March 21, 2013 / 2:28 PM / 7 years ago

Aufsicht wird Deutsche Bank in Zinsskandal verwarnen

A sign marks a cash point in front of the headquarters of Germany's largest business bank, Deutsche Bank in Frankfurt February 19, 2013.

Frankfurt (Reuters) - Die Finanzaufsicht BaFin zeigt dem neuen Führungsduo der Deutschen Bank im Skandal um Zinsmanipulationen nur die gelbe Karte:

Anshu Jain und Jürgen Fitschen werden verwarnt, aber nicht vom Platz gestellt. In dem Bericht zu den Tricksereien mit den Zinssätzen werde die Behörde auf organisatorische Mängel hinweisen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Diese seien vergleichbar mit denen anderer beteiligter Institute in der Affäre. “Das wird wohl nicht viel mehr als ein erhobener Zeigefinger”, betonte ein Insider. Die Bafin dränge darauf, dass die Mängel beseitigt würden - was in vielen Fällen bereits geschehen sei.

Eine rote Karte müsse das Top-Management des größten deutschen Geldhauses nach jetzigem Stand nicht fürchten, ergänzte eine weitere involvierte Person. Es gebe keine Erkenntnisse über eine Verstrickung der neuen Bankchefs Jain und Fitschen oder ihres Vorgängers Josef Ackermann in den Skandal. In dem Bericht weise die BaFin aber durchaus auf Fehlverhalten einzelner Händler hin, die gemeinsam mit Mitarbeitern anderer Banken an den Manipulationen beteiligt waren. Auch das “Handelsblatt” berichtete, dass Jain und Fitschen von der BaFin nicht belastet würden.

Die Deutsche Bank hat nach Erkenntnissen der Aufsicht die Risiken der Manipulation zentraler Zinssätze wie Libor oder Euribor zu lange unterschätzt, wie es in Finanzkreisen heißt. Die Kontrollprozesse bei der Festsetzung der Zinsen seien erst spät verschärft worden. Der Libor und der Euribor werden einmal täglich ermittelt. Sie sind Basis für billionenschwere Finanztransaktionen rund um den Globus und beruhen auf Angaben der Banken zu ihren Refinanzierungskosten. Händler von mehr als einem Dutzend Banken sollen vor und während der Finanzkrise durch falsche Meldungen die Zinsen zu ihren Gunsten verzerrt und dadurch Handelsgewinne eingestrichen haben. Die Deutsche Bank hat sieben Mitarbeiter wegen des Skandals entlassen oder suspendiert.

Die Bank wartet gespannt auf den Bericht der BaFin, die seit einem Jahr unter Mitarbeit der Bundesbank und der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young die Affäre untersucht. Bis Ostern will die Aufsicht ihre gesammelten Erkenntnisse vorlegen, wie Behördenchefin Elke König Reuters in dieser Woche sagte. Der Bericht geht ans Finanzministerium, veröffentlicht wird er nicht. “Noch ist die Prüfung nicht abgeschlossen”, sagte eine BaFin-Sprecherin am Donnerstag. Der Prüfbericht dürfte Basis für Vergleichsverhandlungen der Deutschen Bank mit Aufsehern in Großbritannien und den USA sein, die direkte Strafzahlungen verhängen können. Experten rechnen dabei für das Frankfurter Institut mit weniger als 500 Millionen Euro, Rückstellungen wurden Finanzkreisen zufolge bereits gebildet. Die Schweizer UBS sowie die britischen Banken Barclays und Royal Bank of Scotland mussten wegen ihrer Verwicklung in die Affäre zusammen mehr als 2,5 Milliarden Dollar zahlen.

Co-Chef Jain steht besonders im Visier, da er früher das Investmentbanking geleitet hat - wo die Manipulationen stattgefunden haben. Bei Barclays musste der einstige Investmentbankchef Bob Diamond seinen Hut nehmen. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank erkennt aber keine Parallelen zur britischen Großbank. Die Kontrolleure haben nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse, dass ein Vorstandsmitglied über die Tricksereien mit den Zinssätzen informiert war.

Jain äußerte sich am Donnerstag auf einer Investorenkonferenz in London nicht zu der Affäre. Er sprach stattdessen von einem guten Start ins Jahr 2013. Das erste Quartal sei solide gelaufen mit Erträgen auf einem vergleichbaren Niveau wie 2012. Auch auf der Kostenseite habe die Bank weitere Fortschritte gemacht. Insgesamt wollen Jain und Fitschen bis 2015 die jährlichen Kosten um 4,5 Milliarden Euro senken, nicht zuletzt mit dem Abbau von mehr als 2000 Stellen. Die Aktie zog am Donnerstag gegen den Markttrend um 0,1 Prozent an.

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