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Unternehmensnachrichten

China hält sich aus Kampf um Dünger-Konzern Potash heraus

Rocanville Potash Corp mill general foreman Pat MacDonald looks over the potash mill in Saskatchewan September 30, 2010. REUTERS/David Stobbe

Peking/Singapur (Reuters) - Der chinesische Chemiekonzern Sinochem hält sich offenbar aus dem Übernahmerennen um den weltgrößten Düngemittelkonzern Potash heraus.

Dem staatlichen Konzern fehle die politische Rückendeckung für ein Gebot im Heimatland des Marktführers, daher werde das Unternehmen nicht gegen den weltgrößten Bergbaukonzern BHP Billiton antreten, sagten drei mit den Plänen vertraute Personen am Freitag Reuters. “Es ist vorbei”, hieß es. Die kanadische Regierung befürchtet bei einer chinesischen Übernahme einen Rückgang der Düngemittelpreise und damit auch der staatlichen Einnahmen, weil dann Verkäufer und Kunde in einem Boot säßen. Potash war dagegen dringend auf der Suche nach einem sogenannten “Weißen Ritter”, der mit einem höheren Preis in den Kampf zieht.

Das Ausscheiden der Chinesen, die ihre Kaufinteressen nie öffentlich gemacht haben, bedeutet eine Hürde weniger für den weltgrößten BHP Billiton, das 39 Milliarden Dollar bietet. “Bislang ist niemand anders aus dem Dickicht gekommen, um gegen BHP zu bieten. Ohne die Chinesen bleibt nicht viel übrig”, sagte ein Analyst. Der australisch-britische Rohstoffkonzern muss aber noch die Aktionäre des Düngemittelherstellers sowie die kanadischen Wettbewerbsbehörden und Politiker von den Übernahmeplänen überzeugen. Den Potash-Anteilseignern ist das Angebot zu niedrig. BHP hat eine Erhöhung bislang abgelehnt. “Wir haben keine Pläne, das einzige Angebot zu ändern, das derzeit auf dem Tisch liegt”, erklärte zuletzt Konzernschef Marius Kloppers.

Sinochem hatte in den vergangenen Wochen intensiv das Feld für ein Gegengebot sondiert. Angesichts des rasch wachsenden Nahrungsmittelbedarfs seiner Milliarden-Bevölkerung befürchtet China bei einer Potash-Übernahme durch BHP ein Ansteigen der Düngemittelpreise. Der kanadische Konzern ist der weltgrößte Hersteller von Kaliumchlorid, das vor allem in der Getreideproduktion wichtig ist. Regierungsnahen chinesischen Medien zufolge hatten Mitglieder der Führung in Peking eine vorsichtige Einmischung in den Bieterwettkampf unterstützt.

Das Rennen schürte zuletzt auch Übernahmefantasien für den deutschen Potash-Konkurrenten K+S. In der Branche gingen Gerüchte über ein Interesse des BHP-Rivalen Rio Tinto um.

EISENERZ-FUSIONSPLÄNE MIT RIO TINTO TREFFEN AUF HÜRDEN

Für BHP ist Potash eine wichtige Etappe in seiner Wachstumsstrategie. Bei der Produktion von Eisenerz versucht sich der Konzern derzeit mit Rio Tinto zu verbünden, erlitt dabei aber diese Woche einen Rückschlag: Das Bundeskartellamt will die geplante Verschmelzung der westaustralischen Eisenerz-Aktivitäten beider Konzerne nicht genehmigen. Das Kartellamt prüft den Fall, weil auch deutsche Stahlhersteller von den Folgen der Fusion betroffen wären. Rio Tinto ist der zweitgrößte Eisenerzproduzent der Welt hinter dem brasilianischen Rivalen Vale.

Angesichts einer drohenden Vertragsstrafe von umgerechnet etwa 200 Millionen Euro erwarten Experten, dass die Unternehmen alles versuchen werden, die Regulierungsbehörden in Europa und auf anderen Märkten in den kommenden Monaten zu überzeugen. Die EU-Kommission ist nach eigenen Angaben dabei, BHP und Rio Tinto über das Ergebnis ihrer Kartelluntersuchung zu informieren. Dazu habe es noch am Freitag ein Treffen gegeben, hieß es in Brüssler Kreisen. Die Behörde meldete demnach Bedenken gegen die Pläne an.

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