August 6, 2019 / 8:04 AM / 13 days ago

Handelsstreit zwischen USA und China weitet sich auf Währungen aus

- von Andrea Shalal und Ryan Woo

FILE PHOTO: A U.S. dollar banknote featuring American founding father Benjamin Franklin and a China's yuan banknote featuring late Chinese chairman Mao Zedong are seen among U.S. and Chinese flags in this illustration picture taken May 20, 2019. Picture taken May 20, 2019. REUTERS/Jason Lee/Illustration/File Photo

Washington/Peking (Reuters) - Die weltgrößten Wirtschaftsmächte USA und China verschärfen ihren Kurs im Handelsstreit: Die Vereinigten Staaten stuften die Volksrepublik erstmals seit 25 Jahren wieder als Währungsmanipulator ein.

China setzte fast parallel den Kauf von US-Agrarprodukten aus. Beide Seiten erhoben damit verbunden neue Vorwürfe gegeneinander. Eine Einigung in dem seit Monaten tobenden Handelsstreit, der die Weltwirtschaft zunehmend belastet, ist nicht in Sicht.

Die chinesische Zentralbank teilte am Dienstag mit, die Volksrepublik habe den Yuan nicht als Waffe im Handelsstreit eingesetzt und werde dies auch nicht tun. Der Stempel als Währungsmanipulator sei eine Verletzung internationaler Regeln. Dies könne das Finanzsystem beschädigen und an den Kapitalmärkten zu Chaos führen. Es verhindere zudem eine wirtschaftliche Erholung.

US-Finanzminister Steven Mnuchin hatte am Montag in Washington gesagt, China verschaffe sich mit der bewussten Abwertung des Yuan unfaire Vorteile im Welthandel. Die US-Regierung werde sich an den Internationalen Währungsfonds (IWF) wenden, um gemeinsam dagegen vorzugehen. Der IWF wird derzeit kommissarisch von einem Amerikaner geleitet, weil die bisherige Chefin Christine Lagarde an die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) wechselt. Zuletzt hatte der IWF allerdings betont, der schwächere Yuan stehe im Einklang mit der Konjunkturabkühlung in China.

Der Yuan gab vor allem am Montag deutlich nach und notierte auf dem tiefsten Stand seit mehr als elf Jahren. Das verbessert die Chancen chinesischer Firmen auf dem Weltmarkt und federt die Folgen der US-Strafzölle im Handelskonflikt ab. Donald Trump hatte China schon im US-Wahlkampf 2016 der Währungsmanipulation bezichtigt, als Präsident später dann aber zunächst nichts dagegen getan. Die jetzige Entscheidung kann zu Strafmaßnahmen führen, etwa dem Ausschluss von staatlichen Aufträgen in den USA. Trump twitterte, die Yuan-Abwertung werde China auf längere Sicht schwächen. Die USA seien dagegen stark.

EXPERTE - CHINA ZIELT AUF TRUMPS SCHWACHSTELLE

Trump hatte zuletzt angekündigt, ab September Sonderzölle auch auf bisher davon verschonte chinesische Waren im Wert von 300 Milliarden Dollar zu verhängen. Die Regierung in Peking plant deswegen Gegenmaßnahmen und reagierte bereits mit ersten Schritten. Das Handelsministerium erklärte, chinesische Unternehmen hätten den Kauf von US-Agrarprodukten eingestellt. Zudem würden nachträgliche Zölle auf seit dem 3. August erworbene Erzeugnisse erwogen.

Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners sagte dazu: “China trifft genau die Stelle, an der Trump besonders verwundbar ist. Bisher hat er sich als Schutzpatron der US-Agrarindustrie präsentiert.” In Verhandlungen mit der EU etwa hat Trump durchgesetzt, mehr US-Rindfleisch nach Europa zu exportieren. Viele landwirtschaftlich geprägte US-Bundesstaaten gehören zu Trumps Hochburgen.

Der US-Präsident will trotz der jüngsten Eskalation im Handelsstreit den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen. “Er würde gerne einen Deal machen”, sagte Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow dem Sender CNBC. Es müsse aber ein “richtiger Deal” sein. Der Präsident sei auch offen für mögliche Änderungen an den neuen Zöllen auf chinesische Produkte, sollten die Gespräche gut laufen.

Die Bundesregierung forderte beide Länder zur Besonnenheit auf: “Alle sollten einen kühlen Kopf bewahren und sprachlich etwas abrüsten”, sagte Finanzminister Olaf Scholz. “Politik hat die aktuellen Probleme verursacht, Politik kann sie auch lösen - am Verhandlungstisch.” Das Wirtschaftsministerium erklärte: “Wir setzen uns für einen freien Handel ein, höhere Zölle schaden am Ende allen.” Mehrere deutsche Wirtschaftsverbände folgten der US-Argumentation nicht. Der Yuan habe gegen den Dollar deutlich abgewertet, “weil die höheren Zölle Chinas Wirtschaft belasten”, sagte etwa Olaf Wortmann vom Maschinenbauverband VDMA. “Das ist eine ganz normale Reaktion.”

WERDEN DIE USA NUN DEN DOLLAR SCHWÄCHEN?

An den Finanzmärkten rechnen viele Händler mit einer weiteren Lockerung der US-Geldpolitik. Die Notenbank (Fed) hat den Leitzins gerade zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren gesenkt - auch als Reaktion auf den Handelsstreit. Trumps Berater in Handelsfragen, Peter Navarro, forderte in einem Interview mit dem Sender Fox, die Fed müsse bis zum Jahresende die Zinsen um weitere 0,75 bis 1,0 Prozentpunkte drücken. Eine deutliche Zinssenkung dürfte den Dollar schwächen.

Der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar sagte Reuters, China mache ironischerweise genau das, was Trump seit langem von der Fed verlange, aber nicht bekomme, nämlich eine Schwächung der eigenen Währung. “Es bleibt abzuwarten, wie die Fed darauf reagiert. Europa sollte sich in der jetzigen Situation auf keinen Fall auf einen Abwertungswettlauf der Währungen einlassen.”

Anlagestratege Ulrich Stephan von der Deutschen Bank erklärte, die chinesische Zentralbank habe zuletzt stets interveniert, auch um die Handelsgespräche nicht zu gefährden. “Diesmal ließ die People’s Bank of China den Markt gewähren - vielleicht ein Zeichen, dass Peking kaum noch Hoffnung auf eine baldige Einigung mit den USA hat.” Ähnlich äußerte sich die US-Investmentbank Goldman Sachs, die nicht mehr mit einer Lösung des Handelsstreits vor der US-Präsidentenwahl im November 2020 rechnet.

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