October 18, 2019 / 5:17 AM / in a month

Chinas Wirtschaft wächst so schwach wie zuletzt vor 30 Jahren

Chinese and U.S. flags flutter near The Bund, before U.S. trade delegation meet their Chinese counterparts for talks in Shanghai, China July 30, 2019. REUTERS/Aly Song

Peking (Reuters) - Der Handelsstreit mit den USA belastet Chinas Wirtschaft stärker als erwartet.

Maue Exporte und eine schwächelnde Inlandsnachfrage sorgten dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Sommer so langsam zulegte wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Die Wirtschaft wuchs zwischen Juli und September mit einer Jahresrate von nur noch 6,0 Prozent, nach 6,2 Prozent im Frühjahr, wie am Freitag aus offiziellen Daten hervorging. Auch wegen des Zollstreits dürfte die Konjunktur Ökonomen zufolge künftig weiter Fahrt verlieren. Denn von den Exporten sei vorerst kein Comeback zu erwarten und der Immobiliensektor werde sich wohl verlangsamen, sagte Analyst Nie Wen vom Finanzdienstleister Hwabao Trust. “Das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal wird voraussichtlich auf 5,9 Prozent sinken.”

Die USA und China haben sich nach Angaben von US-Präsident Donald Trump jüngst im Handelsstreit angenähert und auf ein Teilabkommen verständigt. Ökonomen sehen dies jedoch skeptisch. Es sei nicht zu erwarten, dass dadurch das Wirtschaftswachstum deutlich zulegen werde, sagte Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. Ohnehin seien noch viele Details offen. “Zugleich ist das Verhandlungsklima nicht gut genug, um ein Handelsabkommen bald unterschriftsreif zu präsentieren: Die USA drohen mit neuen Zollerhöhungen für Mitte Dezember.” Auch die Commerzbank-Experten halten es für unwahrscheinlich, dass der Mini-Deal oder ein Paket von Mini-Deals den Streit zwischen China und den USA grundsätzlich lösen werde, betonten die Konjunktur-Experten der Commerzbank. “Da China an seinem Ziel festhält, in den nächsten Jahrzehnten zur Supermacht aufzusteigen, ist es schwer vorstellbar, dass die USA dabei tatenlos zusehen.”

Anders als die am Finanzmarkt enttäuschend aufgenommenen BIP-Zahlen fielen Daten zur Industrieproduktion im September besser aus als erwartet. Dennoch bleibt die Nachfrage hier auf niedrigem Niveau. Die Regierung in Peking peilt für das Wirtschaftswachstum 2019 eine Spanne von 6,0 bis 6,5 Prozent an. Viele Fachleute gehen davon aus, dass Regierung und Zentralbank die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt künftig mit verschiedenen Maßnahmen weiter stützen werden. Ein Sprecher des chinesischen Statistikamts kündigte zudem an, dass spezielle Anleihen der öffentlichen Hand im nächsten Jahr regionale Infrastrukturinvestitionen ankurbeln sollen.

Ökonom Hepperle erwartet, dass auf der anstehenden Plenartagung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas der Weg bereitet werden könnte für ein offizielles Wachstumsziel für 2020 von weniger als sechs Prozent.

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