April 22, 2008 / 5:37 PM / 12 years ago

Bundeswehrverband fordert Aufstockung in Afghanistan

Berlin (Reuters) - Der Bundeswehrverband fordert noch vor der Sommerpause eine massive Aufstockung der deutschen Truppen in Afghanistan.

Die Mandatsgrenze müsse um 500 auf 4000 Soldaten erhöht werden, sonst sei der Einsatz nicht mehr zu verantworten, sagte Verbandschef Bernhard Gertz am Dienstag in Berlin. In das neue Mandat ab Oktober müsse zudem ein Puffer von weiteren 400 bis 800 Soldaten eingebaut werden, damit die Truppe auf eine Verschlechterung der Sicherheitslage flexibel reagieren könne.

SPD-Fraktionschef Peter Struck stellte sich grundsätzlich hinter die Forderung nach einer Truppenaufstockung, ließ den Zeitrahmen aber offen. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung lehnte eine rasche Erhöhung des Kontingents dagegen ab und verwies auf das aktuelle Mandat, das bis Oktober gilt. Die FDP forderte den Bund auf, in der Frage endlich Farbe zu bekennen.

Gertz begründete seine Forderung damit, dass die Obergrenze von 3500 Soldaten für die neuen Aufgaben am Hindukusch zu knapp kalkuliert sei. Die Bundeswehr habe dieses Limit längst erreicht und überschreite es derzeit sogar wegen des Truppentauschs um 300 Soldaten, sagte er. Um Kapazität für die 330 Soldaten zu schaffen, die ab Sommer für die schnelle Eingreiftruppe und zum Ersatz dänischer Truppen nötig seien, solle nun die gleiche Zahl Soldaten abgezogen werden. Dies werde jedoch Konsequenzen für die Sicherheit haben, warnte der Verbandschef.

Scharfe Kritik übte Gertz an der Ausrüstung. Im Norden Afghanistans auf einen Hubschrauber des Typs CH-53 zu warten, gleiche nach dem Bericht eines Kommandeurs vor Ort einem Glücksspiel. Es gebe Tage, an denen kein einziger der sechs deutschen Helikopter einsatzfähig sei. Die minengeschützten Schützenpanzer des Typs “Marder”, die für die Eingreiftruppe vorgesehen sind, seien den Beanspruchungen schon beim Training im Inland nicht gewachsen - und damit in Afghanistan wohl nicht zu gebrauchen. Auch die gepanzerten Truppentransporter des Typs “Dingo” seien nicht für das hohe Gewicht der Panzerung ausgelegt und zeigten Ausfallerscheinungen.

All diese Defizite müsse die Politik benennen, statt die Ausstattung der Bundeswehr immer nur schönzureden, forderte Gertz. Zudem plädierte er für den Einsatz von Panzerhaubitzen, um Raketenangriffe wie in Kundus zu stoppen. Die Bundeswehr hob in der nordafghanischen Stadt nach Ministeriumsangaben erst am Montag ein Waffenlager mit Panzerfaustgranaten und Raketen aus.

MINISTERIUM WEIST GERTZ’ KRITIK ZURÜCK

Das Verteidigungsministerium nannte die Kritik von Gertz unerträglich. Die Panzerung schränke die Fahrzeuge vielleicht ein, sie schütze aber zugleich das Leben der Soldaten, sagte ein Sprecher. Wunschdenken sei das eine, die Realität mit den finanziellen Rahmenbedingungen und den Fähigkeiten der Industrie aber etwas anderes. Der Ruf nach dem Einsatz von Haubitzen ziele ins Leere, weil damit die Gefahr ziviler Opfer steigen würde.

Auch der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold äußerte sich skeptisch zum Einsatz von Haubitzen, zeigte sich aber für eine Truppenaufstockung erneut offen: Das Mandat sei auf Kante genäht, wenn die Eingreiftruppe komme und wegen der dauernden Angriffe die Verstärkung im Feldlager Kundus bleiben müsse. Bis zur Entsendung der Eingreiftruppe im Juni sei eine Aufstockung politisch wohl nicht durchsetzbar. Hinweise auf Sicherheitsrisiken habe er deshalb allerdings nicht.

Für das neue Mandat im Oktober drängte Arnold auf klare Entscheidungen. Er erwarte, dass der Verteidigungsminister trotz der Landtagswahl in Bayern notwendige Schritte nicht verzögere. Zur Höhe einer Aufstockung wollte er sich nicht äußern. Richtig sei aber, dass in künftigen Mandaten ein Puffer nötig sei, um auf Veränderungen der Sicherheitslage reagieren zu können.

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