January 31, 2010 / 2:43 PM / 9 years ago

Finanzbranche streitet in Davos über Regulierung

Logo des Weltwirtschaftsforums im Kongress-Center in Davos am 31. Januar 2010. REUTERS/Christian Hartmann

Davos (Reuters) - Nach dem Regulierungsvorstoß von US-Präsident Barack Obama sieht sich die internationale Finanzbranche zunehmend unter Zugzwang.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann forderte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos mehr Eigeninitiative der Institute zur Verhinderung künftiger Krisen. Andernfalls werde die Politik im Alleingang neue Regeln durchsetzen. Führende Bankchefs zeigten sich zwar grundsätzlich offen für Reformen. Von einer einheitlichen Linie scheint die Branche aber weit entfernt zu sein. Teilnehmer berichteten am Wochenende von großen Meinungsverschiedenheiten zwischen Investmentbanken, großen Geldhäusern und kleineren Instituten.

Der italienische Notenbankchef Mario Draghi, der den von den großen 20 Industriestaaten (G20) ins Leben gerufenen internationalen Finanzstabilitätsrat leitet, forderte in Davos eine weltweit koordinierte Reform des Finanz- und Bankenwesens. “Wir brauchen eine zentrale Behörde mit der Macht, den Mitteln und den Kompetenzen, um sich um Bankenpleiten zu kümmern,” sagte er. Mit einer gemeinsamen Initiative der Geldhäuser dazu rechnen führende Vertreter aus Politik und Wirtschaft nicht. “Manche Investmentbanken leben in ihrer eigenen Welt”, zitierte die “Welt am Sonntag” Allianz-Vorstandsmitglied Paul Achleitner. “Ich befürchte, dass die Finanzwirtschaft weder die Kraft noch die Disziplin hat, gemeinsame Lösungen zu finden”, sagte Bayer-Chef Werner Wenning dem Blatt am Rande des Gipfels.

WIDERSTAND VON INVESTMENTBANKEN

In den Schweizer Alpen hatten führende Bankenvertreter aus Europa und den USA hinter verschlossenen Türen über die Konsequenzen aus der Finanzkrise und die Regulierungspläne der Politik diskutiert. Dabei hätten einige US-Häuser und Investmentbanken zum gemeinsamen Kampf gegen eine stärkere Regulierung aufgerufen, während große Geschäftsbanken für Kompromisse und eine versöhnliche Gangart plädierten, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person. “Es wird sehr schwer, sich auf eine gemeinsame Position zu verständigen.”

Deutsche-Bank-Chef Ackermann, der auch Vorsitzender der internationalen Bankenvereinigung IIF ist, rief seine Kollegen zu Geschlossenheit auf. “Alle in unserer Branche müssen einsehen, dass die Gesellschaft gewisse Übertreibungen nicht mehr akzeptiert”, sagte er dem “Focus”. “Wir müssen selbst aktiv die nötigen Schritte zu einer Mäßigung einleiten. Sonst darf sich niemand über staatliche Eingriffe wundern.”

Ackermann wiederholte zudem seine Forderung, einen von Banken und Staaten gemeinsam finanzierten europäischen Fonds einzurichten, mit dem ins Schlingern geratene Geldhäuser aufgefangen oder abgewickelt werden könnten. “Natürlich muss der Großteil der Gelder für diesen Fonds von den Banken kommen”, sagte er der “FT”. In Deutschland war der Vorschlag im November auf Kritik gestoßen, weil er neue Staatsgelder für die Branche beinhaltet.

Neben Ackermann stimmten auch Barclays-Präsident Bob Diamond und Bank-of-America-Chef Brian Moynihan moderate Töne an. “Wir wollen erreichen, dass es gute Gespräche mit allen relevanten Parteien, den Regulierern und der Politik gibt”, sagte Moynihan. Deutlicher wurde Commerzbank-Chef Martin Blessing. Er begrüßte die Pläne von US-Präsident Obama, der unter anderem den Eigenhandel der Banken beschneiden und die Branche wieder in klassische Geschäftsbanken und kapitalmarktorientierte Investmentbanken trennen will. “Ich denke, die Grundidee ist vernünftig”, sagte er der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. “Es wurden bereits zahlreiche Schritte unternommen, aber wir werden noch weitere Regulierungsmaßnahmen brauchen.” Die Commerzbank, an der der Bund gut ein Viertel hält, ist in den USA ungleich schwächer vertreten als der deutsche Branchenprimus Deutsche Bank.

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