November 23, 2018 / 7:28 AM / in 24 days

Deutsche Wirtschaft schrumpft erstmals seit dreieinhalb Jahren

Mechanic staff work on the production line of Volkswagen e-Golf in the Glaeserne Manufaktur plant in Dresden, Germany May 8, 2018. REUTERS/Matthias Rietschel

Berlin (Reuters) - Massive Probleme in der Autoindustrie haben die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal erstmals seit dreieinhalb Jahren schrumpfen lassen.

Erste Signale deuten daraufhin, dass die Konjunktur Ende 2018 zwar wieder anzieht. Aber viele Experten gehen davon aus, dass der Höhepunkt des Aufschwungs längst vorbei ist. Wie am Freitag aus einer Umfrage unter Industrie und Dienstleistern hervorging, legte die Wirtschaft im November so schwach zu wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Dies zeige, “dass die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone ein weiteres Mal erheblich an Dynamik verloren hat”, sagte Ökonom Phil Smith vom Institut IHS Markit.

Die gesamte deutsche Wirtschaft schrumpfte auch wegen der geringeren Autoproduktion zwischen Juli und September um 0,2 Prozent. Das Statistische Bundesamt bekräftigte damit eine frühere Schätzung. Es war nicht nur der erste Rückgang im Quartalsvergleich seit Anfang 2015, sondern zugleich der stärkste seit fünfeinhalb Jahren. Im Winter hatte es ein Plus von 0,4 Prozent gegeben, im Frühjahr von 0,5 Prozent.

Experten machen die Autoindustrie für das schwache Abschneiden verantwortlich, deren Probleme mit der Umstellung auf das neue Abgasmessverfahren einen Zulassungsstau auslöste. Die Folge: Trotz Rekordbeschäftigung und steigender Löhne gaben die Verbraucher 0,3 Prozent weniger für den Konsum aus. Zudem schrumpften die Exporte um 0,9 Prozent. Positive Impulse kamen von den Investitionen: Für Ausrüstungen wie Maschinen und Geräte wurden 0,8 Prozent mehr ausgegeben, für Bauten 0,9 Prozent mehr. Die Baubetriebe sammelten allein im September Aufträge über 6,6 Milliarden Euro ein - so viel wie seit 1998 nicht mehr in einem September.

Die staatliche Förderbank KfW erwartet, dass sich die Wirtschaft im vierten Quartal “kurzfristig kräftig erholt” und das Bruttoinlandsprodukt um 0,8 Prozent steigen dürfte. “Darüber hinaus dürfte es aber keine Rückkehr zu dauerhaft hohen Quartalswachstumsraten geben”, sagte KfW-Chefökonom Jörg Zeuner. “Die zuvor sehr kräftige Konjunktur mit dem Jahr 2017 als Höhepunkt kühlt ab.” Das Institut senkte seine Wachstumsprognose für 2018 auf 1,6 von zuletzt 1,8 Prozent. Wegen der Sommerflaute ist führenden Instituten zufolge auch die Schätzung der Bundesregierung von 1,8 Prozent kaum mehr erreichbar.

Einen weiteren Dämpfer für die Konjunkturaussichten lieferte der Markit-Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleister. Er fiel im November um 1,2 auf 52,2 Punkte und somit unerwartet kräftig. Das Barometer hielt sich aber über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Auch die Privatwirtschaft in der Euro-Zone wuchs so langsam wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Hier fiel der Index um 0,7 auf 52,4 Zähler. “Wir müssen uns auf einen enttäuschenden Jahresausklang einstellen”, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. In die Zukunft gerichtete Indikatoren wie Aufträge und Geschäftsaussichten seien “beunruhigend schwach ausgefallen”.

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