June 18, 2015 / 10:11 AM / 4 years ago

Tauziehen um Griechenlands Schulden macht Anleger mürbe

Frankfurt (Reuters) - Das Hickhack im griechischen Schuldenstreit hat den europäischen Finanzmärkten am Donnerstag erneut zugesetzt.

A man walks inside the Athens stock exchange February 3, 2015.

Die Athener Aktienbörse fiel zeitweise auf ein Drei-Jahres-Tief. Ein überraschender Primärüberschuss des griechischen Haushalts sorgte am Mittag jedoch für Entspannung.

Ohne Berücksichtigung der Zinszahlungen wies der griechische Etat in den ersten fünf Monaten des Jahres ein Plus von 1,51 Milliarden Euro aus. Erwartet wurde dagegen ein Defizit von 556 Millionen Euro. Der Athener Leitindex, der zeitweise 4,3 Prozent auf 651,78 Punkte verloren hatte, drehte daraufhin ins Plus und notierte 1,7 Prozent fester. Der griechische Bankenindex gewann sogar 7,6 Prozent.

Dax und EuroStoxx50 konnten sich jedoch nicht in positives Territorium vorarbeiten. Sie notierten jeweils 0,6 Prozent schwächer bei 11.907 beziehungsweise 3408 Punkten. Eine Einigung zwischen Griechenland und seinen Geldgebern auf Bedingungen für weitere Finanzhilfen sei nicht in Sicht, betonte Brenda Kelly, Chef-Analystin des Online-Brokers London Capital. Ohne einen Kompromiss droht dem Mittelmeer-Anrainer zum Monatsende die Pleite.

YELLEN DÄMPFT SPEKULATION AUF BALDIGE ZINSWENDE

Darüber hinaus machte den Aktienmärkten die Aufwertung des Euro zu schaffen, die Waren europäischer Firmen auf dem Weltmarkt weniger wettbewerbsfähig macht. Am Mittag kostete die Gemeinschaftswährung kostete mit 1,1399 Dollar rund eineinhalb US-Cent mehr als zur gleichen Zeit des Vortages. Am Vorabend hatte Fed-Chefin Janet Yellen die Spekulationen auf eine baldige US-Zinserhöhung gedämpft. Jan Hatzius, Chef-Analyst für die USA bei Goldman Sachs, rechnet nun frühestens im Dezember statt September mit einem solchen Schritt.

Die Abwertung des Dollar gab den Rohstoffmärkten Auftrieb, weil Rohöl, Gold & Co. dadurch für Investoren außerhalb der USA billiger werden. Die richtungsweisende Ölsorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um ein Prozent auf 64,51 Dollar je Barrel (159 Liter). Gold kostete mit 1201 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) 1,3 Prozent mehr als am Vortag.

BILFINGER BRECHEN EIN - VERLUSTSPARTE STEHT ZUM VERKAUF

Bei den deutschen Aktienwerten sorgte Bilfinger erneut für Schlagzeilen. Der Baukonzern stellte seine Sparte Power zum Verkauf, da dort zusätzliche Verluste drohten. DZ Bank-Analyst Jasko Terzic wertete dies als weitere Gewinnwarnung. Dass die Entscheidung für einen Verkauf schon so kurz nach dem Amtsantritt des neuen Chefs Per Utnegaard gefallen sei, deute darauf hin, dass das Geschäftsumfeld schwach bleibe. Das Unternehmen hatte seine Ergebnisziele seit Sommer vergangenen Jahres fünf Mal heruntergeschraubt. Bilfinger-Titel fielen am Donnerstag um bis zu 16,5 Prozent auf ein Sechs-Jahres-Tief von 31,31 Euro.

Unter Verkaufdruck geriet auch ProSiebenSat.1, nachdem Entertainer und Sender-Zugpferd Stefan Raab sein Karriere-Ende angekündigt hatte. Die kostengünstigen TV-Formate Raabs müssten nun ersetzt werden, sagten Börsianer. ProSieben-Aktien verloren 1,4 Prozent.

Die Papiere des Software-Konzerns SAP büßten 1,6 Prozent ein. Sie litten Aktienhändlern zufolge unter den enttäuschenden Zahlen des US-Konkurrenten Oracle. Dessen Papiere rutschten im vorbörslichen US-Geschäft um gut sechs Prozent ab.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below