March 9, 2018 / 1:13 PM / 3 months ago

Deutsche Berater erstmals in afghanischer Unruheprovinz Fariab

Berlin (Reuters) - Deutsche Soldaten werden als Teil der Beratungsmission in Afghanistan erstmals auch in der Unruheprovinz Fariab im Norden des Landes eingesetzt.

Rund 60 Bundeswehr-Soldaten seien derzeit gemeinsam mit Truppen aus anderen Ländern in einem afghanischen Feldlager in Meimaneh, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr am Freitag. Sie leisteten keine Beratung, sondern untersuchten, ob die Unterstützung der afghanischen Armee-Führung im Norden durch die Nato-Truppen Erfolg habe. Dabei gehe es vor allem um Operationsplanung, die Weitergabe und Verarbeitung von Informationen und Logistik. Die Nato-Truppen richten ihr Augenmerk damit auf den zweiten Hotspot im Norden Afghanistans neben der Region Kundus. In der Unruheprovinz Kundus sind bereits seit einiger Zeit praktisch durchgängig wieder deutsche Berater vor Ort.

“Wir wollen überprüfen, ob das, was wir oben reinstecken, auch auf den unteren Ebenen ankommt”, erklärte der Sprecher des Einsatzführungskommandos die Aufgabe der deutschen Soldaten in Meimaneh. “Wir schauen beispielsweise: Wie führen die afghanischen Führer ihre Leute vor Ort, sorgen sie dafür, dass ausreichend Sprit, ausreichend und die richtige Munition sowie genügend Verpflegung in eine Operation mitgenommen werden.” Die Erkenntnisse würden in die weitere Ausbildung und Beratung einfließen, damit die Afghanen Mängel abstellen könnten. Der Einsatz der deutschen Soldaten in Fariab sei zeitlich begrenzt. Auch amerikanische Soldaten seien vor Ort. Sie sollten vor allem für den Schutz der übrigen Truppen sorgen.

UNRUHE-PROVINZEN ZWEITER HOTSPOT IM NORDEN NACH KUNDUS

Die afghanische Brigade in Meimaneh, bei der die deutschen Soldaten derzeit tätig sind, trägt die Sicherheitsverantwortung für zwei instabile Provinzen im Nordwesten: Für Fariab, das als Hochburg der radikalislamischen Taliban gilt, und für Dschowsdschan, wo die Extremistenmiliz IS am Erstarken ist. Zuletzt hatte der IS in Afghanistan Medienberichten zufolge radikale Muslime weltweit aufgerufen, an den Hindukusch zu kommen, falls sie die Dschihad-Gebiete in Syrien oder dem Irak nicht erreichen könnten. Sie seien in den IS-Hochburgen im Norden und Osten Afghanistans willkommen.

Derzeit sind gut tausend deutsche Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Die Bundesregierung will die Obergrenze des Mandats um weitere rund 300 Soldaten anheben, da sich die Sicherheitslage verschlechtert hat und mehr Schutzkräfte für die Ausbilder vor Ort nötig sind. Die meisten deutschen Soldaten sind in einem Nato-Feldlager in Masar-i-Scharif stationiert, der größten Stadt im Norden.

In der Nachbarprovinz von Kundus, in Tachar, töteten die Taliban in der Nacht zum Freitag bei einem Angriff auf einen Außenposten der Sicherheitskräfte nach Angaben der Behörden sieben Soldaten und zehn Polizisten. Wenige Stunden später riss in der Hauptstadt Kabul ein Selbstmordattentäter mindestens sieben Menschen mit in den Tod. Unter den Opfern seien ein Polizist und sechs Zivilisten, erklärte das Innenministerium. 15 Zivilisten seien verletzt worden. Der Anschlag richtete sich offenbar gegen eine Menschenmenge, die sich zum Jahrestag der Ermordung eines prominenten Politikers aus der Volksgruppe der Hasara durch die Taliban versammelt hatte. Der Attentäter wurde jedoch an einer Sicherheitskontrolle gestoppt, ehe er die Versammlung erreichte.

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