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Unternehmensnachrichten

Erneute Cum-Ex-Razzia bei Frankfurter Niederlassung von ABN Amro

ABN AMRO logo is seen at the headquarters in Amsterdam, Netherlands May 14, 2019. Picture taken May 14, 2019. REUTERS/Piroschka van de Wouw

Frankfurt (Reuters) - Bei der deutschen Niederlassung der niederländischen Großbank ABN Amro hat es wegen Cum-Ex-Geschäften erneut eine Razzia gegeben.

Mehrere Ermittler und Polizisten durchsuchten am Donnerstag die Filiale inmitten des Frankfurter Bankenviertels. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln bestätigte, dass die Razzia im Rahmen von Cum-Ex-Ermittlungen stattfinde. ABN Amro erklärte, mit den deutschen Behörden zu kooperieren und alle geforderten Informationen zur Verfügung zu stellen.

Hintergrund der Durchsuchungen, über die zuerst der WDR, die “Süddeutsche Zeitung” und das “Handelsblatt” berichteten, sind vermutete Tricksereien bei Aktiengeschäften (“Cum-Ex”). Schon im November hatten Polizisten die Frankfurter Büros von ABN Amro durchsucht. Damals war die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt zuständig. Sie warf sechs Beschuldigten vor, einen Steuerschaden von zusammen 53,3 Millionen Euro verursacht zu haben. Laut “Süddeutscher Zeitung” untersuchen die Ermittler in Köln nun Fälle aus den Jahren nach 2009. Zu den Hauptverdächtigten gehörten mehrere ehemalige Manager eines der Vorgängerinstitute des heutigen ABN-Amro-Konzerns.

Bei den “Cum-Ex”-Geschäften ging es vereinfacht gesagt darum, Steuerzahlungen vorzutäuschen und sich eine nur einmal gezahlte Kapitalertragssteuer mehrfach erstatten zu lassen. Dazu verschoben Händler um den Stichtag der Dividendenzahlung herum untereinander Aktien mit (cum) und ohne (ex) Dividendenanspruch. Dem Fiskus sind dadurch Milliarden entgangen, bevor die Gesetzeslücke 2012 geschlossen wurde.

Vor dem Landgericht in Bonn wird derzeit in größerem Umfang der Cum-Ex-Skandal aufgearbeitet. Zwei Händler stehen unter dem Verdacht, von 2006 bis 2011 mit Cum-Ex-Transaktionen getrickst und den deutschen Staat um rund 440 Millionen Euro gebracht zu haben. Ihnen droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Der zuständige Richter sieht die Geschäfte in einer ersten rechtlichen Einschätzung als strafbar an.

ABN Amro steht auch unter dem Verdacht der Geldwäsche und muss eine Strafe der niederländischen Behörden fürchten. Der Konzern soll jahrelang verdächtige Zahlungen nicht gemeldet und Geldwäsche nicht erkannt haben. Der ABN-Amro-Wettbewerber ING musste deshalb im September 2018 eine Rekordstrafe von 775 Millionen Euro zahlen.

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