Sie wird traditionell von Millionen Menschen für Reisen genutzt. Die Behörden befürchten deshalb, dass sich die Ausbreitung des Virus deutlich beschleunigen könnte und versuchen mit vorbeugenden Maßnahmen gegenzusteuern. Die Bürger wurden aufgerufen, Menschenansammlungen zu meiden.

Die am stärksten betroffene zentralchinesische Millionenmetropole Wuhan - Hauptstadt der Provinz Hubei - wurde bereits praktisch abgeriegelt. Bahnhöfe wurden geschlossen, Flüge hin und von der Stadt mit elf Millionen Einwohnern ausgesetzt. An den Ausfallsstraßen, aber auch im Stadtbereich wurden Kontrollstellen eingerichtet. Ein Hochgeschwindigkeitszug nahm im Hauptbahnhof keine Passagiere auf, lediglich zehn Passagiere durften den Zug verlassen. “Ich muss zu meiner Familie”, klagte ein Passagier mit zwei Koffern vor dem Bahnhofsgebäude, der seinen Namen nicht nennen wollte.

IN WUHAN WIRD KRANKENHAUS FÜR INFIZIERTE HOCHGEZOGEN

Eigens für Infizierte wurde in Wuhan ein neues Krankenhaus hochgezogen, wie die staatliche Zeitung “Changjiang Daily” berichtete. Das Gebäude aus Fertigbauteilen solle 1000 Betten haben und bis Montag einsatzbereit sein. Es werde auf dem Gelände einer Ferienanlage am Stadtrand errichtet. Krankenhäuser in Wuhan wandten sich mit Hilfsappellen an die Bevölkerung. Benötigt würden unter anderem Atemmasken, Schutzbrillen und medizinische Schutzanzüge.

Das chinesische Fernsehen berichtete, die Regierung wolle noch striktere Maßnahmen zur Eindämmung der Virus-Ausbreitung ergreifen. Lokale Behörden seien aufgefordert, mehr Verantwortung zu übernehmen und sich des Ernstes der Lage klarzuwerden. In Peking forderten Behörden Einwohner auf, die aus den Coronavirus-Gebieten zurückgekehrt sind, für 14 Tage zu Hause zu bleiben, wie die Zeitung “Beijing Daily” schrieb. Einen ähnlichen Aufruf gab es in Shanghai. Dort ordneten die Behörden auch die vorläufige Schließung des Disney-Freizeitparks ab Samstag an.

Die WHO warnte allerdings indirekt auch davor, die vom Erreger ausgehenden Gefahren zu überschätzen. Es sei noch zu früh zu sagen, wie schlimm das Coronavirus sei, sagte ein Sprecher in Genf. Die Symptome einer Infektion seien Fieber, Atemnot und Husten. Bei den meisten Todesfällen habe es sich um ältere Menschen gehandelt. Womöglich würden die WHO und ihr Expertennetzwerk prüfen, ob sich das Virus wie Mers behandeln lasse. Die Atemwegserkrankung Mers war vor einigen Jahren auf der Arabischen Halbinsel erstmals aufgetreten.

Außerhalb Chinas wurde der Erreger bislang in den USA, Thailand, Vietnam, Singapur, Japan, Südkorea, Taiwan und einem Medienbericht zufolge auch in Nepal nachgewiesen. Ein Vertreter des britischen Gesundheitswesen erklärte, es sei sehr wahrscheinlich auch im Vereinigten Königreich mit Coronavirusfällen zu rechnen.

Ausgebrochen ist die Krankheit in Wuhan, mutmaßlich auf einem Markt, auf dem illegal Wildtiere verkauft wurden. Nach bisherigen Erkenntnissen von Wissenschaftlern wurde das Virus von Schlangen auf Menschen übertragen. Neben Wuhan steht auch die nahe gelegene Sieben-Millionen-Stadt Huanggang praktisch unter Quarantäne.

Die Sorgen über das Coronavirus ließ auch Anleger nicht los. Vor allem Aktien der Hersteller von Luxusgütern fielen, da befürchtet wurde, dass die chinesischen Käufer ausbleiben könnten. Eine Expertengruppe der National Australia Bank vermutete, der Ausbruch der Virus-Erkrankungen könne China einen Prozentpunkt des Wachstums kosten. Die Sars-Pandemie, deren Erreger dem Coronavirus ähnelt, hatte 2002/2003 das chinesische Wirtschaftswachstum gebremst.

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