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Unternehmensnachrichten

Banken holen sich über Nacht erneut viel EZB-Geld

Frankfurt (Reuters) - Die anhaltend starke Nachfrage nach kurzfristigem EZB-Geld hat am Freitag für Irritationen am europäischen Geldmarkt gesorgt.

“Es ist ungewöhnlich, dass sich die Banken über Nacht 16 Milliarden Euro in Frankfurt bei der EZB borgen müssen”, sagte ein Geldmarkthändler. Die Banken der Euro-Zone liehen sich aus der Spitzenrefinanzierungsfazilität der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Nacht zu Freitag 16,009 Milliarden Euro. Bereits am Tag zuvor hatten sie mit rund 15 Milliarden Euro überdurchschnittlich viel Geld bei der Notenbank abgerufen. Zu Wochenbeginn betrug die Nachfrage nur rund 600 Millionen Euro.

Geldmarkthändler führten die ungewöhnlich starke Nachfrage auf Probleme beim Hauptfinanzierungsgeschäft der EZB von Dienstag zurück. Entweder sei einer Bank oder mehreren Banken ein technischer Fehler unterlaufen, oder sie haben den Tender verpasst, hieß es. Von Problemen am Interbankenmarkt wollten sie daher nicht sprechen. “Wir sehen keine Anspannung, es gibt ausreichend Liquidität. Das zeigt sich daran, dass die Geldmarktsätze weiter fallen”, sagte ein Händler. Tagesgeld wurde am Freitagmorgen zwischen 0,40 und 0,45 Prozent gehandelt nach 0,52 bis 0,58 Prozent am Donnerstag. Der Referenzzinssatz Eonia war am Donnerstagabend mit 0,625 gefixt worden nach 0,7 Prozent am Mittwochabend.

Da der Wochentender erst am Mittwoch den Banken gutgeschrieben wurde, stieg die Nachfrage nach EZB-Geld erst in der Nacht zu Donnerstag an, hieß es. “Die Bank oder die Bankengruppe ruft das Geld nun wohl bei der EZB ab, ob ihr das passt oder nicht”, sagte ein Händler. “Sie möchte offenbar nicht aktiv am Markt auftreten und große Summen nachfragen, um dann nicht stigmatisiert zu werden.” Sollte eine Bank den Wochentender nicht abgerufen haben, so werde die Nachfrage nach dem Übernachtgeld noch bis Dienstag hoch bleiben, sagte ein weiterer Disponent. Dann wird der nächste Wochentender ausgeschrieben.

Geldpolitischen Kreisen in Italien zufolge ist die hohe Nachfrage nach der Spitzenrefinanzierungsfazilität keine Folge von technischen Problemen. Dies sei vielmehr ein Zeichen dafür, dass die Märkte noch nicht wieder vollständig arbeiteten. Das italienische Bankensystem habe allerdings guten Zugang zum Geldmarkt.

Händler mutmaßten, die starke Nachfrage nach EZB-Geld komme aus den Peripherie-Staaten der Euro-Zone. Möglicherweise habe die betreffende Bank ein Arrangement mit der EZB getroffen, um nicht aggressiv am Markt auftreten zu müssen. Diese Anonymität hat allerdings einen hohen Preis. Die Spitzenrefinanzierungsfazilität ist für Banken eine teure Angelegenheit. Sie müssen für diese Form der Liquidität Zinsen von 1,75 Prozent zahlen, weit mehr als am Markt.

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