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Unternehmensnachrichten

FOKUS 1-Kreise - Bieterverfahren für Bundesdruckerei gescheitert

Berlin, 15. Jul (Reuters) - Die Auktion der Bundesdruckerei ist Regierungskreisen zufolge abgeblasen worden. "Der Bieterwettbewerb ist beendet", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Das Wirtschaftsmagazin "Capital" berichtete vorab, die Offerten der beiden in Frage kommenden Kaufinteressenten, des Münchener Gelddruckers Giesecke & Devrient (G&D) und des TÜV Nord, seien dem Bund zu niedrig. Den ebenfalls interessierten französischen Konzern SagemSAF.PA lehne die Regierung wegen nationaler Sicherheitsinteressen ab.

Der Bund werde seine gestundeten Forderungen von rund 300 Millionen Euro nun in eine 25,1-Prozent-Beteiligung an dem Hersteller von Pässen, Ausweisen und Banknoten umwandeln, hieß es in der Bundesregierung. Das Bundesfinanzministerium und G&D wollten sich nicht äußern.

Nach Vorstellungen der Regierung soll die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba)[HLAG.UL] die restlichen 74,9 Prozent übernehmen, wie Reuters aus Finanzkreisen erfuhr. Sie ist seit dem ersten, gescheiterten Privatisierungsversuch der zweite Hauptgläubiger der Bundesdruckerei. Ein Sprecher der Bank sagte aber: “Wir haben nicht die Absicht, auf die Seite der Eigentümer zu wechseln. Wir werden unsere Kredite nicht in Eigenkapital umwandeln.” In Helaba-Kreisen hieß es, das Institut sei bereit, seine Forderungen gegen die Bundesdruckerei am Kreditmarkt zu verkaufen, wenn das Bieterverfahren zu keinem Ergebnis führe. Ursprünglich hatten die Darlehen ein Volumen von 500 Millionen Euro, die Schulden wurden aber bereits deutlich abgebaut.

Die Bundesdruckerei gilt als Beispiel einer misslungene Privatisierung. 2000 hatte der damalige Bundesfinanzminister Hans Eichel das Unternehmen mit Sitz in Berlin-Kreuzberg für gut eine Milliarde Euro an den Finanzinvestor Apax verkauft. Dieser bürdete dem Unternehmen wie in der Branche üblich hohe Schulden auf, führte es damit aber an den Rand der Pleite. 2002 stieg Apax wieder aus, seither gehört der frühere Staatsbetrieb dem Treuhänder Heinz-Günter Gondert von der Anwaltskanzlei Clifford Chance.

Vor allem das Innenministerium drängt auf eine erneute Beteiligung des Bundes an der Bundesdruckerei mit einer Sperrminorität. Triebfeder sind vor allem Sicherheitsinteressen. Der Verkauf der Mehrheit an G&D wurde vor allem von CSU-Vertretern gefordert. Das Münchner Unternehmen ist neben der Bundesdruckerei einziger deutsche Hersteller von Geldscheinen und hat zuletzt vor allem sein Geschäft mit Chipkarten ausgeweitet.

sob/pan/axh

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