June 4, 2018 / 12:17 PM / 16 days ago

Gauland rudert nach massiver Kritik an Wertung der Nazi-Zeit zurück

Berlin (Reuters) - Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland rudert nach massiven Vorwürfen der Verharmlosung der nationalsozialistischen Diktatur zurück.

Germany's Anti-immigration party Alternative for Germany (AfD) leader Alexander Gauland addresses a news conference in Berlin, Germany, March 12, 2018. REUTERS/Axel Schmidt

Er müsse zur Kenntnis nehmen, dass seine Wertung, die Nazi-Herrschaft sei ein “Vogelschiss” in der deutschen Geschichte, von vielen Menschen als unangemessene Bagatellisierung angesehen werde, teilte er am Montag mit: “Nichts lag mir ferner als einen solchen Eindruck entstehen zu lassen.” Den Partei- und Verbände-übergreifenden Protesten schloss sich am Montag auch die Bundesregierung an. “Es ist beschämend, dass wir uns mit solchen Äußerungen befassen müssen”, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Gauland hatte sich am Samstag beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative (JA) zwar zur Verantwortung der Deutschen für die NS-Zeit bekannt, aber auch gesagt: “Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.” Die Nazi-Herrschaft mit Zweitem Weltkrieg, Millionen von Toten und dem mit industriellen Methoden durchgeführten Massenmord an Juden gilt als beispielloser Bruch von Ethik und Kultur. Die Deutschen müssten sich zu immerwährender Verantwortung bekennen, forderte Seibert. “Wer das aufs Spiel setzt, der disqualifiziert sich selbst.”

Der Bundesvorstand der AfD verzichtete auf eine offizielle Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen Gauland. Allerdings rügte er am Montag das Absingen aller Strophen des Deutschlandliedes beim JA-Bundeskongress, an dem auch Gauland zeitweise teilnahm. Nur die dritte Strophe, die mit der Textzeile “Einigkeit und Recht und Freiheit” beginnt, ist die offizielle deutsche Nationalhymne. Die erste Strophe des aus dem 19. Jahrhundert stammenden Textes beginnt mit der Zeile “Deutschland, Deutschland über alles” und steht nach Ansicht von Kritikern für einen übersteigerten Nationalismus.

JA-Chef Damian Lohr erklärte, die Rüge des AfD-Vorstandes werde zur Kenntnis genommen und betonte, dass Absingen aller Strophen des Deutschlandliedes sei nicht verboten. “Wir als JA besinnen uns auf die Wurzeln des deutschen Nationalstaates und auf den Kern des deutschen Patriotismus”, erklärte Lohr.

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