January 16, 2008 / 4:39 PM / 11 years ago

Deutsche könnten Kampftruppe in Afghanistan stellen

Berlin (Reuters) - Die Bundeswehr wird künftig wohl Kampftruppen für den Norden Afghanistans stellen, um im Notfall einzugreifen.

“Es ist sicher, dass wir diese Aufgabe übernehmen”, sagte der Chef des Deutschen Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, dem “Tagesspiegel”. Er unterstützte die Pläne, warnte aber, dabei könnten auch Soldaten sterben. Die Regierung kündigte eine Entscheidung bis Ende des Monats an. Norwegen werde diese Aufgabe im Sommer abgeben, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, am Mittwoch in Berlin. Die Nato-Führung habe daher bei mehreren Nationen angefragt.

Die schnelle Eingreiftruppe würde dann etwa 240 deutsche Soldaten umfassen, die gegen Unruhen, für Zugriffe, zum Schutz für Konvois oder für Befreiungsaktionen eingesetzt werden könnten. Raabe sagte weiter, als Führungsnation im Norden habe Deutschland besonderes Interesse, dass dem Regionalkommandeur diese taktische Reserve weiter zur Verfügung stehe.

Sollte Deutschland die Aufgabe übernehmen, wäre dies im Rahmen des bestehenden Isaf-Mandates möglich, sagte der Sprecher. Die Höchstgrenze des Mandats von 3500 Soldaten müsse dazu nicht überschritten werden. Der Einsatz hätte auch keine völlig neue Qualität, da die Bundeswehr in Afghanistan bereits über ähnliche Eingreiftruppen verfüge. Norwegen habe die Truppe seit dem Frühjahr 2006 gestellt.

Der Bundeswehr-Verband unterstützte die Pläne, auch um die deutschen Soldaten in der Region zu schützen. Allerdings sei der Einsatz gefährlich. Die Soldaten müssten kämpfen, wenn eigene Truppen in Bedrängnis gerieten. “Man muss davon ausgehen, dass es solche Situationen geben wird”, sagte Gertz mehreren Zeitungen. “Und man kann nicht von vornherein darauf vertrauen, dass das ohne Opfer abgehen wird.”

Der Unions-Verteidigungsexperte Bernd Siebert kritisierte die Diskussion als verfrüht. Deutschland büße damit erheblich Handlungsspielraum ein. “Andere Nationen werden nun deutlich weniger Bereitschaft an den Tag legen”, sagte er. Die USA kündigten an, 3200 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan zu entsenden. Grund ist eine befürchtete Frühjahrsoffensive der radikal-islamischen Taliban-Rebellen.

Die FDP-Verteidigungsexpertin Birgit Homburger forderte einen ehrlichen Umgang mit dem Thema. “Das bedeutet ganz klar eine neue Qualität des Einsatzes”, sagte sie Reuters. Die Truppe sei dafür da, bei Bedarf mit Waffen einzugreifen. Es gehe um nichts anderes als einen Kampfeinsatz. Darüber dürfe das Verteidigungsministerium die Menschen nicht im Unklaren lassen.

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