for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up
Unternehmensnachrichten

Springer - Internet-Bezahlmodell für "Bild" läuft gut

Berlin (Reuters) - In Deutschland bezahlen immer mehr Leser für Inhalte im Internet. Rund ein halbes Jahr nach Einführung ihres Bezahlmodells hat Deutschlands größte Boulevardzeitung “Bild” fast 152.500 zahlende Abonnenten im Netz gewonnen.

Dies sei “extrem ermutigend”, sagte Springer-Chef Mathias Döpfner am Mittwoch auf dem Kapitalmarkttag des Verlagshauses in Berlin. Die Tageszeitung “Welt” - die allerdings mit einem anderen Bezahlmodell arbeitet - sei nach sechs Monaten bei rund 47.000 Online-Abonnenten gewesen.

Während Zeitungen wie die “New York Times”, “Financial Times” und das “Wall Street Journal” im Netz längst hinter einer Bezahlschranke stecken, setzt sich dieser Trend in Deutschland nur langsam durch. Springer würde sich über mehr Nachahmer freuen, betont Döpfner seit Monaten. Deutsche Tagesblätter wie “Süddeutsche” und “Frankfurter Allgemeine Zeitung” wollen angesichts rückläufiger Anzeigen- und Vertriebseinnahmen nun bald ihre Inhalte im Internet nur gegen Bezahlung sichtbar machen.

“Mich freut am meisten, dass es die Bereitschaft gibt, trotz der scharfen Gratiskonkurrenz für Online-Inhalte zu zahlen”, sagte Döpfner. Das Verlagshaus habe aber noch einen weiten Weg vor sich, um die Online-Angebote als sichere Erlösquellen zu etablieren. Zum Vergleich: Die gemeinsame Printauflage der “Bild” und “B.Z.” lag im dritten Quartal im Schnitt bei 2,6 Millionen Exemplaren. Die “New York Times”, international ein Vorreiter bei Bezahlschranken, zählte inklusive ihrer internationalen Ausgabe rund 727.000 Online-Abonnenten.

Die Mehrzahl der Online-Abonnenten orderte bei Springer nach Angaben von “Bild”-Geschäftsführerin Donata Hopfen die günstige Abo-Variante zum Monatspreis von 4,99 Euro. Rund 50.000 der Online-Käufer griffen zudem bei der Bundesliga-Zusammenfassung zu, die monatlich zusätzlich 2,99 Euro kostet. Der Berliner Medienkonzern hat einen Millionenbetrag in die Übertragungsrechte investiert.

VIDEO GEHÖRT DAZU

Das Angebot der “Welt” soll durch die Fusion mit dem Fernsehsender N24 gestärkt werden. “Ein digitales Medienunternehmen benötigt einen Zugang zu Video-Inhalten”, sagte Döpfner. Das habe man bereits vor acht Jahren gewusst, damals habe jedoch das Kartellamt die Übernahme von ProSiebenSat.1 untersagt. Springer verlagert seit Jahren sein Geschäft immer stärker ins Netz. Zum Konzern gehören Anzeigen-Portale wie Immonet, Seloger und Stepstone genauso wie Online-Vermarktungsdienste und eben der Printbereich. Dieser Sektor schrumpft allerdings deutlich mit dem Verkauf eines Großteils der Zeitungen und Magazine wie “Hamburger Abendblatt”, “Berliner Morgenpost” und “Hörzu” an die Essener Funke-Gruppe (“Westdeutsche Allgemeine Zeitung”).

Dieser Schritt sorgte deutschlandweit für viel Kritik. Döpfner betonte nun: “Journalismus ist der Kern des Unternehmens.” Dies solle sich ab kommendem Jahr auch in der Aufteilung der Konzernbereiche widerspiegeln. Es werde dann keine Unterscheidung mehr in print und digital, national und international geben. Stattdessen erfolge die Trennung in journalistisch betriebene Bezahlangebote, Vermarktungsangebote, die sich über Anzeigenkunden refinanzierten und Rubrikenangebote, die von zahlenden Stellen-, Immobilien- und Autoanzeigenkunden getragen würden.

for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up