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Schnelle Corona-Hilfe in der Schweiz, Geduldsprobe in Österreich

A general view shows the Niederdorfstrasse as bars and restaurants are closed, as a measure against the coronavirus disease (COVID-19) spread in Zurich, Switzerland April 1, 2020. REUTERS/Arnd Wiegmann

Wien/Zürich (Reuters) - “Es war unglaublich”, sagte der 48-Jährige Unternehmer Mats Klingberg.

Nur drei Stunden habe es gedauert, bis sein Notkredit im Rahmen des Coronavirus-Hilfsprogramms der Schweizer Regierung bewilligt war. “Ich habe das einseitige Formular heruntergeladen, es innerhalb von 15 Minuten ausgefüllt und an meine Bank weitergeleitet. Die Genehmigung kam innerhalb von drei Stunden”, sagte Klingberg, der Gründer und Eigentümer des Herrenmodegeschäfts Trunk im angesagten Zürcher Stadtteil Seefeld, zur Nachrichtenagentur Reuters.

Klingberg ist einer von mehr als 100.000 Schweizer Klein-Unternehmern, die das Hilfspaket der Regierung beantragt haben. Dieses sieht fünfjährige Überbrückungskredite zu null Prozent Zinsen vor, die durch staatliche Garantien gedeckt sind. Das schnelle und unbürokratische System der Schweiz hat auch das Interesse anderer Länder für ihre eigenen Hilfsprogramme geweckt. “Es vergeht kein Tag, an dem wir das niemandem erklären”, sagte Finanzminister Ueli Maurer diese Woche.

Klingberg betreibt auch zwei Geschäfte in London. Doch dort schreckte er von einer Kreditbewerbung zurück, da das System seiner Meinung nach viel zu kompliziert ist. “In Großbritannien wollten sie alle Arten von Informationen darüber, wie hoch der Cashflow in zwölf Monaten sein wird, was in der gegenwärtigen Situation unmöglich zu kalkulieren ist”. In der Schweiz sei dies viel einfacher und unkomplizierter, sagte der Unternehmer. “Ich bin sehr beeindruckt”.

ÄRGER IN ÖSTERREICH

Österreichs konservativ-grüne Regierung stellt im Rahmen ihres 38 Milliarden Euro schweren Hilfspakets neun Milliarden Euro für Garantien und Haftungen zur Kreditsicherung sowie zehn Milliarden Euro für Steuerstunden bereit. Doch fällt es den Unternehmen des Landes zum Teil ungleich schwerer, die finanziellen Hilfen zu erhalten.

Bei der Baumarktkette Fetter etwa brach während der vierwöchigen Filialschließung der Umsatz in den Märkten um 90 Prozent ein. “Bisher haben wir keinen einzigen Cent an Subventionen vom Staat erhalten”, sagte Andreas Fetter, Geschäftsführer des Unternehmens mit Sitz in Korneuburg nördlich von Wien. Seine Firma, die 400 Mitarbeiter beschäftigt, musste bei ihrer Hausbank einen Kredit aufnehmen, um Liquiditätsengpässe zu überbrücken und Ware für die Frühjahrs- und Sommersaison zu kaufen. Fetter kritisierte, dass das System sehr komplex und bürokratisch sei. So seien etwa die Regeln für die staatlich geförderte Kurzarbeit anfangs unklar gewesen.

Während in der Schweiz bisher 16,4 Milliarden Franken (15,6 Milliarden Euro) an 107.000 Unternehmen ausgegeben wurden, liegen die Auszahlungen in Österreich weit darunter. “Bisher wurden inklusive Kurzarbeit knapp zwölf Milliarden Euro an Hilfen und Liquidität zur Verfügung gestellt”, sagte Österreichs Finanzminister Gernot Blümel. Tatsächlich geflossen seien bisher 121 Millionen Euro, hieß es aus seinem Ministerium. In Höhe von rund vier Milliarden Euro seien Steuern gestunden worden, rund zwei Milliarden Euro seien an staatlichen Garantien genehmigt worden. Zudem gab es 800 Millionen Euro an Soforthilfe etwa für die Beschaffung medizinischer Produkte, hieß es.

Finanzminister Blümel sagte, Österreich habe rasch geholfen. “Wir haben auch im internationalen Vergleich sehr schnell reagiert und vor allem rasch mit der Auszahlung für unmittelbare Härtefälle und dringend notwendige Anschaffungen gestartet”. Kritik kam von der Opposition. “Die Unternehmerschaft ist sauer, sauer, sauer”, sagte Sepp Schellhorn, Wirtschaftssprecher der wirtschafts-liberalen Partei. “Bei keinem Unternehmer ist was angekommen, weder bei der Kurzarbeit noch sonst irgendwas”.

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