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Unternehmensnachrichten

Banken-Abschirmung gegen Griechenland-Pleite

European Commission President Jose Manuel Barroso holds a joint news conference with Finland's Prime Minister Jyrki Katainen after a meeting at the European Commission headquarters in Brussels October 6, 2011. REUTERS/Yves Herman (BELGIUM - Tags: POLITICS)

Brüssel/Berlin/Frankfurt (Reuters) - Die Europäer suchen mit Hochdruck nach Wegen, um ihre Banken gegen die Folgen einer möglichen Griechenland-Pleite abzuschirmen.

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso forderte am Mittwoch in Brüssel eine umfassende, europäisch koordinierte Kapitalstärkung für die Geldhäuser. Die Bankenaufseher sollten wegen der Schuldenkrise vorübergehend deutlich höhere Kapitalanforderungen an die Finanzinstitute stellen. Zugleich drängte er, Hilfen für Griechenland rasch freizugeben.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker räumten ein, dass die Schulden Griechenlands wahrscheinlich nicht mehr tragfähig sind und abgebaut werden müssen. Sie nahmen das Wort Schuldenschnitt zwar nicht in den Mund, Juncker sprach im “Handelsblatt” aber von “anderen Schritten”, über die man jetzt nachdenken müsse. Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann schloss in der “Bild”-Zeitung einen Schuldenschnitt nicht mehr aus. Das dürfe aber nicht als bequemer Ausweg genutzt werden. Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou bestätigte, dass die europäischen Partner über eine weitergehende Schuldenentlastung für sein Land sprechen. “Wir verhandeln in alle Richtungen, wie unsere Schuldenlast verringert werden kann”, sagte er.

Doch vor einem umfassenden Forderungsverzicht, der auch staatliche Gläubiger mit einschließen würde, sollen zunächst nur die privaten Gläubiger beim zweiten Rettungspaket für Griechenland einen höheren Abschlag hinnehmen. Beim Euro-Gipfel am 21. Juli waren Einschnitte vereinbart worden, die auf 21 Prozent Abschreibungen hinauslaufen. Dieses Paket führt nach Darstellung des internationalen Bankenverbandes IIF aber angesichts der aktuellen Marktpreise schon jetzt rein rechnerisch zu einem Abschlag von 39 Prozent auf die griechischen Staatsanleihen. “Wenn man die Transaktion ordentlich und richtig - und in Übereinstimmung mit der Praxis in der Vergangenheit - bewertet, sollte man die aktuellen Abschläge ansetzen”, sagte Hung Tran, stellvertretender Geschäftsführer des Institute of International Finance (IIF). Die Euro-Finanzminister diskutieren EU-Kreisen zufolge unterdessen aber darüber, ob der absolute Beitrag am Forderungsverzicht bei den vereinbarten 50 Milliarden Euro bleiben oder höher ausfallen soll.

KREISE: EBA SOLL NEUN PROZENT EIGENKAPITAL VERLANGEN

Gleichzeitig sollen die Banken aber gezwungen werden, ihr Eigenkapital vorübergehend deutlich zu erhöhen. Die Europäische Bankenaufsicht EBA soll eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent verlangen, wie eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters in Brüssel sagte. Die Definition des Kapitals werde unverändert vom Banken-Stresstest im Juli übernommen, also sich annähernd nach dem ab 2013 geltenden Regelwerk Basel III richten. Für die Bestände an Staatsanleihen werde im Bank- wie im Handelsbuch der Marktwert zugrunde gelegt, der teilweise deutlich unter dem Buchwert liegt.

Die deutsche, die französische Regierung und auch Barroso verwiesen darauf, dass zunächst die Banken selbst gefordert seien, Kapital am Markt aufzunehmen. Allerdings dürfte kaum ein Geldhaus in der aktuellen Lage die Möglichkeit haben, sich ausreichend am Markt zu versorgen. Von daher läuft offenbar alles auf Staatshilfen und damit die europäischen Steuerzahler hinaus. Sollte es dazu kommen, so machte Eurogruppen-Chef Juncker deutlich, dann müssten die Staaten als Gegenleistung für ihre Kapitalspritzen sich auch Einfluss auf Aufsichtsrat, Management der Banken und eine Beteiligung an Dividendenzahlungen sichern. Barroso schlug zudem vor, schwachen Geldhäusern vor einer Rekapitalisierung die Auszahlung von Boni und Dividenden zu verbieten.

Seine Gedankenspiele stießen prompt auf Kritik bei Bankenverbänden, etwa dem Bundesverband deutscher Banken. Die Institute hätten ihr Kapital bereits aufgestockt und seien widerstandsfähiger als vorher, sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer. “Wenn nun über einen Stresstest mit willkürlich gesetzten Hürden ein neuer Kapitalbedarf ermittelt wird, können keine seriösen Ergebnisse erwartet werden”, sagte er. Ein Dividenden-Verbot mache die Banken für Investoren am Kapitalmarkt unattraktiv. Wirtschaftsminister Philipp Rösler stellte sich auf die Seite der Banken und betonte, “dass wir gegen Zwang und für Freiwilligkeit sind”.

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